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Mühldorfs Biberbeauftragter Philipp Wagner sagt: Biberbestand kann nicht ins Unendliche wachsen

Der Biber hat schon fast ganze Arbeit geleistet: Solche Bäume sieht man vielerorts, hier am Inn bei Mühldorf.
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Der Biber hat schon fast ganze Arbeit geleistet: Solche Bäume sieht man vielerorts, hier am Inn bei Mühldorf.
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Im Interview spricht Philipp Wagner, Biberbeauftragter des Landkreises Mühldorf, über den Bestand des Bibers und die Maßnahmen, die ergriffen werden, wenn die Schäden dann doch zu groß werden.

Von Josef Enzinger

Mühldorf/Neumarkt-St. Veit – Wie sieht die Situation mit Bibern generell im Landkreis Mühldorf aus? Der Biberbeauftragte des Landkreises, Philipp Wagner, steht Rede und Antwort zur Population und Schadensregulierung.

Gibt es im Landkreis Mühldorf generell ein Biberproblem, sprich zu viele Biber?

Philipp Wagner: Biber sind im Landkreis Mühldorf an nahezu allen Gewässern anzutreffen, wobei der Schwerpunkt vor allem an den Zuflüssen von Rott, Isen und Inn liegt. Im Landkreis wird von circa 700 bis 800 Bibern ausgegangen. Jede Biber-Familie besetzt ein Revier entlang eines Gewässers, welches bis zu sieben Kilometer lang sein kann und von den Biberfamilien aggressiv verteidigt wird. Dies ist auch der Grund, warum eine Biberpopulation nicht ins Unendliche wächst, da nur eine begrenzte Anzahl an geeigneten Lebensräumen zur Verfügung steht.

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Lässt sich der Schaden beziffern, den Biber aktuell anrichten?

Wagner: Biber fällen Bäume, stauen Gewässer auf, überfluten Flächen oder fressen sich in Feldern satt. Um in solchen Situationen zu vermitteln und Lösungen zu finden, wurde das Bayerische Bibermanagement ins Leben gerufen. Im Landkreis Mühldorf sind fünf Biberberater tätig, die sich ehrenamtlich um Konfliktsituationen zwischen Mensch und Biber kümmern. Am Landratsamt Mühldorf gibt es zudem eine Stelle, die sich ebenfalls um das Bibermanagement im Landkreis kümmert.

Was kann man sich genau unter Bibermanagement vorstellen?

Wagner: Das Bibermanagement baut auf vier Säulen auf: fachkundige Beratung, Prävention, Schadensausgleich und Zugriff. Bei Konflikten werden die Schäden begutachtet und mit den Betroffenen Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Den Biberberatern stehen vor Ort direkte Hilfs- und Präventivmaßnahmen zur Verfügung, zum Beispiel Einzelbaumschutz, Dammdrainagen, Kanisterketten oder Elektrozäune. Ziel ist eine langfristige Lösung, in der Konflikte zwischen Mensch und Biber minimiert werden.

Wer finanziert das Ganze? Wer kommt für die angerichteten Schäden auf?

Wagner: Die Bayerische Staatsregierung stellt einen freiwilligen Schadensfonds für Ausgleichszahlungen für durch den Biber verursachte Schäden. Im Landkreis Mühldorf wurden für das Jahr 2019 Schäden in Höhe von circa 5000 Euro an den Schadensfonds gemeldet.

Wo lassen sich Schäden finden? Der Biber scheint sich ja nicht nur in Neumarkt-St. Veit wohl zu fühlen...

Wagner: Auch entlang des Inns lässt sich immer wieder beobachten, dass Bäume stark beschädigt sind, entlang von Freizeitwegen sogar zur Gefahr werden.

Wer ist dann dafür zuständig, dass die Sicherheit weiterhin gewährleistet ist?

Wagner: Zuständig für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit ist grundsätzlich der jeweilige Grundstückseigentümer. Wird eine Verkehrsgefährdung entdeckt, sollte auch der Grundstückseigentümer verständigt werden. Ufergrundstücke des Inns liegen meist im Eigentum des Freistaats Bayern, weshalb hier das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim verständigt werden sollte.

Gibt es ausgewiesene Rückzugsgebiete für den Biber oder sind derlei Programme geplant, um den Biber aus der Stadt zu bringen?

Wagner: Gemäß Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Ausgewiesene Rückzugsgebiete für den Biber gibt es nicht, da sich der Schutzstatus nicht auf spezielle Gebiete bezieht, sondern allgemein gültig ist.

Welche Möglichkeiten hat man, um dem Treiben des Bibers ein Ende zu setzen? Dürfen Biber auch erlegt werden?

Wagner: Der Europäische Biber ist ein besonders und streng geschütztes Tier. Ausnahmen davon dürfen nur von der zuständigen unteren Naturschutzbehörde erlassen werden. Zugriffsmaßnahmen stellen das letzte Mittel dar. Biber dürfen nur entnommen werden, wenn zuvor durchgeführte Präventionsmaßnahmen erfolglos waren und die Gründe wie erheblich wiederkehrende wirtschaftliche Schäden dies rechtfertigen.

Bringt eine „Entnahme“ denn langfristig etwas?

Wagner: Man erzielt meist nur kurzfristig den gewünschten Effekt. Wenn der Biber entnommen wurde, wird ein Biberrevier frei, in welchem sich nach meist kurzer Zeit wieder ein neuer Biber niederlässt. Unter Umständen nehmen dann die Biberaktivitäten wieder vermehrt zu, da der neue Biber das Revier an seine individuellen Bedürfnisse anpassen möchte. Daher ist es oft sinnvoll, von einer Entnahme abzusehen.

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