Smartphone als Retter in der Not

Die Notruf-App: Roland Rauscheder kam die Idee erst nach einem Unfall. Knapp 100000 Euro hat er in die Entwicklung einer Applikation gesteckt. "Wenn wir nur ein Leben retten, hat es sich gelohnt", betont seine Frau Franziska Rauscheder.
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Die Notruf-App: Roland Rauscheder kam die Idee erst nach einem Unfall. Knapp 100000 Euro hat er in die Entwicklung einer Applikation gesteckt. "Wenn wir nur ein Leben retten, hat es sich gelohnt", betont seine Frau Franziska Rauscheder.

Was tun, wenn man nach einem Motorradunfall hilflos im Graben liegt? Roland Rauscheder hat nach eigenen Erfahrungen die Lösung entdeckt: eine Notruf-App.

Niederbergkirchen - Ein Motorradunfall mit glücklichem Ausgang brachte den Stein ins Rollen: Roland Rauscheder aus Niederbergkirchen, Fachlehrer an einer Fleischereimeisterschule, war an einem Sonntag im Mai 2013 mit seinem Motorrad unterwegs, als ihm die Vorfahrt genommen wurde und er im Graben landete. Passiert ist ihm bei dem Sturz nichts, doch Rauscheder wartete danach auch vergeblich auf Hilfeleistung. Dabei war dem 38-Jährigen aufgefallen, dass sich bei seinem Sturz das Kopfhörerkabel von seinem Smartphone gelöst hatte. Er fragte sich: Was, wenn das Smartphone automatisch einen Notruf sendet, sobald das Kabel gezogen wird? Die Idee einer Notruf-App war geboren.

Keine der Notruf-Apps, die der 38-Jährige anschließend bei seinen Recherchen fand, hatten einen Selbstauslöser. Kurzerhand fasste Rauscheder den Entschluss, selbst eine derartige App zu entwickeln. Doch wusste er zu diesem Zeitpunkt nicht, vor welchem Großprojekt er stand.

Alleine, einen Programmierer für die App zu finden, gestaltete sich als schwierig. Bei Softwarefirmen hatte Rauscheder keinen Erfolg, die Auskunft, eine solche App programmieren zu lassen koste zwischen 5000 und 50000 Euro, war dem Niederbergkirchener und seiner Frau Franziska, die ihn bei dem Projekt unterstützt, zu vage. Über einen Bekannten lernte Rauscheder schließlich den Waldkraiburger Programmierer Thomas Rohrbacher kennen. "Er hat sich das Ganze zirka zehn Sekunden überlegt", erinnert sich Rauscheder an das positive Treffen mit dem Programmierer. Nach einigen Monaten hatte Rohrbacher die iOS-Version der App fertiggestellt. Das Elektronikunternehmen Apple prüfte die App auf Herz und Nieren - insbesondere in Bezug auf den Datenschutz - und gab schließlich das Okay.

Rauscheder gibt zu, dass er das Projekt nicht in Angriff genommen hätte, wenn er zu Beginn geahnt hätte, was auf ihn zukommt - auch finanziell. Denn: Die Kosten betragen inzwischen rund 97000 Euro. "Die Gewerbeanmeldung war das Billigste, die hat 50 Euro gekostet", scherzt Rauscheder. Große Kostenfaktoren waren etwa das technische Equipment, allen voran der Server für die App. Außerdem hat sich Rauscheder seine Idee weltweit schützen lassen. Nicht für die App an sich, aber für den Auslösemechanismus via Kabelzug hat er ein weltweites Patent angemeldet.

Inzwischen haben Roland Rauscheder und seine Mitstreiter eine weitere App entwickelt. "iNeedU" hat ähnliche Funktionen wie "iHelpU", sendet aber keinen Notruf an ein Callcenter, sondern übermittelt eine Nachricht an eine Kontaktperson. Die Entwickler dachten dabei insbesondere an Kinder, die in einer Notsituation schnell ihre Eltern kontaktieren möchten. Diese App gibt es derzeit für iOS, eine Version für Android-Betriebssysteme wird gerade programmiert.

Beide Apps sind kostenpflichtig, "iNeedU" kostet einmalig 2,69 Euro, "iHelpU" kostet 6,99 Euro im Jahr. Roland Rauscheder betont jedoch, dass sich der Preis in erster Linie durch die Kosten ergibt. So gingen bei der iOS-Version alleine 40 Prozent des Preises an Apple. Außerdem muss die jährliche Gebühr der Notruf-App "iHelpU" die Kosten für das Callcenter decken. Ob sie ihre eigenen Kosten decken und sich die App-Idee irgendwann finanziell vielleicht sogar lohnt, wissen Roland und Franziska Rauscheder nicht. Aber: "Wenn wir nur ein Leben retten, hat es sich gelohnt", betont Franziska Rauscheder.

Im Moment sind Roland Rauscheder und seine Mitstreiter auf der Suche nach Kooperationspartnern. Unter anderem suchen sie nach einer Firma, die etwas entwirft, mit dem man das Kabel an einem Motorrad befestigen kann, damit es sich im Falle eines Sturzes garantiert vom Smartphone löst. Außerdem würden die Rauscheders gerne Firmen für das Projekt gewinnen, die die App ihren Mitarbeitern zu Verfügung stellen möchten. "Eine große Betriebskrankenkasse" sei bereits daran interessiert, ihren Versicherten die App zu bezahlen, erzählt Franziska Rauscheder. is24

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