VON 1921 BIS 1960

Wurmsham: Die aufregende Geschichte einer ehemalige Gendarmeriestation

Das Polizeihaus, im Volksmund auch „Schandam-Haus“ genannt, rechts neben dem Eingang war das Büro, darunter die Gefängniszelle.
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Das Polizeihaus, im Volksmund auch „Schandam-Haus“ genannt, rechts neben dem Eingang war das Büro, darunter die Gefängniszelle.

Im Jahr 1921 bekam die Gemeinde eine Gendarmeriestation. Gastwirt Ludwig Maier erbaute dazu 1925/1926 ein Zweifamilienhaus mit Haftraum. Das Bezirksamt Vilsbiburg begründete dies zur „Verbesserung der Beförderungsverhältnisse für Gendarmeriebeamte.“

Wurmsham – Im Jahr 1921 bekam die Gemeinde eine Gendarmeriestation. Gastwirt Ludwig Maier erbaute dazu 1925/1926 ein Zweifamilienhaus mit Haftraum. Das Bezirksamt Vilsbiburg begründete dies zur „Verbesserung der Beförderungsverhältnisse für Gendarmeriebeamte.“

Am 30. November 1960 wurde die Landpolizeistation Wurmsham wieder aufgelöst und der Dienststelle Vilsbiburg zugeteilt.

Gendameriestation muss schleunigst her

Ludwig Lohr aus Margarethen gab 2017 ein Buch mit dem Titel „Gendarmerie-Stationen im Landgericht Vilsbiburg“ heraus. Er berichtet, dass 1920 das Bezirksamt Vilsbiburg an die Gemeinde Wurmsham ein Schreiben mit der Aufforderung richtete, „schleunigst eine Gendarmeriestation in Wurmsham zu errichten, da Eberspoint nicht bereit ist, einen Haftraum bereitzustellen“.

Auf dem Grundstück „Gartenacker“, neben dem Kriegerdenkmal, enstand die Gendarmeriestation. Bis dahin wurde der erste Gendarm in einem Nebengebäude des Wirtshofes unterbracht, wo sich auch eine Zelle befand, die heute noch erhalten ist.

3.000 Festmeter Holz waren zum Bau und zur Finanzierung notwendig

Zum Bau und zur Finanzierung des Hauses, so berichtet der jetzige Gastwirt Ludwig Maier, dass etwa 3.000 Festmeter Holz in zwei Jahren geschlagen werden mussten.

Dass auf dem Lande solche Polizeistützpunkte eingerichtet wurden, hatte mehrere Gründe: Die Gendarmen mussten ihre Dienstgänge zu Fuß, später erst auch per Fahrrad, zurücklegen, es herrschte viel Arbeitslosigkeit, die Löhne waren niedrig, 1923 war die Inflation, der Lebensunterhalt war knapp, Handwerksburschen waren unterwegs und so gab es Einbrüche, Diebstähle bis hin zu diversen Auseinandersetzungen.

Ausbrecherkönig Fritz Harseval wurde hier gefasst

So kam es auch, dass der gefürchtete Räuber und Ausbrecherkönig Fritz Harseval hier verhaftet und eingesperrt wurde. Bei der Überführung nach Vilsbiburg ist er wieder ausgekommen, aber auch wieder eingefangen worden.

Der erste Gendarmeriemeister war Georg Wallner. Ältere Wurmshamer können sich noch an die letzten Polizisten erinnern: Oberwachtmeister Helmut Hein (um 1952), Gendarm Johann Luger (1952/57) und Obermeister Johann Folger (1952/6o). Letzter war bis zur Auflösung der Station am 30.11.1960.

Ordnungshüter waren gefürchtet

Die Ordnungshüter waren einerseits gefürchtet und andererseits kam es durch ihre Anwesenheit zu weniger Schandtaten. Sie waren viel unterwegs, auch nachts und kaum ein Bauer traute sich, eine Schwarzschlachtung auszuführen. Belobigungen gab es nach der Aufklärung eines Brandes in Manholding sowie einem Fall von Kampfhandlungen und Mord in Geiersberg bei Oberbonbruck.

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Ludwig Lohr beschreibt auch die nächstliegenden Stationen, wie Velden (Beginn 1822) und Bonbruck (1876). Er berichtet von einem Fall, der sich zwischen Haumpolding und Schlott im Oktober 1920 abspielte. In einem Wald versteckte sich eine 14-köpfige Bande, darunter auch berüchtigte Schwerverbrecher. Die Diebesbande hatte die Gegend um Bodenkirchen und Wurmsham in Unruhe versetzt, da sie bereits diverse Einbrüche und Diebstähle verübt hatte.

Einwohnerwehr brachte Diebesbande zur Strecke

Ein Wachtmeister, verkleidet als Handwerksbursche, erspähte die Bande, alarmierte die Einwohnerwehr von Niederwurmsham sowie die Kollegen von Lohkirchen und es entwickelte sich eine regelrechte Treibjagd. Dabei wurde reiche Diebesbeute sichergestellt und die Straftäter nach Vilsbiburg verfrachtet.

Lohrs Nachfrage, wer die Bürgerwehr von Niederwurmsham war und wer sie organisiert hatte, brachte aber kein Ergebnis. Jedoch wurde bestätigt, dass die Bauern und Häuser um Schlott nachts alles zugesperrt haben, um den Diebstahl vorzubeugen.

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