Sieben ehemalige Neumarkt-St. Veiter Stadträte ziehen Bilanz

Die ausscheidenden Stadträtewaren auch bei den Wadlbeißer-Auftritten im Fasching immer wieder Thema: Nach seinem Rückzug als Breitbandpate wurde Reinhard Fuchs (links) von Dieter Gruber (rechts) besonders geehrt. Von einem „Fuxit“ war 2018 die Rede. Enzinger/Jaensch
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Die ausscheidenden Stadträtewaren auch bei den Wadlbeißer-Auftritten im Fasching immer wieder Thema: Nach seinem Rückzug als Breitbandpate wurde Reinhard Fuchs (links) von Dieter Gruber (rechts) besonders geehrt. Von einem „Fuxit“ war 2018 die Rede. Enzinger/Jaensch

Wenn am Freitag in Neumarkt-St. Veit die neue Legislaturperiode beginnt, werden neun Mitglieder der „alten Garde“ fehlen. Maximilian Heimerl wechselt auf den Landratsstuhl.Zweiter Bürgermeister Michael Asbeck trat nicht mehr an. Die weiteren sieben scheidenden Stadträte ziehen teilweise kritisch Bilanz.

Von Karlheinz Jaensch

Neumarkt-St. Veit– Wenn am 1. Mai die erste Amtsperiode des im März gewählten Stadtrates von Neumarkt-St. Veit beginnt, werden bei der noch festzulegenden konstituierenden Sitzung neun Mitglieder der „alten Garde“ fehlen. Acht davon sind „Neulinge“, während Georg Wimmer aus Stein, nach sechsjähriger Pause, als kommunalpolitisches Urgestein wieder dabei sein wird.

Von den ausgeschiedenen Mitgliedern berichtete der Neumarkter Anzeiger bereits über den zweiten Bürgermeister Michael Asbeck. CSU-Stadtrat Maximilian Heimerl tauscht den Stadtratsplatz gegen den Landratsstuhl und wird seine Amtszeit zu anderer Zeit kommentieren. Hier sind die Gedanken und Erinnerungen der ausscheidenden Stadträte, die ihre Arbeit gerne und auch recht erfolgreich erfüllten.

In der einen Legislaturperiode, in der Stephanie Neumeier (CSU) Mitglied des Stadtrates war, gehörte dem Bauausschuss an. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit setzte sie in die Familien, Senioren, Vereine und in den gesamten Außenbereich. „Die Arbeit im Stadtrat habe ich sehr genossen und nehme viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen mit.“ Ihr sei es von Anfang an sehr wichtig gewesen, mit allen Mitgliedern parteiunabhängig gut zusammenzuarbeiten, und das ist es auch, was sie dem neuen Stadtrat wünsche: ein positives und erfolgreiches Miteinander. „Denn wie sagt ein afrikanisches Sprichwort: Allein geht man zwar schneller, aber zusammen geht man weiter!“

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Vor sechs Jahren hat Martina Huber(UWG) das erste Mal für ein Amt im Stadtrat kandidiert. „Die Beweggründe waren damals die Neugier auf die Arbeit eines Stadtrates und die Weiblichkeit im Außenbereich sollte dort vertreten sein.“ Nach sechs Jahren sagt sie: Durch ihre Mitwirkung im Bauausschuss und Stadtrat habe sie Einblick bekommen über die vielfältigen und oftmals auch aufwendigen Tätigkeiten, die die Stadtverwaltung für die Bürger leistet. „Manche Außenstehende sehen meist nur das Ergebnis oder beschweren sich sogar vorab, warum manche Vorhaben nicht gleich und sofort umgesetzt werden können. Sie sehen aber nicht den enormen bürokratischen Aufwand, der oftmals im Vorfeld zu tätigen ist, oder das Verwalten der dazu notwendigen finanziellen Mitteln!“

Bedauern über verzögerte Stadtplatzentscheidung

In den letzten sechs Jahren sei die Breitbandversorgung im Außenbereich zu einem wichtigen Thema geworden. „Ich selbst, wie auch viele andere, arbeite zur Zeit überwiegend im Homeoffice und ich bin froh, dass wir jetzt eine gute Verbindung haben!“ Auch das Home-Schooling finde überwiegend über das Internet statt, „es funktioniert bei uns und hoffentlich auch in vielen anderen Haushalten einwandfrei“.

Schade findet sie, dass die Neugestaltung des Stadtplatzes nicht beginnen konnte. „Was aber angesichts der momentanen Situation zweitrangig geworden ist.“

Viel Einsatz für die Breitbandversorgung

Reinhard Fuchs (CSU), 44 Jahre, kam 2008 in den Stadtrat. „Von Anfang an war mir die Breitbandversorgung wichtig. Hier war 2008 noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Mit der Zeit sei aber überall die Erkenntnis gewachsen, dass dies ein wichtiger Standortfaktor sei. „Heute bin ich froh einen Beitrag geleistet zu haben, dass in Stadt und Land durch gute Internetverbindung Homeoffice und Videokonferenzen möglich sind. Wie wichtig das ist, haben wir gerade in den letzten Wochen durch Corona erfahren!“

Ein weiteres Steckenpferd war die erneuerbare Energie. „Hier gibt es noch unglaublich viel Potenzial für Neumarkt Sankt Veit. Gerade wir als flächenmäßig große Gemeinde haben hier zahlreiche Möglichkeiten!“ Fuchs spricht von Wärmenetzen mit Hackschnitzel aus der Region, Photovoltaik oder Windkraft.

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CSU profitiert von Verschiebung

Als schwieriges Thema bezeichnet Fuchs auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung im nördlichen Gemeindegebiet. „Durch die nicht immer fair geführten Diskussionen lernte ich auch den Umgang mit solchen Situationen, was sich auch im beruflichen Umfeld als sehr nützlich erwies.“ Während Fuchs den Diskurs innerhalb der CSU stets als lösungsorientiert und konstruktiv beschreibt, bezeichnet er die Zusammenarbeit mit dem Stadtoberhaupt als „nicht immer so harmonisch“. Für ihn sei das auch der Grund gewesen den Posten als Referent für Breitband und erneuerbare Energie aufgrund mangelnder Unterstützung seitens der Stadt aufgegeben.

Die letzten beiden Amtszeiten seien anstrengend, aufregend, interessant und lehrreich gewesen. „Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.“

Oft einstimmige Ergebnisse wegen guter Vorbereitung

Nur eine Legislaturperiode war Irmi Eigl, (UWG), 73 Jahre, im Stadtrat vertreten, bekleidete das Amt der Kulturreferentin. „Sechs Jahre, die ich als Mitglied des Stadtrates und da wiederum im Finanzausschuss tätig war, gaben mir Einblick in die Arbeit unseres Bürgermeisters und der Verwaltung für unsere Stadt.“ Als Kulturreferentin habe sie vor allem ein Ohr für die Vereine gehabt und dabei Jahreshauptversammlungen und auch Veranstaltungen besucht. „Im Bereich meiner Möglichkeiten setzte ich mich dann auch für sie ein. Diese Aufgaben habe ich als Kulturreferentin gerne wahrgenommen.“ Nach sechs Jahren im Stadtrat sagt Eigl, dass sie das große Engagement, das Hintergrundwissen des Bürgermeisters und das harmonische Einvernehmen mit seinen Mitarbeitern bewundere. Sie lobt auch die Verwaltung: „Durch die guten Vorbereitungen fielen die Abstimmungen bei den Sitzungen größtenteils einstimmig aus.“

Nachbarschaftshilfe soll weitergehen

Franz Göhl, (UWG), 72 Jahre, gehörte 18 Jahre lang dem Neumarkt-St. Veiter Stadtrat an. Seine besonderen Aufgaben sah er neben dem Einsatz in verschiedenen Ausschüssen vor allem im sozialen Bereich. So war er von Beginn an im Hauptschul-, später Mittelschulausschuss tätig. Ab 2008 sei seine wichtigste Aufgabe dann die Tätigkeit als Betreuungsbeauftragter und Seniorenreferent gewesen. „Hier galt mein Augenmerk den Informations- und Betreuungsbedürfnissen der älteren Generation.“ Besonders wichtig war ihm, durch Präsenz immer Ansprechpartner zu sein sowie Kontakte zu beratenden und begleitenden Stellen sowie Diensten anzubahnen. Diese galt es dann auch aufrecht zu erhalten. „Ich hoffe, dass die vielfältigen Aufgaben für Senioren, gerade die schon angegangenen großen Projekte – wie die Nachbarschaftshilfe – in diesem Sinn mit Herzblut und nicht aus politischem Kalkül weitergeführt werden.“

Steinbach möchte die Zeit nicht missen

„Ich möchte diese 30 Jahre im Stadtrat nicht missen!“, da muss Emil Steinbach (UWG), 70 Jahre, nicht lange überlegen. 1990 war er als Letzter auf unserer Liste in den Stadtrat gewählt worden. Er erinnert sich: „Es war Rudi Berghammers zweite Amtsperiode als Bürgermeister!“ Insgesamt war Steinbach 24 Jahre Jugendreferent, „und da gab es in den Anfangsjahren mit dem Turm viele Einsatzstunden“. Die gesamten 30 Jahre war Steinbach im Finanzausschuss vertreten. Seine Tätigkeit für die Stadt ging aber über den Stadtrat hinaus, Steinbach engagierte sich auch in vielen Vereinen. „Gerne hätte ich es noch gesehen, wenn sich Störche bei uns auf der Stadtapotheke angesiedelt hätten und die beiden Kreisverkehre ein Blumenmeer geworden wären.“ Meist sei es im Stadtrat harmonisch gewesen. „Ab und zu mal ein Streit. Aber das ist ja bei so einem Haufen normal. Er gibt zu: Die Arbeit im Stadtrat wird ihm fehlen, „aber 30 Jahre sind genug“.

Drei Perioden im Stadtrat

Drei Perioden gehörte Werner Kitschke (UWG) als Mitglied dem Neumarkter Stadtrat an. Als Sozial- und Familienreferent unterstützte er vielen benachteiligte Familien, Flüchtlinge und Rentner: „Vielen waren mit dem Schriftverkehr der Behörden überfordert und wandten sich an mich.“ Auch auf der Suche nach Wohnraum nutzte Kitschke seine vielen Beziehungen zu caritativen Organisationen. „Diesen Personenkreis werde ich aber selbstverständlich weiterhin unterstützen!“ Sein Wunsch als Mitglied des Bauausschusses: „Dass der Stadtplatz so aufgebaut wird, wie wir es gemeinsam beschlossen haben. Er jedenfalls möchte die zurückliegenden 18 Jahre nicht missen. „Das gute Einvernehmen mit meinen Stadtratskollegen war mir sehr wichtig!“

Emil Steinbach: „„Ab und zu mal ein Streit. Aber das ist ja bei so einem Haufen normal.“

Stephanie Neumeier: „Die Arbeit im Stadtrat habe ich sehr genossen und nehme viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen mit.“

Franz Göhl: „Ich hoffe, dass die vielfältigen Aufgaben für Senioren mit Herzblut und nicht aus politischem Kalkül weitergeführt werden.“

Martin Huber: „Ich arbeite zur Zeit überwiegend im Homeoffice und ich bin froh, dass wir jetzt eine gute Verbindung haben!“

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