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„Schönkirchen“ als Kompromiss

Alle Wegeführen nach Schönberg? Nicht ganz. Der Pfarrverband ist zwar nach der Gemeinde Schönberg benannt. Die Verwaltung hat ihren Sitz allerdings in Oberbergkirchen. Das war der Kompromiss, der der Gründung des Pfarrverbandes vor 20 Jahren zugrunde lag. je

Keine einfache Geburt, als vor 20 Jahren der Pfarrverband Schönberg gegründet worden ist. Schließlich galt es nicht nur fünf Pfarreien unter einen Hut zu bringen. Es gab durchaus Konflikte, etwa bei der Namensgebung des neuen Zusammenschlusses. Heute lachen die Pfarrangehörigen darüber – und Harmonie ist Trumpf.

Schönberg – „Es ist laut zugegangen damals. Bei der ersten Versammlung gab es keinen Sitzplatz mehr. Die Gründung eines Pfarrverbandes hat natürlich viele interessiert“, erinnert sich Simon Eder aus der Pfarrei Lohkirchen an jene Versammlung in Aspertsham. Vertreter der fünf Pfarreien hatten sich getroffen, um über ihre Zukunft unter einem gemeinsamen Verband zu diskutieren. Die Pfarreien aus Lohkirchen, Aspertsham und Haunzenbergersöll hatten sich zurückgehalten. Ein Konflikt hatte sich aber zwischen Oberbergkirchen und Schönberg entzündet, als es um die Bezeichnung des Pfarrverbandes ging. „Es stand sogar ,Schönkirchen‘ als Kompromiss im Raum“, sagt Eder Kopf schüttelnd.

Damals wollte niemand nachgeben: „Jeder hatte Angst um seine Pfründe.“ Am Ende ist man sich aber einig geworden: Schönberg sollte der Pfarrverband heißen, Sitz der Verwaltung sollte Oberbergkirchen sein. Heute können alle über den holprigen Start schmunzeln. Denn in 20 Jahren ist der Pfarrverband zu einer harmonischen Einheit zusammengewachsen. „Pfarrer Paul Janßen ist das Kunststück gelungen, das alles zusammenzuführen“, sagt Anneliese Angermeier, Ex-Pfarrgemeinderätin in Schönberg. Zustimmendes Nicken der Vertreter der anderen Pfarreien, neben Simon Eder aus Lohkirchen Pfarrverbandsvorsitzende Christine Gossert, Pfarrsekretärin Anneliese Reichl, Otti Reiter aus Aspertsham und Haunzenbergersölls Kirchenpfleger Georg Reiter, die sich im Pfarrhof Oberbergkirchen getroffen haben. Die Gedanken gehen zurück ins Jahr 1997. Pfarrer Paul Janßen war gerade nach Schönberg gekommen, nachdem Franz-Xaver Schwaiger in den Ruhestand gegangen war. Er war auf sich alleine gestellt, denn in Oberbergkirchen gab es seit dem Tod von Franz Kopp seit 1988 keinen Pfarrer mehr. Erhard Blassauer, der seit 1963 die Pfarreien Lohkirchen und Aspertsham betreut und sich Chancen auf die Führung des Pfarrverbandes ausgerechnet hatte, kehrte dem Landkreis den Rücken zu. „Zwei Gockerl auf einem Mist. Des taugt nix“, soll er bei seinem Abschied gesagt haben, Christine Gossert erinnert sich noch genau daran.

16 Jahre war Janßen auf sich allein gestellt und hat es dennoch geschafft, einen homogenen Pfarrverband zu formen, bis er 2013 nach Trostberg wechselte. Der Pfarrverband Schönberg stand plötzlich ohne Pfarrer da – ein ganzes Jahr lang Priestermangel. Die fünf Pfarreien wurden der Administration des Pfarrverbandes von Neumarkt-St. Veit und der Leitung von Franz Eisenmann unterstellt.

Die damalige Entscheidung, den Pfarrer – zunächst ersatzlos – abzuziehen, hat wohl auch damit zu tun, dass die damaligen Pastoralreferentinnen Marianne Kaltner (1997 bis 2003) und Claudia Stadler (2003 bis 2014) Wortgottesdienstleiter ausgebildet hatten, die seitdem dafür sorgen, den Bedarf an Messfeiern abzudecken. Pro Pfarrei eine Werktagsmesse und am Wochenende drei Eucharistiefeiern und zwei Wortgottesfeiern in allen Pfarreien im regelmäßigen Wechsel. Das Konzept habe sich etabliert. „Und an jedem fünften Wochenende im Monat gibt es einen Pfarrverbandsgottesdienst in Schönberg. Und das kommt gar nicht so selten vor“, erläutert Simon Eder den gegenwärtigen Gottesdienstplan, der keine Pfarrei zu kurz kommen lässt. Umso weniger kann es Eder verstehen, wenn die Christmette, etwa in Lohkirchen, nicht gut besucht ist. „Diesmal waren es so wenig wie noch nie – bei 700 Gläubigen in Lohkirchen. Dann brauchen sie auch nicht schimpfen, wenn keine Gottesdienste stattfinden.“

Schwach besuchte Gottesdienste – das Stichwort für Michael Brüderl, der nicht lange um den heißen Brei herumredet, wenn es um die Zukunft des Pfarrverbandes geht: „Man muss auf die Entwicklung der Gesellschaft blicken. Es wird wohl nicht zu erwarten sein, dass die Kirche irgendwann wieder doppelt so voll sein wird.“ Es gelte, den Glauben und das Glaubensleben aufrecht zu erhalten. Die ständigen Wechsel seien dafür nicht förderlich, unterbricht ihn Kirchenpfleger Georg Reiter. Damit meint er vor allem die Stellen der Seelsorger. 2013 war Josef Fegg als Pfarrvikar gekommen, danach Michael Brüderl, der seit 2016 seinen seelsorgerlichen Dienst im Pfarrverband Schönberg verrichtet. Eigentlich auf zwei Jahre befristet. Doch Brüderl konnte erreichen, dass er ein Jahr dranhängen darf.

Was danach kommt, weiß niemand. Das schafft Frust in einem Pfarrverband, den Senioren am Laufen halten. „Wir sind mitten im Rentenalter“, sagt Otti Reiter. Eder spricht sogar von „Aktivsenioren“ und „Veteranen“, die in der Kirchenverwaltung tätig sind und viel Aufwand betrieben hätten, um Sanierungen in Kirche, Pfarrhof oder Pfarrheim umzusetzen.

Dass Pfarrverbände ein Jahr ohne eigenen Pfarrer auskommen müssen, dafür hat Brüderl Verständnis: „Bevor einem Verband mit 15 000 Gläubigen ein Seelsorger fehlt, zieht die Diözese eben einen dort ab, wo es nur 2800 sind“, wie es in Schönberg der Fall gewesen sei. Es sei deswegen der richtige Schritt, die Verwaltung zukünftig externen Leitern zu übertragen. So würde nicht nur er als Pfarrer entlastet, sondern auch die Seelsorger Bettina Raischl und Elisabeth Naurath, die das Leben in den Pfarreien unterstützen. Probleme gebe es im ehrenamtlichen Bereich: „Es ist schwer geworden Organisten zu bekommen“, nennt Brüderl nur ein Beispiel. Ohne Organist gebe es oft auch kein Chor – das alles hängt zusammen.

Umso mehr freut es ihn, dass es in Lohkirchen gelungen sei, einen Projektchor mit Firmlingen aufzustellen. Junge Leute, die sich für die Pfarrei engagieren. Das sehe er an der großen Anzahl an Ministranten sowie an den Landjugenden, die vor allem den Begriff „Zusammenhalt“ prägen. Unter diesen Voraussetzungen könne man zuversichtlich in die Zukunft blicken. Man dürfe nur nicht die Hände nicht in den Schoß legen.

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