Zu viel Schwerverkehr im Nadelöhr: Hörberinger sorgt sich um die Sicherheit der Kinder

Weil es bislang keine behördliche Anordnung gibt, appellieren die Anwohner der Ortsteils Hörberinger an die Freiwilligkeit: Gas runter wegen der Kinder. Es handelt sich um 100 Meter langen Teil der Staatsstraße 2111 nach Gangkofen, der durch den Ortsteil führt. Knapp 50 Meter vor dem Bahnübergang steht bereits ein Verkehrsschild, auf dem Tempo 30 gefordert wird. Ein Anwohner findet aber, dass dieses Tempolimit für die komplette Straße durch das nördliche Hörbering gelten sollte.
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Weil es bislang keine behördliche Anordnung gibt, appellieren die Anwohner der Ortsteils Hörberinger an die Freiwilligkeit: Gas runter wegen der Kinder. Es handelt sich um 100 Meter langen Teil der Staatsstraße 2111 nach Gangkofen, der durch den Ortsteil führt. Knapp 50 Meter vor dem Bahnübergang steht bereits ein Verkehrsschild, auf dem Tempo 30 gefordert wird. Ein Anwohner findet aber, dass dieses Tempolimit für die komplette Straße durch das nördliche Hörbering gelten sollte.

Eine Ortsumfahrung in Hörbering: Forderungen dieser Art hat es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Jetzt darf sich der Bau- und Umweltausschuss der Stadt Neumarkt-St. Veit erneut mit dem Thema befassen. Die Frage, die sich stellt: Wäre diese Investition überhaupt finanziell zu stemmen?

Von Josef Enzinger

Hörbering – Ein Anwohner aus Hörbering hat beantragt, die Ortschaft zwischen der Staatsstraße 2086 und dem Bahngleis zu entlasten. Und das nicht nur in Form einer Umgehungsstraße. Er sorgt sich auch um die Sicherheit der Kinder, fordert eine Geschwindigkeitsbegrenzung in diesem Bereich, wo tagtäglich viele Lastwagen über schmale Verkehrswege die Nord-Süd-Verbindung zwischen Ober- und Niederbayern nutzen.

Umgehungsstraße ist immer wieder Thema

Die Ortsstraße, um die es sich dreht, ist nur knapp 350 Meter lang, ein Nadelöhr zwischen einem Wirtshaus, das schon lange keine Gäste mehr gesehen hat, und einer Autowerkstatt. Vereinzelt flankieren landwirtschaftliche Anwesen die Ortsdurchfahrt. Und auch wenn die Straße noch so bedeutungslos für den überregionalen Verkehr scheint. Sie ist stark befahren, Personenkraftwagen und Lastwagen nutzen sie. Milchwagen passieren sie auf ihrem täglichen Weg zu den Bauernhöfen ebenso wie Sattelschlepper, die Fertighausteile ausliefern.

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Dieser Schwerverkehr ist einem Anwohner ein Dorn im Auge. Mit einem Antrag hat er sich an die Stadt Neumarkt-St. Veit gewandt. Seine Idee einer Umgehungsstraße ist aber nicht neu. Bürgermeister Erwin Baumgartner erinnert an ähnliche Vorstöße, die immer wieder und zuletzt vor bald 20 Jahren schon einmal kommuniziert worden seien, damals im Zuge des Wahlkampfes 2002. Von einer Umgehung war die Rede damals, die auf direktem Wege der stark befahrenen Staatsstraße 2086 eine Verbindung zur Bahnüberführung herstellen sollte. „Dieser mögliche Durchstich vorbei am ehemaligen Anwesen der Familie Lahme, war kontrovers diskutiert worden. Irgendwann ist das Ganze aber eingeschlafen, weil auch von der Bevölkerung kein Druck zu verspüren war“, erinnert sich Baumgartner.

Ein Durchstich, wie damals unter anderem angedacht, war verworfen worden, auch weil man aufgrund der direkten Streckenführung höhere Geschwindigkeiten befürchtet hatte, meint der Bürgermeister heute. „Das wäre nicht sinnvoll gewesen“, sagt Baumgartner. Heute sei dieser Durchstich keine realistische Option mehr, weil das dafür kommende Grundstück inzwischen bebaut ist.Im Januar 2015 hatte der Bauausschuss sein Okay für ein Bauvorhaben an dieser Stelle gegeben.

Anwohner klagt über Raser in der Ortsmitte

Hans Seidl bewohnt mit seiner Familie dieses Haus. Und zwar direkt in der Verlängerung der Staatsstraße 2111, die dann in eine Gemeindestraße mündet, wo Höfe, Einfamilienhäuser und Gewerbebetriebe angesiedelt sind. Auf Höhe seines Hauses, das unmittelbar neben der Straße – in diesem Fall eine Gemeindestraße – steht, mahnt bereits ein Schild den Verkehrsteilnehmer zur Temporeduzierung auf 30 km/h an. „Doch nur die wenigsten halten sich daran!“ Seidl spricht von Verkehrsteilnehmern, die offenbar keine Ortsansässigen seien, aber gerne die Abkürzung von Richtung Massing kommend nach Dingolfing nutzen. „Die schießen brutal vorbei. Man muss froh sein, dass noch nichts passiert ist“, sorgt sich Seidl als Vater einer fünfjährigen Tochter auch um alle anderen Kinder, die entlang der Straße wohnen.

Wenn der Antrag nun zusätzlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung entlang der Staatsstraße 2111 durch den Ort bis zur Hörberinger Kreuzung zur St 2086 bewirken würde, sei das nur zu begrüßen, sagt Seidl. „Und wenn man die Raser dann immer noch nicht einbremsen kann, dann muss man eben mal blitzen“, schlägt Seidl vor, „vielleicht bringt das die Autofahrer zur Vernunft.“

Tempoüberwachung grundsätzlich möglich

Eine Anregung, die im Rathaus von Neumarkt-St. Veit durchaus auf offene Ohren stößt. „Eine Geschwindigkeitsüberwachung in diesem Bereich können wir gerne probieren“, signalisiert Baumgartner. Man müsse allerdings überprüfen, an welchem Standort das rechtlich möglich sei. Als Alternative biete sich auch an, den Geschwindigkeits-Smiley aufzustellen, der lediglich visuell den Verkehrsteilnehmer darauf hinweist, sollte er die Geschwindigkeit überschreiten. Das aber ziehe keinen Bußgeldbescheid nach sich. „Den Smiley haben wir seit Freitag in Teising stehen. Wegen verschiedener Umleitungen hat dort zuletzt das Verkehrsaufkommen zugenommen. Aber in zwei Wochen könnten wir den auch in Hörbering aufstellen. Das kann ich zusichern. Gerne auch in Absprache mit dem Straßenbaulastträger innerorts entlang der St 2111“, so Baumgartner.

Übergeordnete Behörden sind eigentlich zuständig

Zu den Anträgen selbst kann der Bürgermeister aus städtischer Sicht keine allzu großen Versprechungen machen. Der Bau- und Umweltausschuss werde sich zwar mit den Thematiken – Umgehungsstraße und Geschwindigkeitsbegrenzung – auseinandersetzen. Letztlich zuständig seien aber übergeordnete Behörden: In Sachen Umgehungsstraße sei es der Staat. Und was die Reduzierung der Geschwindigkeit betrifft, das Landratsamt in Mühldorf. Nur so viel sagt Baumgartner zum Wunsch nach einer Umgehungsstraße: Eine Alternativ-Trasse, die um den kompletten nördlichen Teil Hörberings herum führen müsste und damit deutlich länger wäre, sei mit hohen Investitionskosten verbunden. Abgesehen von den Schwierigkeiten, die nötigen Grundstücke dafür zu bekommen, stelle sich für Baumgartner dann die Kostenfrage: „Wer soll das bezahlen?“ Die Straße müsste dann als Sonderbaulast gebaut werden, ähnlich wie es die Gemeinde Hohenlinden seinerzeit gemacht habe, um ihren Ort vom Verkehr auf der B 12 zu entlasten. In Zeiten von Corona, die wohl einen noch nicht einzuschätzenden Einbruch bei den Steuereinnahmen nach sich ziehen werde, undenkbar.

Durchstich ist nicht mehr möglich

Wenn der Bauausschuss am Mittwoch, 17. Juni, um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Schloss Adlstein zusammentritt, dann steht nicht nur die Verkehrsproblematik in Hörbering auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils. Es wird ferner über Bauanträge entschieden, außerdem ein Billigungs- und Auslegungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplanes „Süd“ gefällt. Der Bebauungs- und Grünordnungsplan „Am Galgenberg“ ist Thema und die Außenbereichssatzung „Alte-Teisinger Straße“wie die Klarstellungs- und Ergänzungssatzung „Elsenbach“.

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