Würdigung für Auschwitz-Überlebenden: Neumarkt hat jetzt einen „Tibor-Dembik-Ring“

Tibor Dembik überlebte zuerst das KZ Ausschwitz und wurde in der Bundesrepublik dann ein geachteter Unternehmer in Neumarkt-St. Veit.

Der Stadtrat hatte bereits im Mai 2019 beschlossen, der Ringstraße im Baugebiet „An der Gutenbergstraße“ den Namen „Tibor-Dembik-Ring“ zu geben. Der Bau- und Umweltausschuss hat sich in nichtöffentlicher Sitzung ebenfalls bereits 2019 dafür ausgesprochen. Jetzt gab es endgültig grünes Licht.

Neumarkt-St. Veit –, In seiner Februarsitzung gab der der Bau- und Umweltausschuss jetzt endgültig grünes Licht für den Namen. Die die neue Straße im Baugebiet „An der Birkenstraße“ soll „Am-Ackermann-Gütl“ heißen. Die beiden neuen Straßen wurden jetzt in ihrer gesamten Länge nach dem bayerischen Straßen- und Wegegesetz vom Bau- und Umweltausschuss einstimmig gewidmet.

Dembik überlebte Auschwitz

Tibor Dembik stammte aus Ungarn, war 1944 nach Auschwitz verschleppt worden und überlebte – während seine Tochter Eva und seine erste Frau zusammen mit vielen seiner Angehörigen in Auschwitz-Birkenau umkamen. Im September 1944 war Tibor Dembik ins Lager nach Mettenheim verlegt worden, wo schwache und kranke Lagerinsassen ebenso ausgesondert wurden.

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Ein Mandelstrauch zur Erinnerung

Tibor Dembik fasste die Situation in einem Interview von 1986 folgendermaßen zusammen: „Später haben wir schon gesagt, dass Birkenau deswegen eventuell besser war, weil da sind innerhalb ein paar Minuten die Leute tot geworden und haben nicht dieses Schicksal erleben müssen.“

Familie freut sich über Würdigung

Dass die Stadt sein Engagement durch eine Straße würdigen will, stößt in der Familie auf große Freude. „Ich bin sehr stolz über diese Würdigung“, sagte Henriette Beck, Tochter von Tibor Dembik, über das Votum im Bauausschuss.

Dembik wurde am 30. August 1913 in Budapest geboren, kam schon früh nach Deutschland. Er zeigte später Besuchern in seinem Haus am Marian-Wieser-Weg gerne seine Urkunden und Medaillen, die er als Radsportler vor dem Krieg für einen Altöttinger Verein gewonnen hatte.

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1945 erlebte er die Befreiung vom Nazi-Regime durch die Amerikaner im Lager in Mettenheim. Zeit seines Lebens berichtete er über das Erlebte als Zeitzeuge. Nach dem Krieg gründete er in Neumarkt eine Familie. In der heutigen Werkstraße rief er die GDG-Strickwarenfabrik mit etwa 40 Beschäftigten ins Leben. Die Strickwarenfabrik existiert nicht mehr, das Gebäude diente nach seiner Umwidmung unter anderem als Großmarkt, Massageinstitut, als Werksgebäude für eine Folienfirma und ist heute ein Fitness-Center.

In vielen Bereichen der Gesellschaft aktiv

Der Fabrikant Tibor Dembik war in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens aktiv. So wurde er 1972 über die Liste der Sozialdemokraten in den Stadtrat gewählt und gehörte dem Gremium bis 1990 an.

In Neumarkt-St. Veitgründete Tibor Dembik eine Strickwarenfabrik, 40 Angestellte beschäftigte er. Heute steht dort ein Fitness-Studio. Stadtarchiv/Jani

Aber sein Engagement ging weit über die Kommunalpolitik hinaus, so war er lange Jahre Vorsitzender des TSV Neumarkt-St. Veit, spielte selbst viele Jahre in der Tischtennismannschaft des Vereins und war Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt.

Erste Überlegungen im Jahr 2011

Als der Mühldorfer Lehrer Josef Wagner und sein Schüler Rainer Ritzel in den Jahren 1986/87 einen Film über das KZ-Außenlager Mettenheim mit dem Titel „…mit 22 Jahren wollte man noch nicht sterben“ gedreht haben, stellte sich Tibor Dembik für Interviews zur Verfügung. Seine ruhige und friedvolle Art half ihm, viele Jahre als Schöffe in Mühldorf tätig zu sein. Nach einem langen und ereignisreichen Leben ist Tibor Dembik am 31. Dezember 1998 in Neumarkt-St. Veit gestorben. Bereits im Jahr 2011 sollte eine Straße, damals im Gewerbegebiet an der Landshuter Straße, nach Tibor Dembik benannt werden. Damals hatte der ehemalige Redakteur des Neumarkter Anzeigers, Hermann Döring, den Vorzug erhalten.

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