Stefani-Umritt in Erharting: Jeder Heilige hat sein unverkennbares Attribut

Christel Huber mit fleißigen Helfern beim Schmücken des Wagens der heiligen Cäcilie. Furhmann
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Christel Huber mit fleißigen Helfern beim Schmücken des Wagens der heiligen Cäcilie. Furhmann

Gemeinde Erharting bereitet sich für den Stefani-Umritt vor. Bevor am 26. Dezember um 14 Uhr die Kaltblüter mit ihren Rosserern stolz die Wägen mit den Lebenddarstellungen wichtiger Heiliger aus der Bibel ziehen, gibt es für den Brauchtumsverein einiges zu tun.

Erharting –  Die Vorbereitungen für den großen Tag laufen bereits seit Anfang November. Jedes Wochenende ist seitdem Christian Hans, Vorsitzender des Erhartinger Brauchtumvereins, mit den Vereinsmitgliedern und Ehrenamtlichen in der Gemeindehalle in Erharting. Alle sind gerüstet mit Werkzeug, Scharnieren, Schrauben, Ästen und unzähligen Kleinigkeiten, die man zum Schmücken der Wägen braucht.

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Ursprünglich war der Stephanie-Umritt als ein Versprechen dem heiligen Stephanus gegeben, das an seinem Namenstag einen Ritt veranstalten möge, wenn er das Dorf von der Seuche befreie. Das war 1589 und bis 1955 erinnerte sich die Gemeinde an ihr Versprechen und veranstaltete jährlich einen Stefanie-Umritt, bei jedem Wetter, während Krieg oder Epidemien – nichts konnte das Dorf aufhalten.

1981 wurde der Umritt wiederbelebt

Nach 1955 gab es schließlich nicht mehr genügend Pferde. Die Traktoren hatten die Vierbeiner ersetzt und der Umritt geriet in Vergessenheit.

Schließlich erinnerte sich der letzte Vorsitzende des Brauchtumvereins, Josef Vorbuchner, an dieses Brauchtum. 1981 wurde dieser Umritt trotz aller Zweifler von ihm wieder ins Leben gerufen, diesmal mit Pferden aus dem Umland, was dankbar von den Rosserern angenommen wurde. Damals gab es nur vier Wägen, dafür hundert Pferde. Es ist im weiten Umkreis die einzige Gelegenheit, die Pferde segnen zu lassen.

Christian Hans und Leonhard Biermeier veranstalten zu diesem Zwecke vor dem Umritt eine Wallfahrt nach Taubenbach. Dort lassen sie den Hafer weihen, den die Pferde am Stefanieumritt geschenkt bekommen. Taubenbach ist ein alter Wallfahrtsort mit einer gotischen Kirche. Die Erhartinger zogen seit alters her nach Taubenbach, um ihr Getreideopfer zu bringen. In Kopfurnen wird das Getreide als Opfer dargebracht, auch Albanurnen genannt, dem heiligen Alban zu ehren, der seinen abgeschlagenen Kopf zum Altar getragen haben soll, um ihn Gott zu opfern.

Jeder Heilige hat ein Attribut, damit man ihn erkennt

Der heilige Alban wird ebenfalls auf dem Wagen dargestellt. Seinen Kopf trägt er im Arm. So hat jeder Heilige ein unverkennbares Attribut, was ihn auszeichnet und an dem man ihn erkennt. Die heilige Katharina wird an das Rad gebunden, Barbara steht vor ihrem Turm, Josef hobelt einen Holzbalken, die Heilige Familie, unverkennbar mit dem Jesuskind, Cäcilie, die Patronin der Kirchenmusik, dargestellt mit Geige und den Engeln des Himmelchors, nicht zu vergessen, der heilige Stephanus, der gesteinigt wurde: 20 Wägen mit Lebenddarstellungen der Heiligen aus der Bibel werden am Donnerstag, 26. Dezember, durch das kleine Dorf gezogen.

Christel Huber, die die Kleiderausgabe betreut, kennt zu jedem Heiligen die notwendigen Attribute und kleidet die Darsteller dementsprechend ein. Schon im Sommer wird ausgemacht, wer wen darstellen möchte. Für die, die mitmachen dürfen, ist es eine Ehre. Karl Strotzer zum Beispiel, stellt seit 1981 den heiligen Florian dar. Das Häuschen, dass er vor dem Feuer schützt, hat er selbst geschreinert. Auch Mathias Huber hat sich seitdem als Steiniger bei dem Wagen mit Stephanus schon einen Namen gemacht. Jeder hat zu seinem Wagen einen persönlichen Bezug.

Engerl werden später Heilige

„Bei uns werden die Engerl später zu Heiligen“, erklärt Christel Huber lachend, „Jeder, der einmal mitgemacht hat, möchte nächstes Jahr wieder mitmachen und wer aus dem Engelalter entwachsen ist, wird dann als Heiliger gebraucht.“

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