Weil man damit gute Erfahrungen gemacht hat: Jagdkurs startet schon im Frühjahr

Jäger Oliver Kellerbei einer Kitzrettungsaktion: „Wir verstehen Jagd als Tierschutz!“ Privat

Der Niedertaufkirchener Oliver Keller, 51, leitet seit vier Jahren den Jagdkurs der Jäger-Kreisgruppen von Mühldorf und Altötting. Die Ausbildung startet nun im Frühling. Nach einer Testphase im vergangenen Jahr hat sich die Neuerung bewährt. Der Ausbildungsjäger nennt im Interview die Gründe..

Niedertaufkirchen– Herr Keller, der Jagdkurs hat immer im Herbst begonnen. Warum fangen Sie jetzt schon im Mai an?

Bei der theoretischen Ausbildung bleiben wir dabei, dass wir in der zweiten September-Hälfte starten. Mit der Praxis geht es früher los. Da lernen die Auszubildenden gleich, dass Jagd für uns mehr bedeutet, als mit der Büchse loszuziehen. Wir sind im Frühling stark mit der Kitzrettung eingespannt, oft mehrmals am Tag. Wir verstehen Jagd als Tierschutz. Gerade bei der Kitzrettung können unsere Jagdlehrlinge schon jede Menge Erfahrungen bei unseren Praxisausbildern in den Revieren sammeln.

Jagd als Tierschutz – das klingt ein wenig paradox.

Nein, genau das muss der Anspruch eines Jägers sein! Und das wollen wir auch vermitteln. Wie heißt es so schön? „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild.“ Wir hämmern den Teilnehmern nicht einfach nur Prüfungswissen ein. Uns ist wichtig, dass wir anständige und gute neue Jäger bekommen. Unser Jagdkurs ist Umweltbildung. Mindestens 60 Praxisstunden sind für die Zulassung zur Prüfung vorgeschrieben. In den vergangenen zwei Jahren hatten wir wegen dieser neuen Sommerlösung einige Teilnehmer mit bis zu 150 Praxisstunden. Die haben das freiwillig gemacht. Sie wollten so viel wie möglich lernen und hatten auch noch Spaß dabei.

Was lernt man in der Praxis?

Alles, was für die Jagd wichtig ist. Vom Umgang mit Jagdhunden über das Bauen von Hochsitzen bis zur Wildbretversorgung, Wildbrethygiene und Natur- und Artenschutz-Maßnahmen wie das Anlegen von Wildäckern. Am spannendsten ist für die meisten natürlich das Jagern selbst, etwa die Bockjagd im Mai – wenn sie mit dem Jäger auf Ansitz gehen dürfen und lernen, das Wild anzusprechen.

Ist es wirklich opportun, das Wild anzusprechen?

Ansprechen ist ein jagdlicher Fachausdruck, auch die Sprache der Jäger bringen wir dem Nachwuchs näher. Ansprechen bedeutet zu erkunden, um welches Stück Rehwild es sich zum Beispiel handelt, ob es gesund ist und sich normal verhält und welche Rolle es im Sozialgefüge der Population spielen kann. Erst wenn ein Tier wirklich gut angesprochen ist, kann man entscheiden, ob es das Anbringen eines Schusses vertretbar ist. Darauf legen waidgerechte Jäger größten Wert, denn Waidgerechtigkeit bedeutet letztlich nichts anderes als Tierschutz und das ist unser oberstes Gebot.

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Wie lang dauert die Ausbildung dann insgesamt?

Wir bieten von September bis Ende April 180 Theoriestunden im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Töging an. Immer montags und mittwochs am Abend, jeweils drei Stunden. Wir erwarten, dass die Teilnehmer mindestens 120 Stunden teilnehmen. Andernfalls attestieren wir ihnen die Teilnahme nicht. Wir wollen, dass dieTeilnehmer in allen sechs Fächern gut Bescheid wissen, wenn sie im Mai zur Prüfung antreten. Diese Grundlage haben sie. Lernen müssen sie trotzdem noch, keine Frage.

Die Jägerprüfung gilt als sehr schwierig. Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?

Das kann man schwer sagen. Mal sind es über 90 Prozent, mal etwas weniger, die beim ersten Mal gleich durchkommen. Es hängt wirklich auch vom Lerneifer ab und in der Waffenhandhabung von der Coolness und manchmal von der Fairness der Prüfer. Wer engagiert mitmacht, wird die Prüfung auf jeden Fall schaffen und sicher eine gute Jägerin oder ein guter Jäger.

Wie hoch ist die Frauenquote?

Ein Viertel des Kurses besteht bei uns seit mehreren Jahren konstant aus Frauen. Das deckt sich mit der Entwicklung, die sich überregional abzeichnet.

Welche Verantwortung haben Jäger heute?

Wir sind in erster Linie Naturschützer. Selbstverständlich leisten wir auch unseren Beitrag zum Gedeihen der heimischen Wälder mit unseren heimischen Hauptbaumarten. Wir tun, was wir können und was im Rahmen der Waidgerechtigkeit sinnvoll und vertretbar ist. Das vermitteln wir auch in unseren Kursen. Wir greifen als Menschen in Ökosysteme aus Pflanzen und Tieren ein. Da ist Behutsamkeit und Besonnenheit gefragt. Zu einer anständigen und guten Jagd muss man sehr, sehr viel über unsere Umwelt wissen.

Der nächste Kurs Beginnt am 20. April 2020 Informationen zur Anmeldung unter www.bjv-muehldorf.de/jagdkurs/kursinformationen oder telefonisch unter 0175 / 4367394.

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