Kein "Einerlei": Eine Winhöringerin macht aus Ostereiern Unikate

Auch mit Perlen lassen sich Eier verzieren.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
    schließen

Wer sagt eigentlich, dass Kunst immer großflächig auf Leinwand gebannt sein muss? Oder gar nur zweidimensional? Dagmar Thienel hat ihre eigene Nische gefunden. Die Winhöringerin bemalt Eier unterschiedlicher Größen – und scheut dabei keine Herausforderung

Niederbergkirchen – Gelege von chilenischen Araucana-Hühnern gestaltet Dagmar Thienel ebenso kunstvoll wie die des Vogel Strauß. An die 600 Kunstwerke hat sie in den letzten 40 Jahren geschaffen. Sie scheut dabei auch nicht die Herausforderung, immer ein Unikat in den Händen zu halten.

Dagmar Thienel bemalt und gestaltet seit mehr als 40 Jahren Ostereier. Und dabei gleicht kein Ei dem anderen.

Das erste besondere Osterei: ein Straußenei

 „Denn die Formen sind immer unterschiedlich!“ Ihr allererstes Kunstwerk, auf Straußenei gebannt, hat sie immer noch: 16 Jahre war sie alt, als ihre Mutter, die in einem Geflügelinstitut arbeitete, ein Straußenei mit nach Hause gebracht hat. Mit einem Drillbohrer bohrte der Vater das Ei auf. „Ich war fasziniert, denn Ei und Dotter füllten eine ganze Salatschüssel“, sagt Thienel.

Interesse nicht nur kulinarisch

Ihr Interesse galt aber nicht den kulinarischen Möglichkeiten eines Straußeneies, sondern eher dessen Schale. Beim Motiv ließ sie sich von Christian Andersen inspirieren und verarbeitete das Märchen von der Seejungfrau in einem Bild.

Ihre Kreativität war geweckt und die Leidenschaft für das Bemalen von Eiern hat sie bis heute nicht mehr losgelassen. „Ich weiß nicht, wie viele Eier ich schon ausgeblasen habe. Es müssen Tausende sein“, sagt die 61-Jährige, die schon in ihrem Erzieherpraktikum in München, damals mit zarten 16 Jahren, das Ei für Basteleien entdeckt hatte.

Das könnte Sie interessieren: Tipps zum richtigen Ausblasen von Ostereiern

Werke der Expressionisten auf Eierschale gebannt

Jedes Ei ist ein Unikat. Thienel verwendet Alltagsmotive, verarbeitet aber auch biblische Szenen, bildet Häuserzeilen bekannter Städte ab oder wagt sich sogar an die ganz großen Künstler heran. Die Expressionisten haben es ihr hier besonders angetan. „Der Kuss“ von Gustav Klimt auf einem Straußenei, Franz Mackes „Hutladen“ hat sie ebenso gekonnt auf gewölbtem Untergrund gebracht. Nicht fehlen darf Franz Marc: Das „Blaue Pferd“ ist das wohl bekannteste Motiv des Expressionisten, das sich auch in der Sammlung der Kindergartenleiterin von Niederbergkirchen findet.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Ein besonderes Schmuckstück: ein Straußenei, bei dem sie sich bei ihrem Motiv von August Mackes „Tunisreise“ inspirieren ließ. So kreativ wie die 61-Jährige bei ihrer Motivauswahl ist, so umfangreich sind die Techniken, die sie bei der Ausübung ihrer Kunst verwendet. Thienel arbeitet mit Acryl- und Aquarellfarben, verwendet auch einmal Plakatfarbe und tauscht Pinsel hin und wieder gegen Feder ein, wenn sie ihre Eier mit Tusche bemalt. Serviettentechnik? Auch das funktioniert und man wundert sich schließlich auch nicht darüber, dass sich unter all ihren Kunstwerken auch Eier finden lassen, auf denen sie Zeitungsseiten kunstvoll verarbeitet hat.

Straußeneier sind ihr Favorit

Passendes Motiv zu Palmsonntag:Jesu Einzug nach Jerusalem auf einem Esel. privat

Thienel macht keinen Hehl draus: Am liebsten arbeitet sie mit Straußeneiern. „Die Schale hat eine wunderschöne Oberfläche, fast wie Porzellan!“ Sie sei ziemlich dick, die leicht poröse Struktur sei einzigartig. Früher sei es nicht einfach gewesen, an die großen Eier zu kommen. 

Heute aber stellt das kein Problem mehr dar: „In Pocking gibt es eine Straußenfarm!“ Dass ihr irgendwann die Ideen ausgehen könnten, darüber macht sich die 61-Jährige keine Gedanken. „Ich lasse mich jedes Jahr aufs Neue inspirieren!“ Ideen finde sie anhand von Geschirr, Stoffen, durch Naturbetrachtung oder Bücher. In diesem Jahr ist es die chinesische Lackmalerei, aktuell ein Emu-Ei, das sie entsprechend verziert.

Kunstwerke sind Deko für das ganze Jahr

Sie betont: Auch wenn mit bunten Eiern stets die direkte Verbindung zu Ostern geknüpft werde, seien ihre Kunstwerke ganzjahrestauglich. „Ein filigran gestaltetes Straußen-Ei in einem Kerzenständer muss man nicht nur an Ostern hervorkramen. Das kann man das ganze Jahr über als Dekoration aufstellen.“ 

Lesen Sie auch: In der Corona-Krise werden für Ostern Hamsterkäufe erwartet

Wenn sie allerdings in ihrem Kindergarten St. Elisabeth in Niederbergkirchen zu den Eiern greift, dann schwerpunktmäßig im Hinblick auf die Auferstehung von Gottes Sohn. Hier setzt sie mittlerweile auf die sichere Variante mit Plastikeiern – zu groß sei der Ausschuss. „Denn im Durchschnitt gehen zwei von drei Eiern kaputt“, sagt die Erzieherin und lacht. Und das Ausblasen fällt auch weg.

Kommentare