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Unser Haus, unsere Gemeinschaft

David Pietzka ist Gründungsmitglied des Vereins AMK: „Anfangs wurden wir skeptisch beäugt“, sagt er. Doch er weiß auch, dass die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigen wird.

Eigene Wohnideen verwirklichen, ohne sich komplett zu verschulden, zugleich Eigentümer und Mieter sein und keine Angst vor Spekulanten haben zu müssen, obendrein ökologisch sanieren und füreinander Dasein. Klingt utopisch? Wie das funktionieren kann, zeigen Wohnprojekte in der Region. Unterstützung gibt es vom „SauRiassl Syndikat“.

Niedertaufkirchen – Eigenheim, Eigentumswohnung oder eben Miete: Dass es neben diesen drei sprichwörtlich festgemauerten Klassikern auch anders geht, hat der Altöttinger Mieter Konvent (AMK/siehe Kasten) gezeigt. Aus dessen Dunstkreis ist das „SauRiassl Syndikat“ entstanden, das Wohnprojekte auch im Landkreis Mühldorf begleitet. „Jeder hat dauerhaftes Wohnrecht, das Sagen hat die Hausgemeinschaft, aber eben auch die Arbeit etwa mit der Buchführung oder den Abrechnungen“, erklärt David Pietzka das Prinzip. Er gehört zu den Gründern des AMK. Bei Fragen, wie so ein Wohnprojekt funktionieren kann, was man finanziell und rechtlich bedenken muss, bekam der AMK Unterstützung vom Mietshäuser-Syndikat, einem bundesweiten Netzwerk, das mittlerweile rund 135 Projekte begleitet.

Mietshaus ist kein Spekulationsobjekt

Das Mietshaus ist kein Spekulationsobjekt mehr – gewinnbringender Wiederverkauf ist ausgeschlossen. Dafür sorgt unter anderem der rechtliche Unterbau: Die Bewohner gründeten den Verein AMK, der Verein wiederum gründete mit dem Mietshäuser-Syndikat zusammen eine GmbH, der das Haus gehört. Längst hat der AMK bewiesen, dass sich auch mit günstigen Mieten solide wirtschaften lässt – langsam, dafür nachhaltig.

„Anfangs wurden wir skeptisch beäugt“, erinnert er sich. Man traute der bunten Gemeinschaft im teils punkigen Outfit wohl eher wilde Partys als eine umfangreiche Haussanierung mit solider Finanzierung und guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu. Mittlerweile ist es ein Vorzeigeobjekt.

Einige Mitglieder des AMK wollen ihre Erfahrungen, angefangen von rechtlichen Hürden über die Organisation bis hin zur Verwaltung, gezielt in die Region tragen und haben dazu einen weiteren Verein gegründet: Das „SauRiassl Syndikat“. Ziel ist es, ein Netzwerk aus solidarischen, ökologischen und gemeinschaftlichen Wohnprojekten in der Region aufzubauen. Denn auch hier im ländlichen Raum ist bezahlbarer Wohnraum, überhaupt Wohnraum, längst ein Thema geworden. Die steigenden Mietpreise in München greifen um sich: „Und wenn die Isentalautobahn erst einmal fertig gebaut ist, wird es sicher nicht besser werden“, so Pietzkas Überzeugung.

Prominentes Projekt des „SauRiassl Syndikats“ im Landkreis Mühldorf ist das ehemalige Verlagshaus in Niedertaufkirchen. Die Wohnfläche beträgt rund 550 Quadratmeter, bei Vollausbau wären es um die 900. Es gibt eine ehemalige Gaststätte sowie Veranstaltungsräume. „Aktuell wohnen zehn Erwachsene und acht Kinder in dem Haus“, erzählt David Pietzka, darunter auch Geflüchtete.

Geplant für 2019 ist neben der Aktivierung der derzeit ungenutzten Flächen die energetische Sanierung inklusive Umstellung von der Ölheizung auf ein modernes ökologisches Heizsystem sowie die Installation einer Fotovoltaikanlage.

Die Finanzierung ist nicht das Problem

Aber erst einmal werden die Mieter einen Mieterverein gründen und zugleich Mitglied im „SauRiassl Syndikat“ werden. Das Syndikat unterstützt die Bewohner bei der Organisation ihrer Selbstverwaltung durch regelmäßige Plena. So konnte kurzerhand ein Gasherd gegen einen Elektroherd ausgetauscht und Mülltonnen den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst werden.

Das Projekt in Niedertaufkirchen sei aber eher untypisch, räumt David Pietzka ein. „Normalerweise geht die Initiative nicht von uns aus, sondern von einer Gruppe, die eine Immobilie sucht, oder eben bereits Mieter sind und ihr Haus übernehmen möchten.“ Es gibt auch Immobilienbesitzer, die an genossenschaftlichen Wohnprojekten Interesse haben.

Die Lebensentwürfe dahinter sind ganz unterschiedlich: „Das kann zum Beispiel jemand sein, der allein in einem großen Sacherl wohnt, aber nicht allein leben möchte.“ Das „Sau Riassl Syndikat“ ist aktuell mit der Beratung von vier weiteren Projekten unterschiedlicher Größe beschäftigt, darunter eines in Polling und eines in Wurmannsquick, ein ehemaliger Blumenladen direkt am Marktplatz.

„Für Spekulanten sind solche Objekte nicht inte ressant, für uns schon“, erzählt David Pietzka. Solche alternativen Wohnprojekte scheitern meist nicht an der Finanzierung, so seine Erfahrung. Um ein Haus kaufen zu können, braucht es ein Darlehen von einer Bank und dafür braucht es wiederum Eigenkapital. In der Regel werben die Vereinsmitglieder unter anderem Direktkredite aus dem Freundes- und Bekanntenkreis ein. Banken und Sparkassen vor Ort waren bislang für solche Ideen nicht offen, dafür aber die sozial-ökologische GLS-Bank, die bundesweit ähnliche Wohnprojekte finanziert. Über die Mieten wird der Kredit getilgt.

Freiheit, um die man sich kümmern muss

Das größere Problem ist die Freiheit, die die Mitglieder gestalten müssen. Wer einziehen darf, was um gebaut wird und auch über die Höhe der Miete entscheidet die Hausgemeinschaft, sprich der Verein. „Wir unterstützen die Gruppen dabei, ihre Ideen umzusetzen, wobei die Gruppen autonom ihre Entscheidungen treffen sollen. Wir suchen keine Mieter aus oder ähnliches.“ Bei Bedarf übernehme man jedoch Verwaltungsaufgaben. „Das Interesse ist auf jeden Fall hoch“, so Pietzka.

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