Wirtshaus wird Wohnhaus: Neumarkter wollen denkmalgeschütztes Gebäude zu neuem Glanz verhelfen

Die verkohlten Sparren sind bereits beseitigt, der Kran steht Gewehr bei Fuß: Aus der Genossenschaft soll ein Wohnkomplex entstehen. Private Bauherren wollen das altehrwürdige und denkmalgeschützte Wahrzeichen von Neumarkt-St. Veit wieder aufbauen. Gut zu sehen: Die Brandmauer zum angrenzenden Gebäudekomplex (rechts) hat dem Feuer standgehalten. Dennoch haben die Bauherren viel zu tun, um das Mauerwerk wieder komplett trockenzulegen. Enzinger

Ein Dreivierteljahr nach Großbrand in der Genossenschaft von Neumarkt-St. Veit gibt es erste Sanierungspläne. So stellen sich Markus Wimmer und Christian Zehetmeier die weitere Nutzung vor.

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit – Das Gerüst entlang des Gehweges steht bereits, der Kran hievt die verkohlten Balken vom Dach, Baumaschinen knattern in der Frühlingssonne: Fast ein Dreivierteljahr ist es her, dass die Genossenschaft einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen ist. Im Juli 2019 hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, damit das Gebäude nicht komplett dem Feuer zum Opfer fiel, das Feuer auf angrenzende Gebäude übergriff. Das ist den Feuerwehrleuten zwar gelungen, doch seitdem stand das schwer gezeichnete Gebäude an der Altöttinger Straße. Niemand wusste genau, was aus dem Ortsbild prägenden Gebäude mit den markanten Zinnen werden sollte.

Genossenschaft ist denkmalgeschützt

Jetzt hat sich eine couragierte einheimische Baufirma, Zewi-Bau, gefunden, die das Gebäude von der Erbengemeinschaft um den verstorbenen ehemaligen Schlussherr von Guttenburg, Nico Forster, abgekauft hat. Sie will den markanten Komplex wieder aufbauen und dabei auch den Charakter den einstigen Treffpunkts der Neumarkt-St. Veiter Gesellschaft erhalten.

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Markus Wimmer aus Elsenbach ist einer Bauherren, die das stark in Mitleidenschaft gezogene Gebäude gekauft haben und nun aufwendig sanieren möchten. Aufwendig deshalb, weil die Baufirma sich beim Wiederaufbau des denkmalgeschützten Baus nach den Vorgaben des Landesamtes für Denkmalpflege halten muss. Über den Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber habe Bürgermeister Erwin Baumgartner Kontakte zur Behörde geknüpft, um damit die Basis für bald beginnende Umbauarbeiten zu legen. „Wir hatten einen Termin in der Behörde in München. Es sieht ganz gut aus“, meint Baumgartner auf Nachfrage. Es stehe auch in seinem ureigenen Interesse, dass die Genossenschaft wieder zum Schmuckstück werde. Termine vor Ort hätten zwar aufgrund der Corona-Krise nicht stattgefunden, doch die Bauherren hoffen, dass sie bald aktiv loslegen können, um dem Gebäude einen neuen Nutzen zu bringen. Von Wohnungen spricht Markus Wimmer, der zusammen mit Christian Zehetmeier und dem Karlheinz Kammermeier aus Essenbach bei Landshut der Genossenschaft neues Leben einhauchen möchte. „Uns liegt Neumarkt-St. Veit am Herzen“, gibt Zehetmeier ohne Umschweife zu. Dazu zähle eben auch die Restaurierung von Gebäuden, die zum Stadtbild zählen – wie etwa das alte Notarhaus an der Bahnhofsstraße, das ebenfalls Wimmer und Zehetmeier unter ihren Fittichen hatte.

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Beim Bauprojekt an der Altöttinger Straße haben die Bauherren nicht nur die Instandsetzung der abgebrannten Genossenschaft im Blick. Ein Neubau soll den Gebäudekomplex in Richtung Süden – sowie die Genossenschaft früher ausgesehen hatte – ergänzen: „Für Wohnungen oder Gewerbeeinheiten“, erklärt Markus Wimmer den Plan, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Genossenschaft wieder herzustellen.

Bis zu 20 Wohnungen könnten entstehen

Das Vorhaben ist sportlich und wird viel Geld verschlingen. Wimmer spricht von einer Million-Investition, schließlich sollen mehrere Wohnungen entstehen. Wie viele genau – da will Wimmer der laufenden Planung nicht vorgreifen. Dass das Areal für einen obligatorischen Euro den Eigentümer gewechselt habe, tut Zehetmeier als Gerücht ab. „Das ist sicherlich nicht der Fall gewesen“, betont er, schließlich handle es sich auch um ein Grundstück von knapp 2000 Quadratmetern.

Keine großen Hoffnungen auf Zuschüsse

Sind denn Zuschüsse zu erwarten? „Wohl kaum“, macht sich hier Markus Wimmer keine allzu großen Hoffnungen. Die Corona-Krise und die damit verbunden Ausgaben an anderer Stelle werde wohl nicht viel Geld im Fördertopf übrig lassen. Einen Zeitplan, wann die Genossenschaft dann tatsächlich in neuem Glanz erstrahlen soll, den gibt es nicht. „Das hängt vom Denkmalamt ab!“, so Wimmer.

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