ABBRUCHARBEITEN AM OBEREN TOR

Thaler-Haus ist heute Abend Geschichte

Blick vom Oberen Turm:Für die Abbrucharbeiten musste erst einmal dick aufgekiest werden, damit der Bagger nicht den Asphalt beschädigt. je
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Blick vom Oberen Turm:Für die Abbrucharbeiten musste erst einmal dick aufgekiest werden, damit der Bagger nicht den Asphalt beschädigt. je

Es rattert und knattert, die Erschütterungen spürt man sogar auf dem Straßenasphalt in sicherer Entfernung: Seit gestern wird das Thaler-Haus an der Schmidgasse abgebrochen. Ein Schandfleck verschwindet.

Neumarkt-St. Veit– „Da hätte man doch locker sechs Wohnungen reinbauen können“, schüttelt eine Passantin den Kopf. Ein anderer Zaungast meint hingegen. „Endlich kommt der Schandfleck weg!“ Die Meinungen gehen auseinander, was die Vorgehensweise gegenüber der immer schon umstrittenen Immobilie am oberen Tor betrifft. Doch der Stadtrat hatte Einigkeit gezeigt und einstimmig den Abriss der Bauruine beschlossen, die ursprünglich als Geschäftshaus geplant war, aber nie über den Rohbauzustand hinausgekommen war.

Die weitere Nutzung des Gebäudes war außer Frage gestanden, nachdem ein Einbau von Wohnungen – sechs wären maximal möglich gewesen – geschätzte Kosten in Höhe von rund 620 000 Euro verursacht hätte. Inklusive Nebenkosten war ein Ingenieurbüro sogar auf Kosten in Höhe von einer Dreiviertelmillion Euro gekommen. Diese Investition hätte sich erst in 27 Jahren amortisiert, wie es in einer der entscheidenden Sitzungen des Stadtrats geheißen hatte. Unrentabel. Deswegen dann auch das einhellige Votum für den Abriss. Doch auch die Abbrucharbeiten, die nun von der Firma Huber Baustoff Recycling aus Erharting durchgeführt werden, kosten Geld. Die Angebotssumme für den Abriss hatte sich auf rund 48 000 Euro belaufen.

„Wir mussten zunächst den Dachstuhl zerlegen. Das hat viel Zeit gekostet“, erklärt Matthias Huber die vorbereitenden Arbeiten in der vergangenen Woche. Außerdem musste eine Kiesschicht aufgeschüttet werden, auf der sich der 36 Tonnen schwere Bagger nun frei bewegen kann, ohne den Asphalt zu beschädigen. Gestern morgen dann kam erst der „Specht“ zum Einsatz, um das Gebäude vorsichtig abzutragen. Mit einer sogenannten Abrisszange rückte der Bagger dann den mit viel Eisen durchzogenen Betondecken zu Leibe. „Die Zange hat eine Kraft von circa 150 Tonnen“, erklärt Huber das scheinbar mühelose Vorgehen des Baggers. Ständig wurde das Gebäude gewässert, um die Baustaubbelastung zu minimieren. „Wenn alles gut läuft, sind wir bis Dienstagabend wohl fertig“, schätzt Matthias Huber.

In nichtöffentlicher Sitzung hatte der Stadtrat vor zwei Jahren nach dem geltenden Vorkaufsrecht den Kauf der drei Immobilien – Thalerschmiede, das am Oberen Stadttor angrenzende Geschäftshaus und eben das Geschäftshaus – beschlossen. Ein konkretes Nutzungskonzept für beiden verbleibenden Häuser existiert noch nicht. Nach dem Abriss soll der Platz zunächst begrünt werden. re

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