Täter in der Fotofalle

Schon wieder Mammutbaum mitgehen lassen – doch diesmal hat es in Oberscherm „klick“ gemacht

Mit Taschenlampe und Fahrradhelm mitten in der Nacht unterwegs: Der Dieb im knapp 4000 Quadratmeter großen Grundstück von Sepp Petermeier hat es auf die Mammutbäume abgesehen. privat/Jaensch
+
Mit Taschenlampe und Fahrradhelm mitten in der Nacht unterwegs: Der Dieb im knapp 4000 Quadratmeter großen Grundstück von Sepp Petermeier hat es auf die Mammutbäume abgesehen. privat/Jaensch
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
    schließen

Zum dritten Mal hat ein nächtlicher Dieb einen seltenen Baum im Garten von Sepp Petermeier in Neumarkt-St. Veit mitgehen lassen. Der war jedoch darauf vorbereitet und hatte schon nach dem letzten Klau eine Kamera installiert. Petermeier ist nicht der einzige Geschädigte. Auch Gärtner Michael Lächele beklagt einen Diebstahl.

Neumarkt-St. Veit – Die Mammutbäume von Sepp Petermeier erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Binnen der vergangenen vier Monate hat der Hobbygärtner aus Oberscherm, gemeinde Niedertaufkirchen, zweimal einen Blauen Mammutbaum nachgepflanzt, weil ihm das Nadelgehölz zuvor frech vom Grundstück gestohlen worden war. Jetzt hat es auch die dritte Anpflanzung erwischt: In der Nacht auf den 17. September ist der besondere Baum gestohlen worden. Doch diesmal hatte Petermeier vorgesorgt – und vorher eine Infrarot-Kamera installiert.

Um 4.32 Uhr schlägt der Unbekannte zu

Auf mehreren Bildern ist zu sehen, wie ein schlanker Mann um 4.32 Uhr mit Fahrradhelm und Taschenlampe in der Hand über das Grundstück flaniert und einen Baum nach dem anderen begutachtet.

„Er hat offensichtlich geschaut, welcher Baum sich am leichtesten entfernen lässt. Ja, und dann hat er zugeschlagen.“

Botanischer Langfinger steht auf Mammutbäume

Wieder ist es ein blauer Mammutbaum, der das Interesse des Diebes auf sich gezogen hatte. Der dritte, der Opfer eines botanischen Langfingers geworden ist. Petermeier ist sich sicher: Es handelt sich um denselben Mann.

Tags darauf habe er zwar Wache geschoben, in der Hoffnung, dass der Dieb weiterhin seinen Waldbestand dezimiert und er ihn auf frischer Tat ertappt. „Aber diesmal ließ er sich nicht blicken“, bedauert Petermeier. 100 Euro hatte er in die Kamera investiert in der Hoffnung, der Mammutbaumdieb wäre darauf zu erkennen. „Er ist auch bis auf fünf Meter herangekommen, ohne die Kamera zu entdecken.“

Auch Gärtner Lächele vermisst drei Bäume

Aber alles, was man zum dreisten Dieb sagen könne, ist, dass er offensichtlich mit dem Rad gekommen ist. Schuhe und Hose seien mit Reflektoren ausgestattet gewesen. Petermeier ist nicht das einzige Opfer des nächtlichen Baumliebhabers.

Sepp Petermeier nimmt es mit Humor.

Auch der Neumarkt-St. Veiter Gärtner Michael Lächele berichtet über Verluste aus seinem Baumbestand bei Teising. In der gleichen Nacht sei ihm eine Säuleneibe im Wert von 80 Euro, eine Toskana-Zypresse für 40 Euro und eine Zuckerhutfichte, ebenfalls im Wert von 40 Euro, gestohlen worden.

Selbst Bewegungsmelder haben den Dieb nicht abgeschreckt

„Wer bitteschön ist so dreist und betritt ein Privatgrundstück, um Bäume zu klauen?“, sagt Michael Lächele, der nicht fassen kann, wie frech der Dieb vorgegangen ist.

Frech auch deswegen, weil er auf dem Gelände seiner Gärtnerei Überwachungskameras und Bewegungsmelder hat. Schilder weisen auf die Überwachung hin. „Das hat den Dieb aber nicht gestört“, sagt Lächele.

In erster Linie seien es säulenartige Gewächse, die das Interesse des Baumdiebes geweckt haben. Lächele erinnert sich an eine verdächtige Radfahrerin, die ihn vor gar nicht langer Zeit aufgesucht habe und sich detailliert über Wachstum und Pflege von Bäumen, wie sie ihm nun gestohlen worden sind, informiert hatte. „Das war schon eigenartig damals.“

Auffällige Radfahrerin mit Akzent

Auch Petermeier berichtet von einer Radfahrerin mit Akzent, die ihn umfassend über die besonderen Bäume auf seinem Grundstück ausgefragt habe. Ob da ein Zusammenhang besteht? Die beiden wollen dies jedenfalls nicht bestreiten.

Den ersten Diebstahl hatte Petermeier noch angezeigt

Den ersten Diebstahl im Mai dieses Jahres hatte Petermeier noch bei der Polizei angezeigt, den zweiten Verlust – knapp zwei Wochen später – dann nur noch telefonisch gemeldet. Nach wenigen Wochen habe sich die Polizei zurückgemeldet mit dem Hinweis, dass die Suche nach einem Täter eingestellt worden sei.

Bild in die sozialen Netzwerke eingestellt

Das Bild, das Petermeier jetzt aufgenommen hat, hat er bereits in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Die Hoffnung, auf diese Weise Hinweise zu erhalten, ist eher klein, „aber vielleicht schreckt es ihn ja ab“.

Lächele hat ebenfalls reagiert, alles in seine Glashäuser geräumt, weil er es den kleptomanischen Baumliebhaber schwerer machen will.

Bullterrier „Pako“ soll‘s richten

Außerdem setzt er jetzt auf die bellende Abschreckung. Bullterrier „Pako“ darf ab sofort nachts raus, kommt an die lange Leine. In der Hoffnung, dass der Vierbeiner einen Übergriff auf Toskana-Zypresse und Zuckerhutfichte in Zukunft verhindern kann.

Kommentare