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Sensation

Vogelschutzbund jubelt: Seltener Raubvogel im Kirchturm von St. Johann in Neumarkt-St. Veit

Stolzer Raubvogel im Kirchturmfenster von St. Johann: Wanderfalken sind selten geworden. Umso mehr freut sich der Landesbund für Vogelschutz über das nistende Paar im Glückturm.
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Stolzer Raubvogel im Kirchturmfenster von St. Johann: Wanderfalken sind selten geworden. Umso mehr freut sich der Landesbund für Vogelschutz über das nistende Paar im Glückturm.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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  • Karlheinz Jaensch
    Karlheinz Jaensch
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Die Storchennester sind zwar immer noch leer, stattdessen nisten Wanderfalken in der Rottstadt. Und dann gelingt dem ehemaligen Stadtrat Emil Steinbach doch noch ein ungewöhnlicher Schnappschuss

Neumarkt-St. Veit – Vor etwa drei Jahren schufen Vogelliebhaber am Stadtplatz in Neumarkt-St. Veit durch das Anbringen eines Wagenrades am Dach der „oberen Apotheke“ beste Voraussetzungen, um ein Storchenpaar zum Nisten zu einzuladen. Es entstand sogar ein kleiner Wettbewerb mit der Nachbargemeinde Schönberg. Neumarkts Angebot blieb von Störchen unbeachtet. Dafür hat ein anderer geflügelter Bewohner am Stadtplatz Quartier bezogen.

LBV-Kreisgruppe ist begeistert

Seit geraumer Zeit nistet ein Wanderfalkenpärchen oben im Turm der Johanneskirche in Neumarkt-St. Veit. Der Kreisvorsitzende des Vogelschutzbundes, Günther Weitzer, nennt diese Tatsache eine absolute Sensation: „Wir vermuten dass es sich um ein Pärchen handelt, das schon einige Zeit den Turm bewohnt. Und wir gehen davon aus, dass es auch Nachwuchs gibt. Auf jeden Fall wird die LBV-Kreisgruppe weiterhin beobachten und protokollieren.“

Im ganzen Landkreis – und eigentlich auch im weiten Umkreis – sei dies der einzig bekannte Wanderfalke, teilt der LBV mit. Er ist der größte Falke Deutschlands. Das Weibchen wird etwa 50 Zentimeter groß, also so groß wie ein Bussard, Das Männchen ist mit 38 Zentimetern etwas kleiner. Scharfer Sehsinn und „Falkenzahn“ zeichnen ihn aus.

Der Wanderfalke tötet die Beute, etwa Tauben, im Sturzflug mit dem Biss, wobei er auf seiner Jagd eine Geschwindigkeit von bis zu 320 Kilometer in der Stunde erreichen kann. Der Wanderfalke gilt damit als das schnellste Lebewesen auf dem Planeten.

Eisenmann denkt sogar schon an eine Bruthöhle

Neumarkt-St. Veits Pfarrer Franz Eisenmann freut sich sehr, dass so ein besonderer Vogel in einer seiner Kirchen eingezogen ist: „Unser Kaplan informierte uns gleich ganz begeistert, dass es nur mehr etwa 200 Exemplare davon in Deutschland gibt, und dass Wanderfalken zu den schnellsten Jägern unter den Greifern gehören. Da ist es schon schön, dass sie sich auch in unserem Kirchturm – und in der Umgebung – wohlfühlen.“

Er denkt auch an die Zukunft: „Da die Nische an diesem Fenster nicht sehr groß ist, wurde schon überlegt, ob innen nicht eine Bruthöhle angebracht werden sollte, um das Nest zu schützen.“ Doch die Fachleute hätten ihn vertröstet, dass dies für dieses Jahr schon zu spät sei. Doch sei dieser Vorschlag durchaus eine Überlegung für den Herbst. „So hoffen wir, dass es unseren Wanderfalken auch so bei uns gefällt und der Nestbau gut gelingt“, so Eisenmann weiter.

Außer Kotspuren am Dach keine Probleme mit Raubvogel

Bisher gebe es – außer Kotspuren am Dach – keine Beschwerden von Anliegern, etwa über heruntergefallene Reste der Beutetiere. „Wir hoffen, dass dies so bleibt und sich die Falken bei uns wohl fühlen.“

Vor einigen Jahrzehnten, noch in den 60er und 70er Jahren, war der Wanderfalke vom Aussterben bedroht. Ursächlich waren laut LBV die damals noch erlaubten Pestizide. Wohl aus diesem Grund war der Wanderfalke auch „erster Vogel des Jahres 1971“.

Der Bestand konnte sich von damals 60 Brutpaaren in ganz Deutschland, hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg, auf jetzt allein in Bayern etwa 250 Brutpaare erholen, dank umfangreicher Schutzmaßnahmen.

Falken können bis zu 15 Jahre alt werden

Falken werden circa 15 Jahre alt, brüten erst in einem Alter von zwei bis drei Jahren, haben eine Jahresbrut in der Zeit von März bis April, legen drei bis vier Eier. Die Brutdauer beträgt 34 Tage, die jungen Falken werden in etwa 42 Tage mit Nahrung versorgt und sind Nesthocker.

Falken in der Stadt tolerieren Lärm eher als Felsbrüter, heißt es in der Fachwelt, weshalb der Neumarkter Falke der Stadtplatzrenovierung aus luftiger Höhe wohl interessiert zusehen wird. Und Neumarkt St. Veit hat durch die Wanderfalken eine Attraktion mehr.

Storchenester immer noch leer

Und was ist mit den Störchen? Schon vor drei Jahren hatten die Breznbäcker, Emil Steinbach und Elsaßbäcker Toni Jung es veranlasst, dass Storchennester auf der Stadtapotheke in Neumarkt und auf der Bäckerei Jung in Schönberg befestigt werden. „Überall sieht man die Störche. Emil sichtete welche am Rottufer, ich selbst nur 700 Meter von der Bäckerei entfernt.

Aber in mein Nest wollen sie nicht“, bedauerte Elsaßbäcker Jung am Sonntagmittag mit etwas neidischem Blick auf die Falken in St. Johann oder Adebar, der den Veldener Kirchturm in Beschlag genommen hat oder die ein oder andere Erhebung in Haag. Doch dann überraschte ihn Emil Steinbach mit einer besonderen Nachricht plus Bild: Am Stadtplatz wurde tatsächlich auch ein Storch gesichtet. Wie bestellt. Auf einem der Dächer der Stadthäuser sah sich Adebar um. Und welches Geschäftshaus war es? Das vom Elsaßbäcker.

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