Wo sich sonst Vereine treffen, lauscht diesmal nur Benno Hubensteiner als stummer Zuhörer

Auf dem Weg zum Eisessen noch kurz Blasmusik gelauscht:Sepp Eibelsgruber intonierte „Mein Heimatland“ und ließ ein“Prosit“ folgen. Rosmarie Bibinger, langjährige Bedienung auf dem Neumarkter Volksfest,lauscht interessiert zu.

Kein Neumarkt-St. Veiter Volksfest, kein Standkonzert der Blaskapelle: Sepp Eibelsgruber greift vor dem Herzoglichen Kasten trotzdem zur Trompete, um Corona den Marsch zu blasen

Neumarkt-St. Veit – Mai 2019: Große Aufregung am Hubensteiner Brunnen, unmittelbar vor dem Volksfestauszug. Der Bürgermeister mit Amtskette, die frisch gekürte Weißbierkönigin stellt sich vor. Die feschen Bedienungen verteilen die Blumensträuße und die jungen Kicker von der Fußballabteilung warten auf den Auszug: So sieht das für gewöhnlich aus, wenn in Neumarkt-St. Veit an Pfingsten das Volksfest beginnt. Gestern jedoch – gähnende Leere. Der in Bronze gegossene Benno Hubensteiner blickt verträumt in Richtung Johanneskirche und plötzlich doch Trompetenklang.

+++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

„Mein Heimatland“ tönt es über den leeren Benno-Hubensteiner-Platz, als Solist ließ es sich der Musemoaster Sepp Eibelsgruber nicht nehmen, im entsprechenden Ornat dem Corona-Virus den Marsch zu blasen. Ein Radfahrerin applaudierte im Vorbeifahren, die Büchereileiterin klatschte zurückhaltend aus dem Herzoglichen Kasten heraus.

Das könnte Sie auch interessieren:

Ob‘gsogt is! Kein Oktoberfest: Enttäuschung, aber auch Verständnis bei heimischen Musikern

Zwischen Bayern-Hymne und Pessimisten-Polka: Corona macht den Musikanten schwer zu schaffen

Und Rosmarie Bibinger hat sogar einen anderen Kur eingeschlagen, als sie die Trompetentöne gehört hatte. Eigentlich war sie mit ihren Enkelkindern unterwegs zum Eisessen. Aber als langjährige Bedienung des Neumarkter Volksfestes blieb sie dann doch kurz stehen, um ein paar Takten zu lauschen. Ihre vier Enkelkinder äußerten sich zweigespalten zum Volksfest, das es 2020 nicht geben wird. Die jüngeren vermissen die Fahrgeschäfte, der Älteste war ganz froh: „Da spar ich mir eine Menge Geld!“

Ein Ständchen – auch für sich selbst

„Schade, dass es heuer nichts wird mit dem Volksfest. Aber es kommen sicher wieder bessere Zeiten“, ist sich der leidenschaftliche Musiker sicher, der nicht nur an das Volksfest erinnerte, sondern sich damit selbst zum 52. Geburtstag gratulierte. Darauf mit einer Maß Bier anzustoßen, wäre natürlich eine Schau gewesen am Freitag. In Ermangelung eines Volksfestes gönnte sich der Musemoaster als Alternative dann eben einen Erdbeerkuchen in Herzform.

Kommentare