Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Urteil am Amtsgericht Mühldorf

Waffennarr bekommt Bewährungsstrafe: 72-Jähriger hatte 23 Schießeisen nicht angemeldet

Waffen, Munition, Schlagring und Treibladungspulver hatte ein 72-jähriger Jäger aus dem nördlichen Landkreis zu Hause – doch die Waffen waren nicht registriert. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.
+
Waffen, Munition, Schlagring und Treibladungspulver hatte ein 72-jähriger Jäger aus dem nördlichen Landkreis zu Hause – doch die Waffen waren nicht registriert. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
    schließen

Da verstand Richter Florian Greifenstein keinen Spaß: „Im unkontrollierten Umlauf haben diese Waffen nichts zu suchen“, maßregelte er einen ehemaligen Jäger aus dem nördlichen Landkreis Mühldorf. Der musste sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten – und zeigte sich am Ende reuig.

Landkreis Mühldorf – Ganze zwei DIN A4-Seiten füllt die Liste der 23 Waffen, die sich unerlaubterweise im Besitz eines 72-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis befunden haben. Unerlaubt deswegen, weil ihm die dazu nötige waffenrechtliche Erlaubnis fehlte. Jetzt musste sich der Mann im Amtsgericht Mühldorf vor Richter Florian Greifenstein dafür verantworten.

Acht halbautomatische Kurzwaffen, zwei Pistolen, elf Langwaffen, zwei Austauschläufe, dazu 402 Kilogramm Munition und knapp zwei Kilo Treibladungspulver hat die Polizei auf dem Anwesen des Rentners sichergestellt – laut Anklageschrift nahezu alles nicht ordnungsgemäß aufbewahrt. „Die Wohnung des Angeschuldigten konnte mittels eines an einem Holzbalken im Eingangsbereich hängenden Hausschlüssels ohne Weiteres von Dritten betreten werden“, wurde dem 72-Jährigen zur Last gelegt.

Repetierbüchse bei der Freundin gelagert

Eine Repetierbüchse Steyr Mannlicher habe sich in einem Nachbarort befunden, bei der Lebensgefährtin des verwitweten Angeklagten. „Damit bestand für diese Schusswaffen die Gefahr des Abhandenkommens beziehungsweise des unbefugten Zugriffs Dritter“, hieß es seitens des Staatsanwalts David Heberlein.

Über Jahrzehnte hinweg ein passionierter Jäger

Der Mann war über Jahrzehnte hinweg passionierter Jäger, er hatte einen Waffenschein und zehn Waffenbesitzkarten, in die 44 Lang- und zwei Kurzwaffen eingetragen waren. In jungen Jahren, so heißt es in der Anklageschrift, hatte er in einer Büchsenmacherei gearbeitet und dort den Umgang mit und die Reparatur von Waffen gelernt.

Auch interessant: Seltene Filmaufnahmen einer Pirsch - Wolf jagt Reh im Schwarzwald

Strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getreten

Strafrechtlich ist der 72-Jährige bisher nicht in Erscheinung getreten, doch sei er zu Beginn der Ermittlungen unkooperativ gewesen. Erst später habe der Angeklagte bereitwillig Angaben zur Sache und Herkunft der Waffen gemacht. Außerdem habe er seinen Jagdschein sowie ein weiteres Gewehr, das bei der Durchsuchung nicht gefunden wurde, beim Landratsamt in Mühldorf abgegeben. Die Verhängung eines Waffenbesitzverbotes habe er akzeptiert. Laut Staatsanwaltschaft habe er sich einsichtig gezeigt, doch bestritt er, Waffen repariert zu haben. Diese seien ihm überwiegend von den Witwen verstorbener Waffenfreunde übergeben worden. Dass die Aufbewahrung zum Teil nicht ordnungsgemäß erfolgt sei, sei ihm bewusst gewesen.

Kein Waffennarr mit kriegstreiberischen oder gefährlichen Tendenzen

Nach Einschätzung des Landratsamtes handele es sich bei dem ehemaligen Holzfäller nicht um einen „Waffennarr mit kriegstreiberischen oder gefährlichen Tendenzen“, sondern um einen Jäger, der es mit seiner Passion für Waffen übertrieben habe. Die Gefahr dieser Waffen habe er verharmlost.

Lesen Sie dazu auch: Staatsforsten stellen auf Jagd mit bleifreier Munition um

Schusswaffen waren nicht ordnungsgemäß aufbewahrt worden

Wegen des Besitzes nicht registrierter Schusswaffen, deren nicht ordnungsgemäßer Aufbewahrung sowie des Besitzes eines Schlagrings und von einem explosionsgefährlichen Stoff forderte Staatsanwalt Heberlein eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Positive Sozialprognose ins Feld geführt

Der Staatsanwalt führte eine positive Sozialprognose ins Feld, außerdem die Tatsache, dass der Angeklagte zum ersten Mal auf der Anklagebank saß und er sich auch einsichtig gezeigt habe. Die Strafe sollte auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren: Mit Schlagring auf Autos eingedroschen – Haftstrafe für 24-jährigen Rosenheimer

Einen Zugriff Dritter schloss der Rechtsanwalt aus

„Hätte er all die Waffen angemeldet, dann wäre die Sache erledigt gewesen“, befand Rechtsanwalt Maximilian Kaiser. Die Gefahr, dass ein Dritter Zugriff auf die Waffen haben könnte, relativierte Kaiser. „Er wohnt allein im Haus!“ Er sei geständig gewesen, voll einsichtig, alles sei eingezogen worden und dies habe sein Mandant auch akzeptiert. Zehn Monate auf Bewährung, ausgesetzt auf zwei Jahre, hielt er für angemessen.

Angeklagter räumt Fehler ein

„Im unkontrollierten Umlauf haben diese Waffen nichts zu suchen“, sagte Richter Greifenstein. Er bezeichnete den 72-Jährigen als „inoffiziellen Waffensachverständigen“. Hoch anzurechnen sei dem ehemaligen Jäger, dass er kooperativ gewesen sei, er keine Vorstrafen habe und er nun bis an sein Lebensende auf Jagdschein und Waffenpass verzichten wolle. Der 72-Jährige wurde zu zehn Monaten Haft auf Bewährung für drei Jahre verurteilt. Der Angeklagte schien geläutert: „Ich habe einen Fehler gemacht“, und er versprach, „das wird nie wieder passieren!“

Was geschieht jetzt mit den beschlagnahmten Waffen?

Was geschieht mit den Waffen, die im Rahmen des Prozesses eingezogen wurden? Die illegalen beziehungsweise in der Besitzkarte nicht eingetragene Waffen sowie Munition und Treibladungspulver wurden von der Polizeiinspektion Mühldorf sichergestellt, wie das Landratsamt Mühldorf auf Nachfrage mitteilt. Die legalen Waffen wurden vom Landratsamt konfisziert. Die Behörde verfüge über ausreichend waffenrechtskonforme Lagerkapazitäten, teilt die Pressestelle mit.

Möglichkeit eines Widerrufsverfahrens

Ein Waffenbesitzer hat im Rahmen eines Widerrufsverfahrens, wie im hier vorliegenden Fall, die Möglichkeit, die legalen Waffen und Munition bis zu einer bestimmten Frist einem Berechtigten, etwa einem Waffenhändler, Jäger oder Sportschützen, zu überlassen. Sollte diese Möglichkeit nicht genutzt werden, erfolgen die Einziehung und die Übergabe ans Bayerische Landeskriminalamt zur Verwertung oder Vernichtung.

Kommentare