Solarboom im Sonnenland Bayern: Hat unsere Region das Zeug dazu? Niederbergkirchen macht‘s vor

Bürgerkraftwerk Nummer neun: Geschäftsführer Hans Holz (rechts) mit Kaplan Bernhard Häglsperger bei der Segnung der Bürgersolaranlage, die im vergangenen Jahr ans Netz ging.
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Bürgerkraftwerk Nummer neun: Geschäftsführer Hans Holz (rechts) mit Kaplan Bernhard Häglsperger bei der Segnung der Bürgersolaranlage, die im vergangenen Jahr ans Netz ging.

Sonnenstrom ist wieder stark im Kommen. Ministerpräsident Markus Söder hatte angekündigt, dass zukünftig neu erstellte Gebäude mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden sollen. So denkt der Sonnenstrom-Spezialist aus Niederbergkirchen, Hans Holz, darüber

Von Josef Enzinger

Niederbergkirchen/Neumarkt-St. Veit – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den Ausbau der Solarenergie zur Chefsache erklärt. Hatte die Staatsregierung beim Thema Klimaschutz bislang auf Freiwilligkeit gesetzt, soll künftig jedes neu erstellte Gebäude mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden. Die Änderungen sollen schon ab 2021 greifen. „Zu spät ist es dafür nie“, freut sich Hans Holz über diese Nachricht. Der Niederbergkirchener hat schon vor 20 Jahren das Potenzial der Solarenergie erkannt und zehn Sonnenkraftwerke auf den Weg gebracht. Er sagt: Die Solarstromgewinnung bleibt attraktiv und schont langfristig auch den Geldbeutel.

Der FC Bayern der Solarenergie

Wer das Ortsschild von Niederbergkirchen passiert, egal aus welcher Richtung, der erfährt: Die Gemeinde war in der Solarbundesliga ganz vorne dabei. Deutscher Meister 2003 steht auf einem Schild in Sonnenform, Titelträger 2008 bei den Gemeinden zwischen 1000 und 5000 Einwohner. Akribisch hatte Hans Holz Buch geführt, die Flächen an Photovoltaikstrom gemeldet und stets war die Gemeinde vorne dabei.

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Erste Bürgeranlage mit 30 Personen

Das hat einen Grund: Denn unter Federführung von Hans Holz sind seit 2002 zehn Sonnenkraftwerke entstanden, neun davon bezeichnet er Bürgersonnenkraftwerke. „Bürger“ deswegen, weil sich die Niederbergkirchener mit einer Einlage an den Investitionen beteiligen können und von der Einspeisung des regenerativen Stroms profitieren. Das Sonnenkraftwerk auf der Mehrzweckhalle mit einer Leistung von 35,84 Kilowatt/peak war das Pilotprojekt, 30 Bürger hatten sich daran beteiligt.

Zehn Gigawatt Strom pro Jahr

Seitdem folgten neun weitere Kraftwerke, zum großen Teil auf Dächern, die jüngsten Projekte auf einem Hügel beziehungsweise entlang einer Bahnlinie – die mit einer Leistung von 750 kW/peak größte Anlage. Seit April 2019 hängt dieser Solarpark am Netz. Insgesamt eine Leistung von 1,4 Megawatt/peak, addiert Holz zusammen. „Die Gesamtleistung aller Dächer und Freiflächenanlagen beträgt 8,5 Megawatt, das bedeutet einen Ertrag von zehn Gigawatt Strom pro Jahr“, rechnet Holz vor. „Die Anlagen produzieren 3,6 Mal so viel Strom als die Gemeinde verbraucht!“

Dass die Staatsregierung den Ausbau erneuerbarer Energien, von Solarstrom im Besonderen, fördern will, begrüßt Holz. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Staatsregierung die jährliche Höchstgrenze von 30 Projekten auf 70 erhöht. Der Plan sieht nun eine Erweiterung auf 200 vor. Was aber noch größere Aufmerksamkeit von Holz erregt: „Dass für Photovoltaikflächen zukünftig keine Ausgleichsflächen mehr nötig sein sollen. Im Gegenteil: Freiflächenanlagen könnten nach diesen Plänen als Ausgleichsfläche dienen. Und das könnte sich positiv auf das Genehmigungsprozedere seitens der Gemeinden auswirken“, hofft Holz auf entsprechende Entscheidungen in der Regierung. Extensive Landwirtschaft sei eine Möglichkeit, um Freiflächenanlagen zu nutzen. Holz ist Fan von solchen Freiflächenanlagen: „Auf einem Hektar erntet man heute bis zu 1,3 Millionen KWh jährlich. Das reicht für den Privatverbrauch von 1000 Personen!“

Stabile Stromgewinnung durch die Sonne

Für Holz ist klar: Die Stromgewinnung über die Sonne bleibt eine stabile Säule, wenn in den nächsten Jahren Kernkraft- und Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Da bereitet es ihm auch keine großen Sorgen, dass die Einspeisevergütung immer mehr zurückgefahren wird. Die Module werden besser, die Wechselrichter größer und billiger, auch Stromspeicher erfreuen sich wachsender Beliebtheit. „Der Anteil des Eigenverbrauchs kann damit deutlich erhöht werden.“ 30 bis 45 Prozent könne damit abgedeckt werden. Er selbst hat schon seit einigen Jahren so einen Speicher, spricht von einer Autarkiequote von 80 bis 85 Prozent, „je nachdem wie man die Haushaltsgeräte bei Sonnenschein nutzt“. Und wenn man damit auch noch sein Elektroauto betanken kann, spart man sich teuren Sprit an der Tankstelle.

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Holz ärgert, dass bei E-Autos nur von den teuren Premiummodellen gesprochen wird. Die Klein- und Mittelklasseautos würden heute in der „E“-Ausführung nicht mehr als ihre Verbrenner-Kollegen kosten – wenn man sämtliche Beihilfen abzieht. „Berücksichtigt man noch die Einsparungen bei Energie- und Kundendienst, sind E-Autos heute bereits deutlich wirtschaftlicher.“ Die Mehrwertsteuer könne nur der Unternehmer abziehen, von der Drei-Prozent-Kürzung profitiere jeder.

E-Autos sind eine „echte Alternative“

Holz findet: „E-Autos sind eine echte Alternative zum Benziner, weil die Batterien eine immer größere Reichweite haben.“Der Hersteller seines E-Auto gibt eine Fahrleistung von 230 Kilometer an. „Ich bin aber schon über 270 Kilometer gefahren und da wären noch über 20 Kilometer möglich gewesen.“ Klar sei dafür eine defensive Fahrweise von 80 km/h nötig. Für Holz kein Problem: „Es ist ein entspanntes Fahren und ein entspanntes Ankommen!“

Was bringt die Einspeisung?

Strom aus Photovoltaikanlagen wird über die Einspeisevergütung gefördert. Dabei erhält der Anlagenbetreiber eine festgelegte Vergütung für eingespeisten Solarstrom über einen Zeitraum von 20 Jahren garantiert. Die Erlöse einer Photovoltaikanlage können so recht genau prognostiziert werden.Im Juli 2020 liegt die aktuelle Einspeisevergütung bei 9,03 Cent pro kWh bei Anlagen mit weniger als 10 kWp. Für größere Anlagen liegt die aktuelle Einspeisevergütung bei 8,78 Cent pro kWh (Anlagen kleiner als 40 kWp) beziehungsweise bei 6,89 Cent pro kWh (Anlagen größer als 40 kWp). Quelle: Solaranlagen-Portal

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