Quo vadis Niederbergkirchen? Gewerbe oder Wohngegend? Bürgermeister Biedermann gibt Antwort

Andreas Lohr

Aus der Bürgerversammlung: Bauland in Niederbergkirchen ist heiß begehrt, „Am Kirchweg“ bereits ausverkauft. Kollmannseck steht mitten in der Planung, Grundstücke werden aber teurer.

Niederbergkirchen – Rückblick und Ausblick: Von der Kinderbetreuung bis zur Ausweisung neuer Baugebiete – Punkt für Punkt erläuterte Niederbergkirchens Bürgermeister Werner Biedermann bei der Bürgerversammlung im Gasthaus Schützenwirt die wichtigsten Aufgaben der Gemeinde.

„Das Baugebiet Kirchweg ist ausverkauft“, teilte Biedermann mit. Im Baugebiet Kollmannseck werden nach der Satzung die Grundstücke mit Bauauflagen an bauwillige Einheimische bevorzugt abgegeben. Die Preise von 120 bis 250 Euro pro Quadratmeter bezeichnete auch Biedermann als sehr hoch, „aber im Verhältnis zu Nachbarortschaften doch noch günstig“.

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Als Grundstock der Gemeinde nannte er die Gebäude der Feuerwehr, die Schule und Kindergarten und die Turnhalle. Letztere bedürfe einer Sanierung: Witterungsbedingt sei eine Renovierung außen und wegen Wasserschadens dringend auch innen nötig.

Viele Kinder erfordern Kindergarten-Anbau

Im Kindergarten würden 39 Kinder auch mittags betreut, was auch in der Mittagszeit geschieht. EinErweiterungsbau sei unvermeidlich und bereits geplant. Von den erwarteten Kosten von 1,7 Millionen Euro übernimmt die Gemeinde 623 000 Euro.

Die Klassen eins und vier der Grundschule befinden sich im Ort, die Zusammenarbeit mit dem Schulhausförderverein nannte er sehr gedeihlich. Die 2. und 3. Klasse werden in Niedertaufkirchen unterrichtet.

Bürgermeister hält Wasserpreis nicht zu hoch

Druckschwankungen im Trinkwasser machen Kontrollen notwendig, die hohe Kosten verursachen. Das Erstellen eines zweiten Hochbehälters will man vermeiden, indem man in der Reinigungszeit des bestehenden Hochbehälters das Wasser von Neumarkt-St. Veit kauft. Den Wasserpreis hält der Bürgermeister für nicht zu hoch, denn die Pflege des Leitungsnetzes ist kostenintensiv. Den vom Wasserwirtschaftsamt demnächst geforderten Wassermeister will man eventuell mit Erharting gemeinsam anstellen. Das Abwasser laufe jetzt störungsfrei, die Rohre werden alle fünf Jahre überprüft, versicherte der Bürgermeister.

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43 Kilometer gilt es zu erhalten

43 Kilometer Gemeindestraßen sind zu erhalten. Bis 2021 werden weitere Straßen saniert und gebaut. Als nächste Projekte im Straßenbau sollen die Gemeindeverbindungsstraßen „Kinninger Straße“ und die „Eiselhartinger Straße“ saniert werden.

In diesem Zusammenhang betonte Biedermann: Die umfangreichen Aufgaben der Bauhofarbeiter, wozu auch die Pflege der Orts- und Kiesstraßen gehört, können diese dank guter Ausrüstung an Geräten und Maschinen erfüllen.

Die Leistung der Feuerwehrleute lobte und bewunderte Biedermann, weshalb er ihnen immer beste Ausrüstung für ihre lebensrettenden Tätigkeiten versprach.

Breitbandausbau wird noch teuer

Die erste Phase des Breitbandausbaus sei in der 45. Woche abgeschlossen. Die Kosten seien niedriger als zuerst veranschlagt. Die hohen Kosten der zweiten Ausbauphase allerdings müssten beraten werden.

Geschäftsstellenleiter Georg Wagenbauer berichtete vom Haushalt 2018, der mit insgesamt 3,05 Millionen Euro im Vermögenshaushalt abgeschlossen sei. Der Haushalt für 2019 werde mit 3,3 Millionen fast zehn Prozent höher liegen, wobei die Schulden der Gemeinde um über 70 000 Euro auf 270 000 Euro weiter abgebaut wurden.

In seiner Vorschau warnte Biedermann vor übermäßiger Bauland- oder Gewerbegebietserweiterung. „Wollen wir Netto vor der Haustüre oder ruhig wohnen?“, fragte er, um den Liebreiz seiner Heimat besorgt.

Landrat: A 94 macht Landkreis interessant

Landrat Georg Huber regte an, Niederbergkirchen möge mit Nachbargemeinden Wege für gemeinsame Gewerbe- und Wohngebiete suchen, denn durch die Autobahn sei der Landkreis für Gewerbe und Bewohner Münchens sehr interessant geworden, was sich auf die Grundstückspreise auswirken wird. Eine Gemeinde mit so gutem Zusammenhalt wie Niederbergkirchen, die ihr Dorfwirtshaus dank privater und Vereinsinitiative erfolgreich unterhält, sollte zusehen, dass Bauland immer auch für die Jugend zur Verfügung steht.

Nur wenige Fragen der Bürger

Im Anschluss an die Bürgerversammlung kamen nur noch wenige Fragen an Bürgermeister und Landrat.

Josef Schnürerwollte wissen, warum die Grundstückspreise so rapid gestiegen seien. Bürgermeister Biedermann schob die Steigerung auch auf die Auflagen der Behörden zurück, die bei der Erschließung von Baugebieten verlangt würden. „Wir brauchen jetzt zum Beispiel eine Risikoanalyse für Starkregenereignisse, die eventuell 50 oder gar 100 Jahre gelten soll. Der Ankauf von Bauland ist nicht einfacher geworden.“

Andreas Lohrwollte von Bürgermeister Biedermann erfahren, ob irgendwo und irgendwann eine Fläche für die Nahversorgung vorgesehen ist. Der Bürgermeister machte deutlich: „Auf Gemeindekosten werden wir keinen Dorfladen unterhalten.“ Er gab den Zuhörern jedoch eine Anregung mit auf den Weg: Wenn alle die, die einen Dorfladen wollen, selbst dort einkaufen würden und nicht bei Discountern in der Umgebung, dann müsste der Laden trotzdem von einem Verein übernommen werden. Die Schützen würden dies seit Jahren erfolgreich mit dem Wirtshaus machen.

Josef Schnürer

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