Nach Brand um Juli 2019

Wie ein Phönix aus der Asche: Der Genossenschaft in Neumarkt wird neues Leben eingehaucht

Die Genossenschaft wird nahezu originalgetreu nachgebaut, die vor Jahren abgerissene Stallung ergänzt den Gebäudekomplex. Markant sind die sogenannten Treppen- oder Staffelgiebel.Jaensch
+
Die Genossenschaft wird nahezu originalgetreu nachgebaut, die vor Jahren abgerissene Stallung ergänzt den Gebäudekomplex. Markant sind die sogenannten Treppen- oder Staffelgiebel.Jaensch
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
    schließen

Aus der Ruine soll ein wahres Schmuckstück werden. Nach dem verheerenden Brand im Juli 2019 sind dafür schon vor einigen Monaten die Baumaschinen angerückt. Wie die Lieblingsbeschäftigung dreier Männer der Stadt Neumarkt-St. Veit zu Wohnungen verhilft.

Neumarkt-St. Veit – 22 neue Wohnungen ohne einen weiteren Quadratmeter Grund zu versiegeln, das ist mustergültige Verdichtung in der Neumarkt-St. Veiter Innenstadt. Dieses Ziel haben drei junge Männer vor Augen. Sie haben es fest geplant und auch schon begonnen. Die Rede ist hier von der altehrwürdigen Traditionsgaststätte „Genossenschaft“, die seit dem fürchterlichen Brand im Juli 2019 als Ruine dastand. Das Haus, das seit der Schließung im letzten Jahrtausend 20 Jahre lang leer in der Altöttinger Straße stand, verfiel immer mehr und bot keinen schönen Anblick.

Das Interesse gilt vor allem den Altbauten

Drei Neumarkter Meister sahen darin eine große Chance, aus der Ruine und der Stallung, die einst danebenstand, Wohnräume zu schaffen. Die drei Freunde sind Altmeister Christian Zehentmaier, Maurermeister Markus Wimmer sowie Gärtnermeister Karl-Heinz Kammermeier. Im Jahre 2012 gründeten Zehentmaier und Wimmer zunächst die Baufirma ZeWi.

Auch das Notariat haben die drei Männer schon umgebaut

Als ihnen der Gedanke kam, Altbauten im großen Stil zu sanieren, holten sie sich den Immobilienfachmann Kammermeier mit ins Boot. Mit ihm erwarben sie schon als GmbH ZeWiKa das Notariat in der Bahnhofstraße.

Immer wieder betreiben die Bauherren Kartenstudium, von links: Christian Zehentmaier, Karl-Heinz Kammermeier und Markus Wimmer.

Mittlerweile hatte die Firma schon vier Angestellte, und so gelang die Kernsanierung mit neuer Heizung, Sanitär- und Elektroinstallation und Vollwärmeisolierung in relativ kurzer Zeit. Sie fanden dafür auch bald einen Käufer.

Lesen Sie dazu auch: Neumarkter Bau- und Umweltausschuss gibt grünes Licht für Sanierung der alten Genossenschaft

Aus dem Gasthaus werden Wohnungen

Das ohnehin interessante Gebäude findet jetzt in der Bevölkerung sogar besondere Aufmerksamkeit. Und da kam ihnen der Gedanke, die Genossenschaft als Projekt anzugehen. Als die Ruine endlich von einer Erbengemeinschaft zum Verkauf freigegeben wurde, da langte die Firma im Frühjahr 2020 zu. „Es ist eines der größten Gebäude in der Stadt. Das wieder nützlichen Zwecken zuzuführen, sahen wir als Herausforderung. Wohnraum in so zentraler Lage zu beschaffen, das ist eine schöne Aufgabe“, erklärt Karl-Heinz Kammermeier.

Unterstützung von Stadt und Landkreis

Die Vorgespräche mit der Stadt und dem Landkreis verliefen alle sehr positiv, und so kaufte die Firma ZeWiKa die Gebäude. „Von der Stadt und auch vom Landratsamt erhielten wir die beste Unterstützung“, erklärt Christian Zehentmaier. „Als wir zum Denkmalamt nach München fuhren, standen uns dort Bürgermeister Erwin Baumgartner und Kämmerer Thomas Menzel zur Seite. Auch vom Landratsamt erhielten wir dort von höchster Stelle Unterstützung.“

-

+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Denkmalamt erfreut über die Pläne

Das Denkmalamt zeigte sich erfreut über die Pläne des Trios. Es plante gerade, der Ruine ein Notdach aufzusetzen, um die restliche Substanz noch zu erhalten. Für diese Erhaltungsmaßnahme waren wohl 200 000 Euro vorgesehen, berichten die drei Bauherren. „Wir boten an, mit einem Dach zu beginnen“, schildert Wimmer die Situation. „Und wir bekamen fast schon grünes Licht. Bei der Baugenehmigung für die Stallung legte man uns erfüllbare Auflagen auf und wir erhielten die Baugenehmigung.“

Stallung wieder aufgebaut

Der Rohbau der „Stallung“ ist jetzt schon fertig, und die Auflagen wie Holzfenster, Segmentbögen über den Fenstern und das Sims am Giebel und mehr konnten die jungen Handwerker leicht erfüllen. Was noch nicht geschehen ist, das ist das Dach auf der Genossenschaft. Sie würden sofort anfangen, sagen alle drei, doch sie warten hier noch auf die Baugenehmigung.

Einst Brauerei und Wirtshaus: So sah die Genossenschaft früher aus. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1957.

Arbeiten auch in der Adventszeit

Jetzt machen sie schon Feinarbeiten am Rohbau. Es ist der Samstagnachmittag vor dem dritten Advent. Christian Zehentmaier steht im Regen völlig verstaubt an der Steinsäge und fertigt die Steine nach dem Maß, dass Markus ihm zuruft. „Arbeitest du nicht zu viel?“, fragt ein Passant. „Das ist mein Hobby. Es ist schön, wenn das Hobby zum Beruf wird.“ Und Markus Wimmer ergänzt: „Es macht Spaß, die alten Zinnen, Simse oder Fensterbögen genau nachzubauen. Da spielen die Zeit und das Wetter gar keine Rolle. Wir wollen perfekt sein.“

22 Wohnungen sollen entstehen

Es sind 22 Wohnungen, die in den Gebäuden entstehen werden. Große Wohnungen von 80 Quadratmetern und mehr. Auch die Parkplätze sind schon mit eingeplant. Am Reißbrett ist zu erkennen, dass die Fassaden das Ambiente an diesem Stück der Altöttinger Straße erheblich steigern wird. Es ist dann viel Platz geschaffen für junge Familien, und alles auf einem zentralen Grundstück, das schon Jahrhunderte lang Baugrund ist.

Kommentare