Waldbrandgefahr im Kreis Mühldorf nimmt zu: Zur Trockenheit kommt jetzt auch noch der Wind

In Kinning bei Niederbergkirchen stand ein Bereich am Waldrand in Flammen.
+
In Kinning bei Niederbergkirchen stand ein Bereich am Waldrand in Flammen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
    schließen

Feuerwehren hatten an den Osterfeiertagen im Landkreis Mühldorf Einiges zu tun. Und eine Besserung der Wetterlage ist nicht in Sicht. So bereiten sich die Feuerwehren auf die Brandgefahr in Wäldern vor.

Niedertaufkirchen/Niederbergkirchen – Kartage, Brandtage: Täglich gab es am Osterwochenende Alarmierungen von Feuerwehren, weil in freier Natur Brände zu löschen waren. Der Trockenheit der vergangenen Wochen ist es geschuldet, dass sich im nördlichen Landkreisen Brandherde aufgetan haben. Und die Gefahr ist noch nicht vorbei.

Vermeintlich abgekühlte Asche rief am Karsamstagnachmittag die Feuerwehren aus Niedertaufkirchen, Roßbach und Hörbering zum Einsatz in Fränking bei Niedertaufkirchen. Die Asche war Tage vorher an einem Hang abgelagert worden und nach Auskunft des Brandleiters erkaltet. Angefacht durch leichte Winde entzündete sich dann ein Wiedhaufen, der in der Nähe des Aschehaufens lag. Bei Eintreffen der Feuerwehren stand das trockene Holz in Flammen und drohte auch auf den restlichen Wald überzugreifen. Unter Atemschutz löschte die Feuerwehr Niedertaufkirchen den Brand. Da sich der Wiedhaufen in einem Hangbereich befand, wurde der Haufen auseinandergenommen und zusätzlich abgelöscht.

Löschweiher in der Nähe

Am Ostersonntag schrillten um kurz nach 12 Uhr bei den Feuerwehren die Sirenen: In Kinning bei Niederbergkirchen wurde ein Waldbrand gemeldet. Ein Bereich am Waldrand stand in Flammen und drohte auf den Wald überzugreifen. Unter Atemschutz begannen die Floriansjünger mit dem mitgeführten Löschwasser der Feuerwehrfahrzeuge den Brand einzudämmen. Parallel dazu bauten die Einsatzkräfte aus einem nahen Löschweiher eine weitere Löschwasserversorgung auf. Mit dem Frontlader eines Landwirts wurde das Brandgut verteilt und endgültig abgelöscht.

+++ Tipp der Redaktion:Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Und auch am Ostermontag musste die Feuerwehr ausrücken: Gegen 18.30 Uhr hatten aufmerksame Spaziergänger im Bereich Praßl bei Ranoldsberg eine Rauchentwicklung aus einem Waldstück bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Die Feuerwehr Ranoldsberg rückte mit dem Löschfahrzeug aus und fand eine rund 100 Quadratmeter große in Brand stehende Fläche vor. Mittels C-Schlauch und Feuerpatschen wurde das Feuer unter Atemschutz eingedämmt.

In Fränking bei Niedertaufkirchenwar ein Aschehaufen in einem Waldstück abgelagert worden. Der Wind hatte das Feuer im Aschehaufen offensichtlich neu entfacht. Das Feuer fand im Wiedhaufen daneben Nahrung. Eß/fib

Die Brandursache ist bis dato unklar. Am Brandort wurden aber Glasflaschen aufgefunden, wodurch eine zumindest fahrlässige Brandstiftung durch bislang unbekannte Täter nicht ausgeschlossen werden kann. Die Ermittlungen zur Brandursache hat die Polizei Mühldorf übernommen.

Wärme und Wind trocknen den Boden aus

Revierförster Wolfgang Mayer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Töging warnt allgemein vor der großen Waldbrandgefahr, die aufgrund der zuletzt sehr trockenen Witterung im ganzen Landkreis Mühldorf vorherrsche. Die Situation könne sich noch verschärfen, wenn weiterhin Niederschläge ausbleiben, so Mayer. „Die Gefahr ist momentan etwas größer, weil wir im Frühjahr jede Menge trockenes Gras vom Winter haben. Das neue Grün kommt erst allmählich durch.“

Dazu sei die Wetterkonstellation in den vergangenen Tagen nicht günstig gewesen. Zu den fast schon sommerlichen Temperaturen sei der Wind hinzugekommen, der die Böden zusätzlich ausgetrocknet habe. „Landwirte sollten deshalb gerade jetzt darauf verzichten, Wied oder Ernterückstände zu verbrennen“, empfiehlt der Revierförster.

Das könnte Sie auch interessieren: So sieht es mit der aktuellen Waldbrandgefahr in Bayern aus

Der selben Auffassung ist Christian Biberger, Kreisbrandrat und Zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt-St. Veit: „Bei dieser trockenen Witterung darf in der Nähe eines Waldstückes kein Wied verbrannt werden. Es muss ein Mindestabstand von 200 Meter eingehalten werden“, mahnt er zur Vorsicht. Trockene Witterung ist man im nördlichen Landkreis gewöhnt, sagt Biberger und erinnert an die Brände im Sommer 2019, denen einige Heuballenpressen zum Opfer gefallen waren.

Dass die Feuerwehren sich auf besonders trockene Situation anpassen müsse, das verneint der aktive Feuerwehrmann. Die Neumarkter Feuerwehr verfüge selbst über Löschgruppenfahrzeuge mit Wassertanks von 1000 und 2000 Litern Fassungsvermögen. Vor Ort könne gegebenenfalls nachalarmiert werden, wenn es der Brand erfordern sollte.

Wo Hydranten fehlen, bieten Güllefässer Ersatz

Biberger verhehlt zwar nicht, dass die Situation vorhandener Löschweiher im Außenbereich, dort, wo es eben keine Hydranten gibt, besser sein könne. Doch auch in diesem Fall seien die Rettungskräfte vor Ort gerüstet, weil die Feuerwehrdienstleistenden entsprechend sensibilisiert sind. „Viele Rettungskräfte kommen aus der Landwirtschaft. Wenn Wassernot herrscht, sorgen Güllefässer für Abhilfe, die kurzfristig zum Einsatz kommen können. Die sind von Haus aus mit Wasser gefüllt.“ Vielerorts stünden damit zusätzliche Wasserreservoirs zur Verfügung, zwischen 4000 bis 8000 Liter.

Dass es zu weiteren Bränden in den nächsten Tagen kommen könnte, will von den Feuerwehren niemand ausschließen. Denn eine Besserung der Wetterlage ist nicht in Sicht. Zwar wird es in den kommenden Tagen, besonders nachts, kälter. Doch tagsüber sind frühsommerliche und trockene 23 Grad Celsius zu erwarten. Und Regen? Der Wetterradar kündigt die ersten Schauer erst für den kommenden Samstag an.

Fragen an das Landratsamt Mühldorf: Keine Flaschen wegwerfen und nicht Rauchen!

Seit Wochen hat es nicht geregnet. Wie hoch wird die Waldbrandgefahr aktuell eingeschätzt?

Tagesaktuell liegt im Landkreis Mühldorf die Waldbrandgefahrenstufe 3, das bedeutet erhöhte Waldbrandgefahr. In den nächsten Tagen verschlechtert sich der Index und steigt möglicherweise auf die Stufe 4.

Besteht durch die Corona-Epidemie eine besondere Gefahr für den Wald, weil sich vermeintlich eine größere Anzahl von Spaziergänger und Hobbysportler in den Wäldern aufhalten?

Zurzeit besteht keine erhöhte Gefahr, sofern sich alle Bürgerinnen und Bürger an die gängigen Regeln halten. Die Spaziergänger werden aber eindringlich darauf hingewiesen, kein offenes Feuer zu machen beziehungsweise Flaschen wegzuwerfen oder im Wald zu rauchen, da sonst eine potenzielle Gefahr von Waldbränden besteht. Da es länger nicht geregnet hat und keine Schauer in Aussicht sind, ist der Waldboden äußerst trocken. Wir bitten daher die Bevölkerung, bei Spaziergängen im Wald eindringlich diese Vorgaben zu beachten. Sollte ein Passant Rauch oder ein Feuer entdecken, so sollte umgehend ein Notruf abgesetzt werden.

Im vergangenen Jahr war es zu auffällig vielen Bränden von Heuballenpressen gekommen. Hat man aus den Erkenntnissen des vergangenen Jahres neue Schlüsse gezogen, bei der Ausstattung der Feuerwehren, was den speziellen Löschmitteleinsatz betrifft?

Ballenpressen können teilweise nur mit speziellem Löschschaum gelöscht werden.Bei dem einzusetzenden Löschschaum wird mittlerweile „Biolöschschaum“ eingesetzt. Dieser Schaum ist biologisch abbaubar und stellt für die Umwelt keine Gefahr dar.

Kommentare