Ein Stammtisch wird 40 Jahre jung: Wenn Frauen für den Erhalt des Wirtshauses im Ort sorgen

In Frauenhaselbacherfreut sich die Frauenrunde auch nach 40 Jahren wachsender Beliebtheit. Männer haben dort nichts zu sagen, schon gar nicht beim traditionellen Frauenfasching, wie auf einer Presse-Einladung zum Fasching 2012 unmissverständlich klar gemacht wurde. Ausnahme: der Pressemann. Enzinger

Sie kommen aus Frauenhaselbach, aus Oberndorf oder aus Wiesbach und sind zwischen 25 und 85 Jahre alt: Die Frauenrunde in Frauenhaselbach hält zusammen und bereichert das Dorfleben. Der Vorstandschaft steht nun eine Verjüngung bevor.

Neumarkt-St.Veit/Frauenhaselbach –In Erharting gibt es einen Wirteerhaltungsverein, auch in Elsenbach – und streng genommen auch in Frauenhaselbach. Dort allerdings sind es nicht in erster Linie die Männer, die dem Wirtshaus die Stange halten. Die Frauenrunde ist es, die seit nunmehr 40 Jahren das Dorfleben bereichern. Dieses kleine Jubiläum feiern sie am Mittwoch, 13. November.

Frischzellenkur im 40. Jahr des Bestehens

„Wir sind ein klassischer Weiberstammtisch“, erklärt Heidi Wimmer, die seit knapp sechs Jahren der Frauenrunde Frauenhaselbach angehört und dafür sorgen will, dass dieser Frauenstammtisch weiterhin eine Zukunft hat. Denn wenn sich die Frauen aus Oberndorf, Wiesbach und Frauenhaselbach morgen um 19 Uhr im Gasthaus Hagenberger treffen, wird nicht nur über die vergangenen vier Jahrzehnte gesprochen. Die Damen werden auch die Weichen stellen, wenn Wimmer als Vorsitzende die Nachfolge ihrer Tante Frieda Kollmannsberger antreten wird.

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Dass dies durchaus Sinn macht, die Frauenrunde in Richtung nächstes Jubiläum zu führen, das zeigen die Zahlen. Wimmer spricht von 40 bis 50 Mitgliedern, die sich – mal mehr und mal weniger – jeden zweiten Mittwoch im Monat zum Stammtisch treffen. Frauen im Alter zwischen 25 uns 85 Jahren, vier Generationen, die sich dann austauschen. Zu Bereden gibt es Vieles: „Wir unterhalten uns über dieses und jenes, tauschen Rezepte aus. Gerade jetzt zur bevorstehenden Weihnachtszeit, wenn das Plätzchenbacken ansteht“, dafür könne man sich gute Tipps der älteren Generation holen, sagt Wimmer.

Solidargemeinschaft steht hoch im Kurs

Ansonsten steht das Dorfleben im Allgemeinen im Vordergrund der Bemühungen der engagierten Damen. Dorffest, Maiandacht, Grillfest, Weihnachtsfeier. Oder wenn die örtliche Feuerwehr zum Patenbitten für ihre Jubiläumsfeierlichkeiten im nächsten Jahr einlädt, am kommenden Wochenende nämlich, sind ebenfalls die Damen der Frauenrunde gefordert. „Man hilft sich gegenseitig“, von einer richtigen Solidargemeinschaft, die das Leben im Dorf aufrecht erhält, spricht Wimmer.

Zur Verjüngungskur kam es in der Frauenrunde vor etwa fünf Jahren. Wimmer war zu einem Treffen gekommen, mit einer Freundin. Beim nächsten Termin seien es schon drei, vier neue Damen gewesen, die sich der Runde angeschlossen hätten. „Das hat sich dann ziemlich schnell auf 15 gesteigert!“

Die Dörfer werden wieder jünger

Dass die Frauenrunde in Frauenhaselbach gerade in jüngster Zeit so viele jüngere Mitglieder angelockt habe, dies liege nach Ansicht Wimmers daran, dass sich die Orte im Außenbereich verjüngt hätten. „Es gibt viele Einheimische, die im Ort geblieben sind, gebaut und Familien gegründet haben. Der Storch ist mittlerweile auch schon häufig über unsere Dächer geflogen“, erklärt sie lachend das Phänomen, dass gerade in dörflich und ländlich geprägten Gegenden der Zusammenhalt einer lebendigen Dorfgemeinschaft nach wie vor vorhanden sei. Die Gemeinschaft wird gestärkt und auch der neue Wirt beim Hagenberger freut sich, zumal es ja auch andere Beispiele von Dörfern gibt, wo alteingesessene Wirtshäuser schließen müssen, weil die Gäste immer weniger geworden sind.

Frauenfaschinglockt die Damen an

Stattdessen herrscht mindestens einmal im Jahr Hochbetrieb im Saal, wenn zum Frauenhaselbacher Fasching geladen wird. Dann pilgern die befreundeten Frauen alle nach Frauenhaselbach, um ausgiebig den Weiberfasching zu frönen – Männern ist der dann Zugang ausdrücklich verwehrt. „Außer dem Wirt, dem Musiker und der Männergarde!“ Kein Wunder: Es heißt ja auch Frauenhaselbach und nicht Männerhaselbach. Jedes Jahr sei das bisher der Fall gewesen, die Veranstaltung hat Kultstatus, wobei Wimmer verrät, dass diese Veranstaltung in Abstimmung mit den Schönberger Frauen zukünftig im Zwei-Jahres-Turnus stattfinden wird, um sie weiterhin interessant zu halten: „2020 sind wir in Schönberg, 2021 wieder bei uns!“

Zunächst aber gilt es – komplett ohne Maskerade – das Jubiläum am Mittwoch zu feiern. Anders als vor 40 Jahren, als sich die Frauenrunde erstmals in der Frauenhaselbacher Kiesgrube getroffen hatte, ist es das Gasthaus Hagenberger, wo die Frauen zusammen kommen, in Erinnerungen schwelgen und mit der Neuwahl den Weg ins nächste Jahrzehnt bereiten. „Neue Gesichter immer willkommen“, sagt Heidi Wimmer. hus

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