Hat er recht?

Die Anwohner selbst zu schnell? Wie der Bürgermeister Oberbergkirchens eine Tempomessung deutet

Damit niemand zu Schaden kommt: In der Straße „Am Alten Pfarrhof“ in Oberbergkirchen gilt Tempo 30. Die meisten Geschwindigkeitsverstöße kommen laut Gemeinderat von Anliegern selbst.
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Damit niemand zu Schaden kommt: In der Straße „Am Alten Pfarrhof“ in Oberbergkirchen gilt Tempo 30. Die meisten Geschwindigkeitsverstöße kommen laut Gemeinderat von Anliegern selbst.
  • vonSabine Gillhuber
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Die Geschwindigkeitsmessung in einer Tempo-30-Zone in Oberberkirchen überführte fast die Hälfte der gemessenen Verkehrsteilnehmer als zu schnell. Überraschend, denn eigentlich fahren dort fast nur Anwohner.

Oberbergkirchen – Auch in Oberbergkirchen sind in der Tempo-30-Zone vor allem die Anwohner zu schnell unterwegs. Diesen Schluss zog der Gemeinderat aus den Ergebnissen einer Geschwindigkeitskontrolle in der Straße „Am Alten Pfarrhof“. Die Verwaltung stellte sie bei der jüngsten Gemeinderatssitzung vor.

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Vom 5. bis 12. Dezember fand dort eine Geschwindigkeitsmessung statt. In dieser Zeit fuhren laut Radarkontrolle gut die Hälfte der 1072 Fahrzeuge zu schnell. 584 Fahrzeuge waren mit 35 Kilometern in der Stunde oder schneller unterwegs. Dreiviertel davon brachten es auf Tempo 45, die vier Spitzenreiter kamen auf knapp 60. Dabei waren die meisten Schnellfahrer vor 7 Uhr und zwischen 16 bis 17 Uhr unterwegs.

Große Eingriffe nicht notwendig

„Das deutet darauf hin, dass in den Fällen, in denen zu hohe Geschwindigkeiten gemessen wurden, diese wohl von den ortskundigen Anliegern selbst gefahren wurden. Durchgangsverkehr findet im Siedlungsgebiet wohl nur wenig statt“, sagte Bürgermeister Michael Hausperger (CSU/Parteifreie)vor dem Gemeinderat.

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Willi Kreck (Grüne) betonte, dass doch „viele mit über 40 Kilometern in der Stunde zu schnell fahren“. Rechne man einen Anteil an Radfahrern heraus, gehe er davon aus, dass 48 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu schnell seien.

Größere Eingriffe zur Reduzierung des Tempos hielt Bürgermeister Hausperger trotzdem nicht für notwendig, denn die Überschreitungen bewegten sich im moderaten Bereich. Die Gemeinde sieht nach seinen Angaben deshalb keinen zwingenden Handlungsbedarf. „In den letzten fünf Jahren gab es keinen Unfall“, sagte Hausperger.

Bodenschwelle ist keine Lösung

Bereits vor der Sitzung war der Einbau einer Bodenschwelle vom Tisch. Für sie hatte die Gemeinde einen freiwilligen Paten gesucht, der die Schwelle im Winter entfernen, einlagern und im Frühjahr wieder anbringen würde. „Da sich jedoch kein Pate gefunden hat und die Maßnahme in der Zwischenzeit ohnehin von den Anliegern aus Lärmgründen abgelehnt wurde, schied die Bodenschwelle bereits aus“, erklärte Hausberger.

Andere Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung scheiden nach Ansicht der Gemeinde aus. Eine Pflastererhöhung im Kreuzungsbereich wurde bereits eingebaut, eine weitere Erhöhung würde eine höhere Lärmbelästigung nach sich ziehen. Eine weitergehende Beschilderung sei nicht zulässig.

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Die von Anliegern behauptete Missachtung der Rechts-vor-Links-Regel in der Tempo-30-Zone lässt sich aus Sicht der Gemeinde nur schwer beurteilen. Da keine Unfallhäufung zu beobachten sei, müsse davon ausgegangen werden, dass die Vorfahrtsregelung funktioniere, hieß es.

Polizei appelliert die an Eltern

Die Polizei wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Eltern für die Sicherheit der Kinder auf der Straße verantwortlich seien, bis diese alt genug seien, um sich alleine sicher auf der Straße bewegen zu können. Am Ende sprach sich der Gemeinderat einstimmig für zwei Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit aus. Auf der Straße sollen Tempo-30-Schilder als Fahrbahnmarkierung aufgemalt werden. Anwohner sollen darum gebeten werden, ihre Hecken zurückzuschneiden, um so die Sicht zu verbessern.

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