Reisen bis nach Schottland

Selbst ist der Mann: Der Neumarkter Joachim Obergaulinger ist leidenschaftlicher Sattler

Der „Sattler:“ Joachim Obergaulinger bereitet den Forellenfaden für die Naht am Gürtel vor.
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Der „Sattler:“ Joachim Obergaulinger bereitet den Forellenfaden für die Naht am Gürtel vor.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Vom Autodidakten zum Spezialisten: Inzwischen stellt der begeisterte Reiter die Pferdeausrüstung selbst her. Um es zur Perfektion zu bringen reist der Neumarkter sogar bis nach Schottland

Neumarkt-St. Veit – Arbeiten mit Holz – das ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Auch der Neumarkt-St. Veit Joachim Obergaulinger hat irgendwann die Drechslerei für sich entdeckt. Sein handwerkliches Geschick dient ihm aber auch bei der Ausübung eines weiteren Hobbys: Er ist auch leidenschaftlicher Sattler.

Feinarbeit in Holz und Leder

Zuerst fand er Freude an der Holzarbeit. Als er nämlich vor sieben Jahren Holzpfosten für ein Balkongeländer drechselte, gefiel ihm die Arbeit mit dem Material so gut, dass er nicht mehr davon lassen konnte. Immer feinere Sachen drechselte er, bis er dieses Handwerk nahezu perfekt beherrschte. Dabei entstanden Schüsseln und Schalen, Teller und Kerzenständer, Holzkugeln – und schließlich drechselte er Kugelschreiber und Holzbleistifte. Weil seine Produkte sehr dekorativ wirken, gestaltete er, vor allem mit seinen Stiften, Ausstellungen und meldete ein Kleingewerbe an.

Pokale im Springreiten

Joachim Obergaulinger ist aber auch ein leidenschaftlicher Reiter, der Pokale im Springreiten und in der Dressur vorweisen kann. Da kommt es häufig vor, dass am Lederzeug der Pferdeausrüstung Ausbesserungen oder Erneuerungen fällig werden. Auch hier wollte er immer schon alle Arbeiten selbst machen. Dabei stellte er fest, wie vorher beim Holz, dass Leder ein wunderbares Material ist, um damit zu arbeiten.

Alles aus Leder, alles selbstgemacht: In filigraner Handarbeiten entstehen bei Joachim Obergaulinger auch Taschen.

Halfter und Sattelgurt sind selbtsgemacht

Anfangs gefiel ihm das Rindsleder besonders. „Es ist sehr stabil, dabei leicht zu verarbeiten und auch sehr vielseitig“, erklärt er. Obergaulinger erforschte selbst, was man mit solchen Materialien machen kann. Zunächst schuf er selbst Sachen für Pferde, wie etwa Trense und Zaumzeug. „Bei meinem Pferd verwende ich jetzt selbstgemachte Halfter und einen Sattelgurt“, bekennt der filigrane Bastler stolz. Zwischenzeitlich verfeinert er seine Techniken auch mit anderen Ledersorten. Er verarbeitet dicke Leder für Zaumzeug, dünne, weiche Sorten zum Polstern.

Auf dem „Nähross„ entstehen die filigranen Arbeiten

In seiner Freizeit sitzt er auf seinem selbstgefertigten „Nähross“ und schneidet mit dem Halbmondmesser die Leder zurecht. Mit der Schwertahle sticht er die Sattlernaht vor, ehe er den Faden von beiden Seiten durchsticht. Mit dem geflochtenen „Forellenfaden“ sieht ein Ledergürtel eben nach echter, stabiler Wertarbeit aus. So entstehen feine Handtaschen, schwere Motorrad- oder Satteltaschen, Ledergürtel, viele Reiterutensilien und Dekorationsteile. Bei schweren Taschen kommen auch schmückende Nieten zum Einsatz.

Er kennt die Gerbereien, von denen er sein Leder bezieht

Auch beim Leder bildet Obergaulinger sich weitgehend selbst weiter. Und natürlich kennt er die Gerbereien, in denen er sein wertvolles Material bezieht. Schließlich soll es auch nur das Beste sein, beispielsweise, wenn für an seinem Sattel arbeitet.

Auch ein eigener Sattel ist bereits in Arbeit

Es drängt sich die Frage auf: Was ist mit dem eigenen Sattel? „Der ist schon fertig“, antwortet Gaulinger verschmitzt. „Dafür habe ich eigens einen Kurs für Lederverarbeitung in Schottland besucht. Beim Sattel ist die richtige Passform sehr wichtig. Da muss ich mich erst noch weiterbilden, bevor ich in dieser Richtung aktiver werde.“ Der eigene Sattel ist bereits in Arbeit. Bislang allerdings steht er lediglich als Ausstellungsstück bei ihm daheim. Gut Ding braucht eben Weile.

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