Ein Zaun für die Zauneidechse: Aufwendige Vorbereitungsarbeiten für neue Brücke in Hofthambach

Viel Aufwandfür einen kleinen Bewohner de Areals um die Hofthambacher Brücke. Bevor es mit dem Neubau losgeht, wird die Eidechsenpopulation umgesiedelt.
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Viel Aufwandfür einen kleinen Bewohner de Areals um die Hofthambacher Brücke. Bevor es mit dem Neubau losgeht, wird die Eidechsenpopulation umgesiedelt.

Die Corona-Krise mag das gesellschaftliche Leben lahm gelegt haben. Geplante Baumaßnahmen sind bislang aber noch nicht von den Einschränkungen in Mitleidenschaft gezogen. Der Bau einer neuen Brücke über die Bahnlinie in Hofthambach wird durchgezogen. Mittendrin statt nur dabei: die Zauneidechse.

Neumarkt-St. Veit/Hofthambach – Wie Natascha Engelmann au dem Neumarkt-St. Veiter Bauamt mitteilt, seien viele Vorbereitungsarbeiten für den Neubau der Brücke bereits erfolgt. Ende Februar sei bereits der Rückschnitt beziehungsweise die Gehölzentnahme der angrenzenden Böschungen erfolgt. „Dies ist die erste Maßnahme für den Ersatzneubau der Brücke in Hofthambach, der voraussichtlich im Juni 2020 beginnen soll“, informiert dazu die Leiterin des Bauamtes im Neumarkter Rathaus.

Nicht nur ein Eingriff in die dortige Flora entlang der stillgelegten Bahnlinie. Auch an die Fauna haben die Behörden zu denken. Und so wurde in der vergangenen Woche ein Schutzzaun für die Zauneidechse errichtet. Dieser diene dazu, dass das heimische Reptil zwar den Baustellenbereich verlassen könne, jedoch nicht mehr in das Baufeld hineinwandern könne. Diese Maßnahme habe laut Bauamt im Zeitraum von Ende März bis Anfang Mai zu erfolgen.

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Wie Engelmann weiter informiert, werde das Baufeld, noch bevor die Maumaschinen tatsächlich anrücken, durch geeignetes Fachpersonal, in diesem Fall durch einen von der Stadtbeauftragten Umweltplaner beziehungsweise Biologen, auf das Vorhandensein weiterer Zauneidechsen überprüft. Gegebenenfalls würden diese noch vorhandenen Tiere dann abgesammelt und in den angrenzenden Bereich ausgesetzt. „Hierfür dient die angrenzende Bahnböschung“, sagt dazu Engelmann zu diesem neuen Lebensraum, die eine dauerhafte ökologische Funktion habe. Diese Fläche habe auf einer Gesamtlänge von circa 140 Metern ebenfalls einen Rückschnitt erhalten.

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Den Weg zu einem Brücken-Neubau hatten Bauauschuss und Stadtrat schon im Sommer 2019 bereitet. Viele Monate zuvor war das Brückenbauwerk, das aus dem Jahr 1897 stammt immer wieder Thema in den Gremien der Stadt.

Weil der Zahn der Zeit an der Brücke genagt hatte, zwischenzeitlich sogar eine Tonnage-Begrenzung erforderlich wurde, hat man sich letztendlich durchgedrungen, einen Neubau durchführen zu lassen. Den Beschluss dazu fällte der Stadtrat im Juni letzten Jahres. Der Neubau inklusive Verbreiterung der Straße auf 5,50 Metern wurde damals auf 475 000 Euro geschätzt.

Neue Brücke über stillgelegtem Gleis

Der Neubau im Norden des Gemeindegebietes von Neumarkt-St. Veit ist notwendig, weil viele landwirtschaftliche Betriebe auf die Überführung angewiesen sind. Das Kuriosum: Die Brücke führt über eine Bahnstrecke, die bereits seit 2017 nicht mehr in Betrieb ist. Damals, im Herbst, war der letzte Zug von Neumarkt-St. Veit nach Marklkofen gefahren. Der Personenverkehr war zu diesem Zeitpunkt schon lange ausgesetzt. Lediglich Güterzüge verkehrten noch auf dieser Strecke, deren Befahrung nur in entsprechend gedrosseltem Tempo erlaubt war. Im Oktober 2017 wurde dann auch der Güterverkehr eingestellt.

Früher fuhren dort Müllzüge

Bis zu diesem Zeitpunkt waren 29 bis 31 Container pro Woche auf der Schiene unterwegs, die Müll von Marklkofen zur Verbrennungsanlage nach Burgkirchen befördert haben. Der Betreiber der Bahnstrecke, die Rhein-Sieg-Eisenbahn in Bonn, hatte die Befahrung damals eingestellt, weil die Betriebssicherheit nicht mehr gewährleistet war, hieß es damals. Seitdem holt sich allmählich die Natur die Bahnstrecke zurück. Die Gleise verschwinden unter dem Grün der Natur. Wo sonst könnte sich eine Zauneidechse wohler fühlen?

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