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SCHWIERIGSTE UNTERRICHTSBEDINGUNGEN

Schulen haben schon Kriege überstanden: Egglkofener Erinnerungen an die Zeit vor 75 Jahren

Maria Huber (links) als Schulmädchen mit ihren Freundinnen. Während des Krieges wurden sie zum Teil in Privathäusern unterrichtet. Jaensch
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Maria Huber (links) als Schulmädchen mit ihren Freundinnen. Während des Krieges wurden sie zum Teil in Privathäusern unterrichtet. Jaensch
  • Karlheinz Jaensch
    VonKarlheinz Jaensch
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So schwierig wie in der Corona-Pandemie, den Unterricht an Schulen aufrecht zu erhalten, war es zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Eine Frau aus Egglkofen erinnert sich an diese Zeit.

Neumarkt-St. Veit – Zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es schon einmal einen ungewöhnlichen Schulbetrieb mit schwierigsten Unterrichtsbedingungen. Unterrichtsausfälle wurden durch Bombenalarme und zerstörte Häuser ausgelöst, auch Lehrermangel und fehlendes Unterrichtsmaterial führten zu heute kaum vorstellbaren Verhältnissen.

In der Einflugschneise der Bomber

Zeitzeugen, die das Kriegsende und den Neuanfang in Egglkofen als Schüler erlebt haben, werden ihre Erinnerungen wohl bis zum Lebensende nicht vergessen: Egglkofen hatte einen Bahnhof in Schulhausnähe und lag gleichzeitig in der Einflugschneise der amerikanischen Bomber, die von Süden her die bayerischen Städte bombardierten.

Abstürze und Notlandungen 1944

Als im Spätherbst 1944 amerikanische Bomber und deutsche Jagdflieger auch über Egglkofen kämpften, kam es zu Abstürzen und Notlandungen. Das Schulhaus wurde deshalb geschlossen und der Unterricht fand für kleine Gruppen in Privathäusern statt. „Vom Dezember 1944 an hatte jede Gruppe nur einmal in der Woche Unterricht in privaten Wohnstuben, wohin Schüler und Lehrer hingingen.“, berichtet Maria Huber. „Es gelang mir, mich in eine zweite Gruppe reinzuschmuggeln. Es war ja sonst so langweilig..“

Diese Lesebücher wurden sichtlich viel gebraucht

74 Kinder waren in einer Schulklasse

Auf den Schulwegen mussten die Kinder sogar vor Tieffliegern in Deckung gehen. Liese Schmaußer weiß noch, „dass wir uns entweder in den Straßengraben warfen oder in die Kapelle verschwanden.“ Diese Schülerin wohnte in Piesenkofen, wo ganz nahe neben ihrem Gehöft ein Flugzeug in den Boden stürzte. An dieses Erlebnis erinnert sie sich heute noch mit Schrecken.

Ab Mai 1945 hatten die Amerikaner das Sagen

Ab 2. Mai 1945 hatten die Amerikaner in Egglkofen das Sagen. Maria Huber schreibt darüber: „Sie stellten schnell die Schwestern wieder als Lehrerinnen ein, die von den Nazis 1937 entlassen worden waren. Die Lehrbücher wurden zu Altpapier gestampft und der Unterricht in den Fächern Geschichte, Erdkunde, Biologie, Rassenkunde, Vererbungslehre und verwandter Fächer verboten.“

Vom Frühjahr bis zum 24. September 1945 fand überhaupt kein Schulbetrieb mehr statt. Dann begann der Unterricht zuerst für die Klassen eins bis vier, am 22. Oktober für die Klassen fünf bis acht, aber ohne Hilfsmittel. Schwester Leone unterrichtete 74 Kinder in der Klasse eins und zwei. Schwester Liwarda die Klasse drei bis acht mit 153 Kindern in drei Abteilungen über den ganzen Tag verteil. Wobei man im Winter den Kindern mit weitem Heimweg (beispielsweise nach Harpolden) schon früher am Nachmittag freigab.

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Nur Bücher von 1926 waren erlaubt

Nur Bücher von 1926 durften verwendet werden. Die Militärregierung ordnete deren Nachdruck an. „Wir schauten bis zu vier Schüler in ein Buch,“ schildert Maria Huber, „denn es gab ja kaum welche. Schultafeln und Griffel waren ebenso Mangelware wie Hefte.“ Lehrer Vilsmeier aus Teising erbettelte bei seinen Schwestern im Schreibwarengeschäft den Griffelbruch.

Wenige Kinder hatten Schuhe, aber einen langen Schulweg. Geheizt wurde der Klassenraum mit einem Kanonenofen. Das Holz dazu brachten die Kinder mit. Die Lehrer bestimmten Schüler als Heizer, damit auch Schuhe und Kleider im Winter trocknen konnten.

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Improvisation war unumgänglich

Und die Lehrer waren Künstler im Improvisieren. Sie malten sich ihr Unterrichtsmaterial selbst, differenzierten geschickt die Schüler aller Jahrgänge in der Klasse, „die nicht über 50 sein sollte“. Letzteres aber blieb für viele noch lange ein unerfüllbarer Wunschtraum. Wie in Egglkofen, so sah es damals in der ganzen Republik aus. Die gegenwärtig doch recht guten Lebens- und Schulbedingungen wurden auch von der Generation geschaffen, die jahrelang unter „unmöglichen“ Gegebenheiten zu lernen lernte. Die Hoffnung, dass die jetzige Schülergeneration die Schäden durch Corona wieder gutmacht, ist nicht unberechtigt.

Schulmusem – Öffnung nicht vor Mai

Einen Einblick dazu liefert das Schulmuseum in Neumarkt-St. Veit, das in unserer Region einzigartig ist in der Vielfältigkeit ihrer Exponate. Mit den sinkenden Corona-Inzidenzzahlen – der Richtwert ist eine zahl von unter 100 – besteht zunehmend Hoffnung, dass sich die Pforten zum Musem im dritten Stock des Rathauses Schloss Adlstein bald wieder öffnen. Für gewöhnlich ist das im Mai der Fall, wie Bürgermeister Erwin Baumgartner auf Anfrage bestätigt. Doch selbst bei erfolgter Öffnung müssen sämtliche Hygienerichtlinien befolgt werden. Das heißt, neben der Erfassung der Kontaktdaten dürfte nur eine begrenzte Personenzahl ins Museum, es besteht Maskenpflicht und auch der Mindestabstand zu anderen Personen muss mit 1,5 Metern gewährleistet sein.

Anschauungstafeln malten sich die Lehrer selber.
Im Winter kamen Kinder mit Holzschuhen, die am Ofen trocknen durften
Maria Huber sorgt als Museumsleiterin dafür, dass altes Wissen nicht in Vergessenheit gerät. Bezirkstagspräsident Josef Mederer (rechts) hatte ihr 2016 für ihr Engagement die Bezirksmedaille überreicht.

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