Warum Erharting seine Kirche St. Peter und Paul dem kleinen Weiler Frixing verdankt

Rund 60 Interessierte hörten mehr über die Erhartinger Pfarrkirche in einem Vortrag..Josef Padlesak
  • vonLeo Biermaier
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Der Brauchtumsverein Erharting hatte zu einer Führung in der Erhartinger Pfarrkirche St. Petrus und Paulus eingeladen. Leo Biermeier berichtete unter anderem von dem Vorgänger des Gotteshauses. Der soll keine Schönheit gewesen sein.

Erharting – Etwa 60 heimatgeschichtlich interessierte Besucher waren gekommen um sich über die Baugeschichte des Gotteshauses, aber auch seine Vorgängerkirche zu informieren.

Leo Biermaier vom Brauchtumsverein animierte zu Beginn der Führung die Gäste, selbst auf Entdeckungsreise im Kirchenraum zu gehen und die Eindrücke zu schildern. So kam die entgegengesetzte Ausrichtung des Hochaltares zur Sprache und die für eine Dorfkirche aufwendig gestaltete Fassade mit dem übermauerten Giebel.

Erst gab es nur einen Kirchenpatron

Das Dorf an der Isen wollte den durchziehenden Pilgern nach Altötting und den Reisenden auf der Handelsstraße von Salzburg nach Regensburg etwas Besonderes bieten. Die Skulpturen der Gottesmutter mit dem Jesuskind, sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus in ihren Nischen standen schon in der Vorgängerkirche. Nach einer vorliegenden Kirchenrechnung wurden sie 1639 vom Mühldorfer Bildhauer Hans Deyferlich

Vorgängergebäude soll damals unansehnlichstes Gotteshaus gewesen sein

geschaffen. Zum vormals alleinigen Patron, St. Petrus, kam 1639 noch der Apostelfürst St. Paulus dazu.

1754 wurde eine neue Kirche errichtet. Das lag am desolaten Bauzustand des vorherigen Gotteshauses. Deshalb beschloss der damalige Dekan des Kollegiatstiftes Mühldorf, zu dem die Pfarrei gehörte, das Erhartinger Kirchengebäude, das er als das baufälligste und unansehnlichste im weiten Umkreis bezeichnete, durch einen Neubau zu ersetzen.

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Baumeister verstirbt überraschend

Die umliegenden Baumeister reichten Kostenvoranschläge ein, der Neuöttinger Baumeister Johann Reißmeir bekam den Zuschlag. Kurz vor Baubeginn verstarb der Meister überraschend und so versuchte seine Witwe, den Auftrag zu erfüllen. Unterstützt von ihrem Schwager Josef Reißmayr aus Landshut stieg sie in den Kontrakt ein.

Lieferanten kamen aus der Nähe – nicht ohne Grund

Zudem punktete der Baumeister mit Lieferanten aus der Region, so dem Ziegler von Eisenfelden und dem Kalkbrenner von Töging. Denn: Wegen ihrer Nähe konnte auch der Fuhrlohn drastisch gesenkt werden.

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Am 5. August 1754 wurde der Grundstein durch Dekan Summerer gelegt, assistiert vom Erhartinger Pfarrer und dem Benefiziaten der St. Stephanuskirche in Frixing. Der Weiler Frixing spielte für den Bau eine wichtige Rolle.

Zügiger Baufortschritt, aber ...

Die Bauarbeiten gingen zügig voran und so war schon Anfang Dezember 1754 der Rohbau einschließlich des Daches fertig. Daraufhin bat der Erhartinger Pfarrer Johann Ulrich Polz, die Kirche vorläufig weihen zu lassen, um darin Gottesdienst feiern zu können. Dies wurde auch genehmigt.

Preisdruck wirkt negativ auf Qualität

Das billigste Angebot im Akkordverfahren hatte schlimme Auswirkungen auf die Qualität der Handwerkerarbeiten. Schon bald nach der Einweihung der Erhartinger Kirche, am 19. September 1762, zeigten sich gravierende Baumängel. So berichtete der Pfarrer, dass im Winter der Schnee durch das Dach hereinweht und das Schmelzwasser durch das Gewölbe herabtropft und deshalb im Kirchenraum Scheffel aufgestellt werden müssen um das Wasser aufzufangen. Grund dieser Panne. Einige der damals beanstandeten „Baumängel“ sind bis heute nicht behoben.

Frixing sprang bei der Finanzierung ein

Die Pfarrei Erharting war eine der „ärmsten“ Pfarreien und hätte aus eigenerKraft den Neubau der Kirche niemals selbst finanzieren können. Hier sprang das begüterte Benefizium St. Stephanus in Frixing in die Bresche. Diese Kirche, die im Zuge der Säkularisation demoliert wurde, verfügte über beträchtliche Einkünfte aus Grundbesitz und Einnahmen aus dem traditionellen Stephaniumritt.

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