Tankstellen in Neumarkt-St. Veit haben in der Coronakrise zu kämpfen – Heizölverkauf boomt

Ein bis zwei Meter Abstand:Das gilt auch im Shop der Tankstelle der Familie Bauer. Geschäftsführerin Anita Utzinger (Bild) lässt eine Kollegin, die über 60 Jahre alt ist, nicht mehr im Geschäft arbeiten, um sie vor einer Ansteckung zu schützen. privat
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Ein bis zwei Meter Abstand:Das gilt auch im Shop der Tankstelle der Familie Bauer. Geschäftsführerin Anita Utzinger (Bild) lässt eine Kollegin, die über 60 Jahre alt ist, nicht mehr im Geschäft arbeiten, um sie vor einer Ansteckung zu schützen. privat
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Corona-Krise macht sich an den Tankstellen und in den privaten Heizungskellern in Neumarkt-St. Veit unterschiedlich bemerkbar. Während die Tankstellen mit einer Flaute zu kämpfen haben, können sich Heizöl-Verkäufer vor Aufträgen kaum retten.

Neumarkt-St. Veit – Ausgangsbeschränkung, Homeoffice, Social Distancing – Corona hat das gesellschaftliche Leben zum Erliegen gebracht. Stillstand allerorten. Keine weiten Wege mit dem Auto mehr, das Fahrzeug steht stattdessen in der Garage oder in der Einfahrt. Eine Tatsache, die sich auch an den Tankstellen bemerkbar macht. „Der Umsatz an der Zapfsäule ist um die Hälfte zurückgegangen“, berichtet Anita Utzinger, Geschäftsführerin der Agip-Tankstelle in Neumarkt-St. Veit.

Das Geschäft im Shop "liegt fast bei null"

Dort halten Verkehrsteilnehmer aber nicht nur, um Sprit einzukaufen, sondern sie nutzen auch die Shop-Angebote. Das Sortiment eines Getränkemarktes für spontane Feiern wurde bisher ebenso so gerne in Anspruch genommen wie das Zeitungsangebot oder die Tüte Chips für den gemütlichen Fernsehabend. „Das Geschäft im Shop liegt fast bei Null, auch weil es nichts mehr zu Feiern gibt gerade. Auch das Waschgeschäft steht nahezu still.

Die automatische Waschanlage darf zwar noch in Betrieb sein, die Waschboxen und Staubsauger dagegen nicht mehr“, sagt Utzinger, die die Gründe nachvollziehen kann und auch dafür Verständnis aufbringt, denn die Ausgangsbeschränkung sei schließlich zum Wohl aller. Klar ginge hier Umsatz flöten, „doch es ist für uns immer noch besser als gar nicht aufsperren“, erklärt sie.

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Der Kaffee „To Go“ werde zwar aktuell nicht sehr nachgefragt, wohl aber das Angebot aus dem Backshop von Handwerkern genutzt, die sich auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit nicht nur tanken, sondern sich auch noch eine Brotzeit mitgeben lassen.

60 mal am Tag Händewaschen

Im Shop selbst ist Händedesinfektion Pflicht, auch wegen der Backwaren. „Das heißt: 60 Mal am Tag Händewaschen“, sagt Utzinger. Mittlerweile verwende man auch Handschuhe, um den Kunden bestmöglich zu schützen. Mundschutz sei vorrätig, „allerdings auf freiwilliger Basis. Das kann jeder Mitarbeiter selbst entscheiden!“, fügt Utzinger hinzu, berichtet, dass die Hälfte der Kunden bereits mit Mundschutz den Shop betrete.

Selbst habe die 44-Jährige keine Angst vor dem Corona-Virus, „ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sehr viele daran erkranken werden.“ Doch sei es wichtig, die älteren Teil der Bevölkerung zu schützen. Bei den knapp 20 Mitarbeitern hat man bereits die Konsequenzen gezogen, eine Kollegin, die über 60 Jahre alt ist, sei schon seit drei Wochen zu Hause.

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Dass der Rohöl-Preis zuletzt stark gefallen ist und dadurch auch der Sprit billiger wird – davon profitiert die Tankstelle in der Bahnhofsstraße nur indirekt. „Auf die Preisgestaltung haben wir keinen Einfluss, da unsere Provision an die Verkaufsmenge gekoppelt ist.“ Wird das Benzin billiger, kämen mehr zum Tanken. Dann wirke sich das auch wirtschaftlich aus – unter normalen Bedingungen.

Heizölpreis aktuell 10 Cent unter dem Durchschnitt

Kaum Flieger in der Luft, der Zugverkehr eingeschränkt, viele Unternehmen stehen still. Wo keine Nachfrage ist da fällt der Preis. Das ist zumindest beim Rohöl der Fall. Der Preis sei aktuell günstig, die Heizöl-Tanks in den Kellern vieler Haushalte sind nach dem Winter ohnehin leer und dann kommt auch noch Unsicherheit dazu, welche die Verbraucher dazu bewegt, Heizöl nachzukaufen. Das berichtet Johann Weindl, der in Neumarkt-St. Veit Mineralöl vertreibt.

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Wenn der 56-Jährige von günstigem Heizölpreis spricht, betont er aber: „Man hört jetzt in den Nachrichten, dass der Rohölpreis gefallen ist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch der Preis für Heizöl auf Talfahrt ist.“ Beim Heizöl seien die Versorger mit hohen Fixkosten konfrontiert, so Weindl. Steuer, Fracht, Warenwert – verschiedene Faktoren würden den Preis beeinflussen, der heutzutage ja bequem im Internet abzurufen sei. Wenn der Preis fällt, dann herrsche Hochbetrieb im Unternehmen von Johann Weindl, der sich über zu wenig Arbeit aktuell nicht beschwert.

Warum, liegt auf der Hand. Kostet der Liter Heizöl für gewöhnlich zwischen 55 und 57 Cent pro Liter, liegt er aktuell zehn Cent unter dieser Marke. Immerhin 20 Prozent weniger, was die Leute aktuell ausnutzen, um sich beliefern zu lassen. Oder wie es Johann Weindl ausdrückt: „Heizöl ist das neue Klopapier Deutschlands!“

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