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INNOVATIVER LANDWIRT im Rennen um CeresAward

Schönberger mit revolutionärer Idee im Finale: Pflügen und säen in einem Schritt

Seine Plug-Sä-Kombination ist revolutionär. Tüftler Mathias Maier aus Schönberg wurde damit für den CeresAward nominiert. Timo Jaworr/CeresAward
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Seine Plug-Sä-Kombination ist revolutionär. Tüftler Mathias Maier aus Schönberg wurde damit für den CeresAward nominiert. Timo Jaworr/CeresAward
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Kommt der Landwirt des Jahres aus Schönberg? So weit will Mathias Maier nicht denken. Er hat es im Rennen um den CeresAward in die Runde der letzten Drei geschafft. In der Kategorie Ackerbauer ist der 40-Jährige nominiert worden, eine revolutionäre Pflug-Sä-Kombination soll die Juroren überzeugen.

Schönberg – Mathias Maier ist ein Landwirt der neuen Generation, ein Tüftler, der sich in den vergangenen Jahren viele Gedanken darüber gemacht hat, wie man die Landwirtschaft ökonomischer gestalten könnte. Herausgekommen ist eine Pflug-Sä-Kombination, die nicht nur Arbeitsschritte reduziert, sondern auch noch die Bodenqualität verbessert. „Pneumatisches Säen“ nennt Maier das Ergebnis einer technologischen Weiterentwicklung, die es ermöglicht, Saatgutgranulate in unterschiedlicher Tiefe auszubringen.

Zwischenfrucht in verschiedenen Tiefen

Das Prinzip: Durch einen an der Fronthydraulik angebauten Tank wird das Saatgut mitgeführt. Von diesem führt ein Schlauch zum Anbaubock des Pfluges, der an der Oberseite mit zwei Verteilpilzen ausgestattet ist. Von den Verteilpilzen führen Schläuche zum Pflugkörper. „Während ich den Acker pflüge, kann ich in einem Arbeitsgang Bodenbearbeitung und Saat kombinieren“, erklärt Maier.

Vorne der Tank und hinten der Pflug

Das Besondere an der Eigenbaulösung: zwei Tanks, einen für kleinere, feinsamige Saaten und einen für grobkörnigere Leguminosen. Die Technologie ermöglicht es damit, die Zwischenfrucht in unterschiedliche Tiefen zu säen. Schattenkeimer wie Bohnen, Erbsen kommen über diese Technik in einen tieferen Saathorizont als Lichtkeimer wie Senf oder Phaselia. Die Zwischenfruchtmischungen sorgen für besseren Erosionsschutz in seiner maisbetonten Region. Und sie fördern die Humusbildung.

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Weniger Überfahrten und Kraftstoffeinsparung

Auf den ersten Blick ist es Zeitersparnis, die die Kombination der beiden Arbeitsschritte mit sich bringt. Aber es gibt laut Maier weitere Vorteile: „Es sind weniger Überfahrten auf dem Boden, man spart also Kraftstoff, hat einen niedrigeren Maschinenaufwand und einen minimalen Verschleiß.“ Der Landwirt verweist auch auf den reduzierten Bodendruck und die optimale Gewichtsverteilung. Und dann argumentiert er mit der Wassereinsparung. Denn jeder Arbeitsgang führe zur Verdunstung – in Trockenjahren, wie 2018 eines war, sei dies von größtem Wert.

Würdigung von Professor der TU München

Erfreut ist der Schönberger darüber, dass seine Entwicklung das Interesse der Technischen Universität in München geweckt hat. Mit Maiers System können „einfach und bodenschonend ökologisch breit strukturierte Zwischenfruchtsaatgutmischungen auf der Fläche etabliert werden“, würdigt Professor Dr. Heinz Bernhardt vom Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik den Erfindungsgeist. Mehrere entscheidende Ansätze greift der Professor hervor: Der Anbau von Zwischenfrüchten sei eine wichtige ackerbauliche Maßnahme zur Reduzierung der Erosionsgefahr, er diene der Verbesserung der Wasseraufnahmefähigkeit der Böden und verhindere den Austrag von Nährstoffen, was wiederum das Bodenleben fördert.

Wir versuchen den Forderungen, welche die Gesellschaft heute an die Landwirtschaft stellt, so weit wie möglich gerecht zu werden.

Mathias Maier

Studenten der Hochschule Weihenstephan haben über die Pflug-Sä-Kombination sogar eine Studienarbeit angefertigt.

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Selbsterzeugtes Eiweißfutter

Maier ist aber nicht nur Tüftler. Fachlich und ökonomisch optimiert er seinen Familienbetrieb im Bereich Ackerbau, Grünland, Mastbullen und Forsten. „Wir versuchen den Forderungen, welche die Gesellschaft heute an die Landwirtschaft stellt, so weit wie möglich gerecht zu werden. Wir setzen kein Glyphosat ein, erledigen den Pflanzenschutz situationsgebunden oder verhindern aktiv die Bodenerosion, auch mithilfe der selbst gebauten Pflug-Sä-Kombination. Und wir verfüttern selbsterzeugte Eiweißfuttermittel“, betont Maier, der hofft, dass seine Pflug-Sä-Kombination auch die Jury beeindruckt.

Bei der Kür sind nicht Höchstleistungen entscheidend

Entscheidend für den Sieg sind nicht Höchstleistungen auf dem Feld oder im Stall, „sondern beste wirtschaftliche Ergebnisse bei gleichzeitiger Berücksichtigung bäuerlicher Unternehmertugenden wie Mut, Ideenreichtum und Verantwortungsbewusstsein für Mensch, Tier und Natur“, heißt es bei dem Fachmagazin Agrarheute, das den CeresAward vergibt. Zehn Jurorenteams besuchten und beurteilten die Finalisten im Laufe der vergangenen Monate auf ihren Höfen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zusammengesetzt sind die Jurorenteams aus je einem Fachredakteur, einem Repräsentanten eines Fachverbandes sowie einem Vertreter des jeweiligen Kategorie-Sponsors. Neben dem Gesamtsieger, dem Landwirt des Jahres, werden Sieger in den zehn Einzelkategorien Ackerbauer, Energielandwirt, Biolandwirt, Junglandwirt, Rinderhalter, Schweinehalter, Geflügelhalter, Manager, Unternehmerin und Geschäftsidee ausgezeichnet. Am 11. März ermittelt das Fachmagazin Agrarheute im Rahmen des CeresAward den besten Ackerbauern des Jahres 2020.

„Pneumatisches Säen“: Mit seiner Entwicklung kann Maier gleichzeitig pflügen und säen.

Im Finale stehen drei Ackerbauer

Ins Finale geschafft haben es in der Kategorie Ackerbauer neben Mathias Maier auch Ernst Lütje aus Wasbüttel und Stefan Leichenauer aus Tengen-Uttenhofen. Ernst Lütje leistet Pionierarbeit mit einer tropischen Pflanze: in der Heide kultiviert er wärmeliebende Süßkartoffeln, die der Landwirtschaftsmeister aus dem Kreis Gifhorn vermarktet. Ziel ist es, die Höfe breit aufzustellen und ein hohes Maß an Spezialisierung zu erreichen. Insgesamt bauen die Gesellschafter auf 612 Hektar Getreide, Raps, Rüben, Mais, Zwiebeln und rund 90 Hektar Kartoffeln an, davon sind allein vier Hektar Süßkartoffeln.

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Mitbewerber setzt auch Direktvermakrtung und Nachhaltigkeit

Stefan Leichenauer versucht die Erzeugnisse seines 145-Hektar-Hofs direkt zu vermarkten. Seinen E-Weizen verkauft er zum Beispiel an eine benachbarte Mühle. Bei den Fleischrindern kooperiert er mit einem Metzger vor Ort, seinen Dinkel vermarktet er an einen regionalen Nudelhersteller, für seine Sommergerste sucht er eine Brauerei. Seine Flächen liegen nicht unbedingt in einer Gunstregion. Auch deswegen setzt er auf Nachhaltigkeit.

Der Sieger kämpft um den Titel „Landwirt des Jahres“

Gewinnt der Schönberger Mathias Maier die Runde dieser letzten Drei, kommt er ins Finale und hat Chancen „Landwirt des Jahres“ zu werden.

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