14 Tonnen im Lager

Tiefkühlware gegen Spende abzugeben: Neumarkter Firma verschenkt Teile ihres Lagerbestands

Pochierte Eier paniert oder panierte Rühreisticks: Damit wollte die Neumarkter den US-amerikanischen Markt erobert. Corona hat diese Pläne erst einmal auf Eis gelegt.Enzinger
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Pochierte Eier paniert oder panierte Rühreisticks: Damit wollte die Neumarkter den US-amerikanischen Markt erobert. Corona hat diese Pläne erst einmal auf Eis gelegt. Foto: Enzinger
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Kein Flugzeugverkehr und Wegbruch des US-amerikanischen Marktes: Wegen Corona ist Ovofit auf 14 Tonnen Tiefkühlkost sitzen geblieben. Vor Ablauf des Verfallsdatum hat sich die Firmenleitung entschlossen, die Lager zu räumen und die Produkte zu verschenken. Profitieren soll davon eine Stiftung.

Neumarkt-St. Veit – Wie viele andere Lebensmittelhersteller ist auch die Firma Ovofit aus Neumarkt-St. Veit sehr stark von der Corona-Krise betroffen. Zu Beginn dieses Jahres wurden noch die Lager mit hochwertigen Tiefkühlprodukten gefüllt. Dann kam der Lockdown und die Neumarkter Traditionsfirma blieb auf ihren Produkten sitzen. Jetzt hat sich die Firmenleitung dazu entschlossen, ihre Waren zu verschenken: „Immer noch besser, als die Produkte zu vernichten“, begründet Geschäftsführerin Margit Kurz-Rothmaier diesen Schritt, den sie mit einer Spendenaktion verknüpft.

Airlines am Boden, Ware lagert seitdem im Kühlhaus

Das Neumarkter Unternehmen Ovofit ist bekannt für die Herstellung von hochwertigen Eierprodukten, wie Rührei oder Omelettes, und beliefert normalerweise McDonald`s Deutschland, Großverbraucher und Airlines. „Aber unser komplettes Airline-Geschäft ist praktisch nicht mehr existent. Ähnlich verhält es sich mit unseren Kunden im Lebensmittelgroßhandel“, schildert die Geschäftsführerin die Situation, in der sich ihre Firma schon seit März befindet.

Rührei-Sticks produziert – dann flatterten die Stornierungen ins Haus

Nicht nur für eine Vielzahl von Fluglinien stellt die Neumarkter Firma Eiprodukte her, hier in erster Linie Omelettes mit unterschiedlichen Füllungen. Zu Beginn des Jahres wagte das Unternehmen den großen Schritt, am US-amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Produkte wie panierte Rührei-Sticks oder pochierte Eier, ebenfalls paniert, waren speziell für die Verbraucher in Übersee entwickelt worden. Die Kühlhäuser waren gut gefüllt, als der Lockdown im März dann sämtlichen Vermarktungsideen einen Riegel vorgeschoben hatte. Die Bestellungen der bereits produzierten Waren seien daraufhin storniert worden. Die Kosten dafür einzufordern schien für Kurz-Rothmaier aber der falsche Weg: „Schließlich wollen wir nach der Krise weiterhin mit unseren Geschäftspartnern zusammenarbeiten!“

Gegenwert der Ware: circa 35 000 Euro

„So lagern unter anderem auch circa 14 Tonnen an hochwertigen Lebensmitteln im Wert von 35 000 Euro, die im Frühjahr für die Airlines produziert wurden und deren Mindesthaltbarkeit im Frühjahr nächsten Jahres ablaufen würden“, erklärt Kurz-Rothmaier. Alles also noch im grünen Bereich. Doch mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen weltweit hat sie inzwischen die Hoffnungen begraben, dass vor allem das Geschäft mit Airlines und Cruiseliner zeitnah wieder anläuft.

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Tiefkühlware gegen Spende

„Um diese tiefgekühlten Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren, möchten wir diese an private Verbraucher verschenken und bitten im Gegenzug um eine freiwillige Spende für kranke Kinder und deren Familien“, erklärt Margit Kurz-Rothmaier ihre Idee. Am Samstag, 28. November, von 9 bis 17 Uhr am Schellenbruckplatz in Eggenfelden und ab Montag, 30. November, von 9 bis 15 Uhr am Betriebsgelände der Firma Ovofit in St. Lorenz hat jeder Interessent die Möglichkeit, mit dem Auto tiefgefrorene Eiprodukte in haushaltsüblichen Mengen abzuholen. „Jeder Abholer kann direkt vor Ort für die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung spenden, die sich seit 1987 für die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern in Deutschland einsetzt“, erklärt Geschäftsführerin Margit Kurz-Rothmaier.

Betrag geht zu 100 Prozent an die Kinder

Die Stiftung betreibt bundesweit 22 Häuser in der Nähe von Kinderkliniken als Zuhause auf Zeit für Familien schwer kranker Kinder. „Der gesammelte Spendenbetrag geht zu 100 Prozent an die Stiftung“, verspricht Kurz-Rothmaier. Bei der Ausgabe der Lebensmittel stehen Sicherheit und die Einhaltung aller Hygienerichtlinien an erster Stelle. Dies bedeutet, dass die Interessenten ganz bequem im Auto sitzen bleiben, ihre Bestellung aufgeben und die tiefgekühlte Ware kontaktlos überreicht bekommen. Dabei tragen die Mitarbeiter von Ovofit entsprechenden Hygieneschutz und achten auf die Einhaltung des Sicherheitsabstands.Sie hofft damit, doppelt Gutes zu tun, sagt die Geschäftsführerin der Firma in Neumarkt-St. Veit, die auf eine fast 50-jährige Firmengeschichte zurückblicken kann.

Größte Krise in der fast 50-jährigen Firmengeschichte

Eine Krise wie die Corona-Pandemie habe sie in all den Jahren nicht erlebt, sagt sie. Der Umsatz im Oktober dieses Jahres betrug nur noch die Hälfte des Vorjahres. Die bis zu 140 Beschäftigten müssen Kurzarbeit in Kauf nehmen, die Produktion wurde zurückgefahren. Erstmals in der Geschichte der Firma stehen in dieser Woche alle sechs Produktionslinien still.

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Alle sechs Produktionslinien stehen still

Doch die Neumarkter Geschäftsfrau bleibt zuversichtlich. Geplante Investitionen in den Betrieb müssen zwar verschoben werden. „Aber wir haben gut gewirtschaftet, können auf ein Polster zurückgreifen kommen.“ Rückblickend auf 2020 stellt sie aber schon jetzt fest: „Es war ein verlorenes Jahr!“

Während des ersten Lockdowns ist der Flugverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen

Die deutschen Flughäfen hatten im Vergleich zum Vorjahr im April und Mai nur noch circa zwei Prozent der Passagiere, wie aus der Statistik des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft für das erste Halbjahr 2020 hervorgeht. Habe der Passagierverkehr an den deutschen Flughäfen 2019 noch ein leichtes Wachstum von zwei Prozent generiert, sei die Entwicklung im ersten Halbjahr 2020 durchweg negativ gewesen. Insgesamt fehlten laut Bundesverband in der ersten Jahreshälfte 66 Prozent der Passagiere an den Flughäfen.

Ein Minus von knapp 98 Prozent

Im März dieses Jahres brach der Verkehr coronabedingt umfassend ein und kam in den Monaten April und Mai mit bis zu 98 Prozent weniger Fluggästen weitgehend zum Erliegen. Die deutschen Flughäfen seien ihrer Betriebspflicht nachgekommen und hätten den Betrieb aufrechterhalten, obwohl alle Einnahmen, unter anderem auch aus dem Betrieb der Einzelhandelsflächen, weggebrochen seien. Dabei erfolgte der Einbruch der Passagierzahlen im ersten Halbjahr gleichmäßig über alle Verkehrssegmente: Innerdeutsch mit minus 66,3 Prozent, innereuropäisch mit minus 67,5 Prozent und interkontinental mit minus 60,4 Prozent.

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