Stadtplatzsanierung in Neumarkt: So erklären die Planer die Preise von Klinker und Granit

Grün soll er sein, barrierefrei, eine Aufenthaltsqualität haben und Parkplätze. Ob der Neumarkter Stadtplatz umfangreich oder behutsam saniert wird, entwcheidet am kommenden Sonntag der Bürger.
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Grün soll er sein, barrierefrei, eine Aufenthaltsqualität haben und Parkplätze. Ob der Neumarkter Stadtplatz umfangreich oder behutsam saniert wird, entwcheidet am kommenden Sonntag der Bürger.

Wie dick müssen die Klinkersteine sein? Wie teuer wird die Verlegung? Kommt der Granit für den Stadtplatz tatsächlich aus China? Im Zuge der Diskussionen um die Stadtplatzgestaltung in Neumarkt-St. Veit wird wild spekuliert, unterschiedliche Preisangaben verwirren. Jetzt melden sich die Planer zu Wort.

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit – Konkret geht es um die Preisspanne zwischen Granit und Klinkersteinen, zu dem sich das Planungsbüro „S H L Architekten und Stadtplaner“ äußert. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens hatten Klinkersteine als deutlich günstigere Alternative ins Spiel gebracht. Dr. Christian Guse, Sprecher der Bürgerinitiative, hatte in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk behauptet, dass Klinker mit einem Materialpreis zwischen 35 und 45 Euro pro Quadratmeter deutlich billiger sei als Granit mit 250 bis 300 Euro. Beim Granit berief er sich auf die Aussage von Planerin Christina Lehner, die in einer Bürgerversammlung auf Anfrage diese Preisspanne genannt haben soll. Guse hatte dabei aber nicht erläutert, wie sich der Preis beim Granit konkret zusammensetzt.

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Diese Erklärung liefert jetzt die Planerin: „Mit dem Preis abgegolten sind das Liefern der Natursteinplatten, das Verlegen in der Pflasterbettung und das Verfugen.“ Das Komplettpaket also. Weiter teilt Lehner zur Preisgestaltung in einem Schreiben an die Stadt mit: „Pflasterklinker wurden aufgrund der Stadtratsentscheidung für Naturstein in der technischen Planung nicht weiter verfolgt.“ Die Ermittlung des Gesamtaufbaus von Pflasterklinkerflächen erfordere eine entsprechende planerische Betrachtung, die erfolgen müsste, falls das Thema wieder aufgenommen werde.

Für Pflasterklinker kein Planungsauftrag

Spekulationen machen auch zur Stärke des Pflasters die Runde in der Stadt. Weiterhelfen konnte das Fachbüro Coplan, das in die Planung der Stadtplatzsanierung eingebunden ist. Da aufgrund der vorgesehenen Barrierefreiheit eine Befahrung der Aufenthaltsflächen durch Schwerverkehr – etwa bei Veranstaltungen wie Feste, Märkte oder bei Bauarbeiten an Gebäuden – nicht auszuschließen sei, gehen die Planer von der „Belastungsklasse 1,8“ aus. Dies gelte vor allem für den Plattenbelag aus Granit, der auf den Verkehrsflächen für den Johannesplatz vorgesehen sei.

Aktuelle Informationen rund um die beide Bürgerentscheide finden sie hier:

Sind die Neumarkter für eine moderate oder eine aufwendige Sanierung?

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So argumentiert der Bürgermeister von Neumarkt-St.Veit für das Ratsbegehren zum Stadtplatz

Die Platten-Mindest-Dicke von 100 Millimeter erhöhe sich unter Berücksichtigung der Qualitätsanforderungen auf 140 Millimeter. Die Vorgaben aus denRichtlinien für die Standardisierung des Oberbaus (RStO ) gelten nach Ansicht der fachlichen Stellen analog für Klinkersteine. Es heißt zwar bei Coplan, dass die geläufigen Klinkerstein-Formate in der Regel Dicken von maximal 71 Millimeter aufweisen würden. Aus der Zusammenarbeit mit einem Gutachter, welcher der Stadt bereits 2019 empfohlen worden sei, hat das Planungsbüro für die Stadtplatzsanierung einen Klinkerstein mit einer Dicke von 100 Millimetern als Vergleichsstein herangezogen. Dieser erfüllt auch die Anforderungen der RStO.

Verlegungsweise im Aufwand identisch

Die Initiatoren sehen das allerdings anders. Ihrer Meinung nach tragen Steine der Belastungsklasse 1,0 immer noch niedriges Schwerlastaufkommen, weshalb Klinker unter zehn Zentimetern reichen würden. „Dass hier durch eine Reduktion der Dimensionen Kosten eingespart werden könnten, war schon immer eines unserer Argumente“, teilt Guse mit.

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Zur Verlegung teilt das Planungsbüro mit, dass das Pflaster in „gebundener Bauweise“ vorgesehen ist, also auf einem „Mörtelbett und mit Mörtelfuge. Die Planer berufen sich auf die Aussage eines regionalen Klinkerstein-Herstellers, dass diese Verlegungsweise auch für Klinkerplatten-Beläge möglich wäre. Die baulichen Voraussetzungen unterhalb der Bettung seien gleich, die Verlegungsweise funktional und im Aufwand identisch.

Ergebnis für den Quadratmeter Stein: Klinker 90 Euro, Granit 130 Euro

Das Ergebnis von Coplan: Auf Grundlage von Erfahrungswerten und nach Abstimmung mit einem Sachverständigen betragen die Materialkosten für Granit (Dicke 14 Zentimeter) circa 130 Euro pro Quadratmeter und für Klinkerplatten (Dicke zehn Zentimeter) circa 90 Euro pro Quadratmeter.

Verlegung wird pauschal mit 100 Euro pro Quadratmeter angegeben

Die „neutral angenommenKosten“ für das Verlegen in „gebundener Bauweise“ werden pauschal – sowohl für Klinker als auch für Granit – mit 100 Euro pro Quadratmeter angegeben. Unter Berücksichtigung aller Komponenten ergebe sich am Ende eine Differenz von circa 40 Euro beziehungsweise 20 Prozent, die der Granit teurer käme als die Klinkeralternative.

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