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Patrozinium am Wochenende

Verfall, Großbrand und erneuter Aufstieg des Klosters St.Veit

Das historische Gemälde zeigt den Brand des Benediktinerklosters St.Veit von 1708.
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Das historische Gemälde zeigt den Brand des Benediktinerklosters St.Veit von 1708.
  • VonWalter Jani
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Das Benediktinerkloster St.Veit gibt es seit 900 Jahren. Das St. Veit geweihte Kloster wurde 1121 durch den Edlen Dietmar von Lungau in Elsenbach gegründet und 1171 auf den nahe gelegenen St.Veitsberg hoch über der Rott verlegt. An diesem Wochenende feiert es sein Patrozinium.

Neumarkt-St. Veit – Das Benediktinerkloster St. Veit gibt es seit 900 Jahren. Das St. Veit geweihte Kloster wurde 1121 durch den Edlen Dietmar von Lungau in Elsenbach gegründet und 1171 auf den nahe gelegenen St. Veitsberg hoch über der Rott verlegt. An diesem Wochenende feiert es sein Patrozinium. In einem ersten Teil wird auf die Anfänge des Klosters zurückgeblickt.

Vitusglocke

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verschlechterten sich die Verhältnisse im ganzen altbayerischen Siedlungsgebiet. Im Jahre 1501 wurde fast nichts geerntet und von 1502 bis 1504 kam der Schrecken des Krieges dazu. Die Wittelsbacher Herzöge in Landshut und München waren sich über die Erbfolge nicht einig und es kam zu einer Auseinandersetzung, die fast das ganze Land verwüstete, darunter auch Neumarkt an der Rott.

Mönche strebten weltlichen Genüssen zu

Selbst das Kloster St. Veit wurde nicht verschont. Über die Folgen schrieb Abt Humbler in seinem Tagebuch, dass man ihm im Rottal die Bauernhöfe reihenweise in Schutt und Asche gelegt habe. Mit Martin Luther folgte die Zeit der Reformation, eine Zeit der Glaubenskrise, die auch am Kloster St. Veit nicht spurlos vorüber ging. Die Mönche wollten nicht mehr nach den strengen Regeln des heiligen Benedikt leben, sondern strebten durchaus weltlichen Genüssen zu. Abt Stephan Dietrich (1516 bis 1537) wehrte sich zwar gegen diese Entwicklung, war aber letztendlich machtlos.

Brudermord und sittlicher Verfall

Bezeichnend dafür war ein Ereignis gleich zu Beginn seiner Amtszeit, als er am 28. April 1518 den Kreuzgang durch den Bischof von Chiemsee wieder neu weihen lassen musste, nachdem ein Mönch seinen Mitbruder ermordet hatte.

Dem sittlichen Verfall folgte in kurzer Zeit der wirtschaftliche. Mit Abt Andreas Kirchisner (1548 bis 1561) brach die traurigste Zeit des Klosters an. Außer dem trinksüchtigen, der Homosexualität verdächtigten Abt, befand sich im Jahr 1556 nur noch ein Profess, der Prior und ein Subdiakon als Mönche im Kloster, das zu normalen Zeiten mit 20 Ordensleuten besetzt war.

Lebenslange Kerkerhaft für Abt Andreas

Abt Andreas wurde abgesetzt und nach Salzburg gebracht, wo er zu einer lebenslangen Kerkerhaft verurteilt wurde. Trotz aller Missstände blieb dem Kloster die Gunst der Herzöge erhalten. Sie sorgten dafür, dass in den folgenden Jahrzehnten die Leitung der Abtei mit von ihnen eingesetzten Administratoren (Abtvertreter) erfolgte. Diese provisorische Führung wurde solange aufrechterhalten, bis zum Ende des 16. Jahrhunderts eine spürbare Verbesserung des Klosterlebens eintrat. Mit Andreas Sappenberger (1602 bis 1633) kam ein Abt nach St. Veit, der die Ordnung wiederherstellte und das Kloster seine alte Bedeutung wiedererlangen konnte.

Marian Wieser

Dreißigjähriger Krieg bremste Erneuerung

Die guten und erfolgversprechenden Ansätze der beiden Äbte Andreas Sappenberger und Maurus Fröschl (1633 bis 1653) zur inneren Erneuerung des Klosters wurden durch den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) massiv gestört. Hohe Kriegslasten beraubten sie aller finanzieller Möglichkeiten, 1632 und 1648 brachen die schwedischen Söldnerheere ins Land und brachten Tod, Verderben und die Pest mit ins Rottal. Die Schweden raubten und plünderten in St. Veit, sie schnitten die kostbarsten Bilder der Altäre aus den Rahmen, um sie mitzunehmen. Und wäre das alles nicht genug, brach 1639 noch ein großes Feuer aus und richtete schwere Schäden in der Abtei an.

Zudem kamen die regelmäßigen Weinlieferungen aus ihren Besitzungen in Österreich nicht mehr in St. Veit an. Auch die Bierlieferungen vom Markt blieben größtenteils aus und so begannen die Mönche ab 1643 ihr eigenes Bier zu brauen. Als 1648 das dreißigjährige Morden ein Ende findet, ist das Kloster wirtschaftlich am Boden.

Kloster wurde von Pest nicht verschont

1649 wütete noch einmal die Pest im Kloster, von den zwölf Mönchen erliegen ihr zehn, alles andere flüchtet aufs Land und in die Wälder, um der gefährlichen Seuche zu entkommen. Die Gebäude sind herrenlos, versprengte Soldaten legen auch noch einen Brand, der sich ungehindert ausbreiten kann.

So geht das 17. Jahrhundert als eine schreckliche Zeit in die Klostergeschichte ein, aber auch im Kloster St. Veit bewahrheitet sich der Spruch: „Wenn die Not am größten ist...“

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