Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


NACHRUF

Verstorben in der neuen Heimat: Als Vertriebener engagierte sich Karl Korn für Neumarkt-St. Veit

-
+
-

Er ist das Beispiel eines Menschen, der nach dem Krieg seine Heimat verlassen musste, eine neue fand und sich in ihr beruflich und in seiner Freizeit engagierte. So wurde Karl Korn zu einem Neumarkt-St. Veiter, der in der Stadt Spuren hinterlassen hat.

Neumarkt-St. Veit – Bis heute ist seine Metzgerei, die inzwischen sein Sohn führt, fester Bestandteil des Geschäftslebens in der Stadt.

Am 28. Oktober 1933 in Utzin im Sudetenland geboren wuchs dort glücklich als Zweitältester mit zwei Brüdern und Schwestern auf. Er hatte gerade mit dem Besuch einer höheren Schule begonnen, als der Krieg endete und die Tschechen die ganze Familie mit Eltern und Großeltern zunächst in Internierungslager steckten. Später wurde die Familie ausgewiesen und – wie Korn immer selbst erzählte – „am Bahnhof in Hofthambach war Endstation“. Die Heimatvertriebenen mussten aussteigen und wurden einfach auf die Bauernhöfe der Gegend verteilt.

Vom Lehrling zum Chef

Nach der Schulzeit begann Karl Korn als 16-Jähriger in der Neumarkter Metzgerei Schneider eine Lehre. Als strebsamer junger Mann legte er 1956 erfolgreich seine Meisterprüfung ab und fand das Vertrauen der Besitzer. Deren Enkeltochter Edith machte eine Metzgerlehre in München, die sie unterbrach, und beim hauseigenen Meister beendete. 1957 starb die Firmengründerin Centa Schneider und eine Woche später übernahm Lehrling Edith die Geschäftsführung – zusammen mit ihrem Lehrmeister Karl Korn.

Die beiden arbeiteten gut zusammen und verstanden sich auch prächtig, dass sie im Oktober 1958 den Bund der Ehe eingingen. Ein Jahr später vervollständigte Tochter Brigitte die Familie und 1967 kam Sohn Karl hinzu.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Mühldorf finden Sie hier

Von Beginn an hatte Karl Korn den Wunsch, seinen Betrieb weiterzuentwickeln. Auf Seminaren und Kursen interessierte er sich für Gewürzmischungen bei Wurst, und es dauerte nicht lange, bis die Würste vom Korn in der Region einen besonderen Ruf hatten. Sein Sohn Karl spricht bis heute mit Respekt von der Leistung seines Vater in dieser Zeit: „Er hat sich angangs als Flüchtling gegen sechs Metzgereien behauptet“, sagt der heutige Metzgerei-Inhaber.

1980 baute er seinen Laden um und änderte dabei auch die Aufschrift von Metzgerei Schneider in Metzgerei Korn. Aber wenn ihn trotzdem jemand noch mit Schneidermetzger ansprach, war er dem nicht böse. „Es kommt vor, dass auch ich noch Schneidermetzger genannt werde“, erzählt der Junior, die die Metzgerei am Stadtplatz seit 1999 führt weiter.

Lesen Sie auch: Rettung für „Linde 21“ in Sicht: Initiative will Baum vom Neumarkter Stadtplatz umpflanzen

Korn interessierte sich seit seiner Ankunft an der Rott für seine neue Heimat und engagierte sich für sie. Legendär sind die Wurstsemmeln und Eisbecher für die Jugendfußballer, als Faschingsprinz der Rottalia regierte er die Stadt für eine Saison und als Sponsor mancher Veranstaltung nahm er Geld in die Hand.

Starke Bindung ans Sudetenland

Seiner Geburtsheimat blieb er verbunden, sooft es ging fuhr er dorthin. Oft nahm er Freunde mit und, um ihnen die Schönheit der Landschaft und sein großes Elternhaus zu zeigen.

Als Gesellschafter war er an Stammtischen geschätzt, wobei er über aktuelle Themen ebenso gerne plauderte, wie er vom der Heimat erzählte. Die Ratschläge seiner Großmutter gab er seinen Freunden gerne weiter. Beim Kartenspiel schätzte er das Watten; in lokalen Turnieren oder zu viert beim Wirt. Die Liebe seiner Kinder am Theater schätzte er, auch wenn er sich deren Aufführungen erst im hohen Alter als Besucher anschauen wollte.

Nach 43 Jahren als Metzgermeister erhielt er den Goldenen Meisterbrief.

Im Jahr 2016 starb seine Gattin Edith. Neben seinen Kindern freute er sich an den Enkeln Wenzel und Anna, 2019 kam noch Enkeltochter Katharina hinzu.

Wegen einer plötzlichen akuten Kreislaufschwäche brachte ihn sein Sohn ins Krankenhaus. Der 88-jährige erholte sich nicht mehr und starb nach Ablauf einer Woche. Die Beisetzung findet – wegen Corona - im kleinsten Familienkreise statt.

Kommentare