Verzwickte Lage in Wotting: Kommt der Bebauungsplan, hat das Nachteile für die Nachbarn

In Wottingsoll gebaut werden. Um die Grundlage dafür zu schaffen, muss die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen – und würde damit wohl nachträgliche Lärmschutzmaßnahmen heraufbeschwören. Enzinger

Bebauungsplan „Wotting IV“ – was auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung nur mit wenigen Worten angekündigt war, bereitete dem neu gewählten Lohkirchener Gemeinderat großes Kopfzerbrechen. Fast eine Stunde lang wägten die neun Köpfe ab, wie sie abstimmen sollten. Am Ende waren sie aber ratlos.

Lohkirchen – Denn sollten sie dem Bebauungsplan zustimmen, kann ein Bauwerber seinen Traum vom Hausbau zwar in die Tat umsetzen. Die Nachbarschaft jedoch hat die Konsequenzen zu tragen. Denn aufgrund von dann möglicherweise behördlich angeordneter Schallschutzmaßnahmen müssten an bereits bestehenden Bauten wohl kostspielige Nachbesserungen erfolgen.

Nachrüsten wegen Lärmschutzauflagen

Aktuell stellt sich die Sachlage so dar: Zwei Anwesen befinden sich in diesem Außenbereich. Ein Haus soll nun dazu kommen, vielleicht sogar drei weitere Grundstücke erschlossen werden, dafür muss aber erst einmal Baurecht geschaffen werden. Das Problem: Der Bereich befindet sich in unmittelbarer Nähe zur stark befahrenen Staatsstraße. Dass die Lärmschutzwerte für die Bebauung überschritten würden, liegt auf der Hand, das Landratsamt in Mühldorf hat deswegen auch ein Schallschutzgutachten angefordert.

„Wir werden mehr und mehr ein Gutachtenstaat“, kommentierte der Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen, Georg Obermaier, die Situation, mit der sich nun der Lohkirchener Gemeinderat konfrontiert sah. „Dass es ein Schallschutzgutachten geben soll, damit hatten wir nicht gerechnet“, gab auch Bürgermeister Siegfried Schick (UWG) zu, der als Anwohner von der Situation selbst betroffen ist. Sollten nämlich jetzt aufgrund des Bauantrages Lärmschutzmaßnahmen gefordert werden, müssten die Anwohner entsprechende Auflagen umsetzen – begonnen von einer dezentralen Lüftung bis hin zu speziellen Lärmschutzfenstern. Eine kostspielige Angelegenheit, wie auch Reinhard Retzer (UWG/ÖDP) fand. „Wir verschaffen durch den Bebauungsplan dem einen einen Vorteil, weil er dann bauen darf. Aber alle anderen haben die Nachteile zu tragen. Sie wären dann schlechter gestellt. Wie soll man da eine richtige Entscheidung treffen?“, fragte Retzer. „Entweder ablehnen oder abwarten“, schlug Gemeinderat Gerhard Obermaier (UWG) vor.

Tagesordnungspunkt zurückgestellt

Die Alternative: Keine Entscheidung und damit auch keine Zustimmung. „Dann steht das komplette Verfahren“, erklärte Obermaier dazu. Der Bauwerber könnte nicht bauen und auch die Anlieger müssten nicht befürchten, dass sie teure Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen hätten. So richtig damit anfreunden konnte sich aber niemand im Gremium. Schließlich einigte man sich darauf, abzuwarten, bis das Gutachten zum Lärmschutz tatsächlich vorliegt, um dann zu entscheiden. In der Zwischenzeit will man das Gespräch mit dem Bauwerber und den Anwohnern suchen, informieren und Lösungsmöglichketen erörtern.

Dieser Vorgehensweise schlossen sich dann auch die Gemeinderäte mit 8:0 an. Bürgermeister Schick war von der Abstimmung ausgeschlossen, weil er am Verfahren persönlich beteiligt ist.

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