B15neu: Mühldorfer Kreisrat will Bürger an Entscheidung beteiligen - Ideen für Verlauf Richtung Rosenheim

Das Thema einer neuen Bundesstraße durch den Landkreis bot vor sechs Jahren bereits Zündstoff. Jetzt entfacht Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer die Diskussion von Neuem. Er sorgt sich um die Gemeinden an der B299, die unter der zu erwartenden Verkehrslast leiden könnten und bringt die Entlastung durch eine neue B15 wieder ins Spiel.
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Das Thema einer neuen Bundesstraße durch den Landkreis bot vor sechs Jahren bereits Zündstoff. Jetzt entfacht Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer die Diskussion von Neuem. Er sorgt sich um die Gemeinden an der B299, die unter der zu erwartenden Verkehrslast leiden könnten und bringt die Entlastung durch eine neue B15 wieder ins Spiel.
  • Josef Enzinger
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Kann eine neue Schnellstraße von Nord nach Süd für eine Verkehrsentlastung im Landkreis sorgen? Aus diesen Gründen will Alfred Lantenhammer die raumgeordnete Trasse nicht aufgeben

Schönberg/Mühldorf – Die CSU-Fraktion im Mühldorfer Kreistag möchte am liebsten die Planungen einer B 15 neu im Landkreis zu den Akten legen und stellt im Rahmen einer Resolution dieses Anliegen in der Kreisausschusssitzung am kommenden Dienstag zur Abstimmung. CSU-Kreisrat und Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer hat dazu die größten Bedenken, befürchtet einen Verkehrskollaps im Landkreis und will in dieser Entscheidung die Bürger mit ins Boot nehmen: Er hat einen Antrag für ein Ratsbegehren zur B 15 neu eingereicht.

Lantenhammer befürchtet Kollaps

Obertaufkirchen hat abgelehnt, Schwindegg will keinen Durchgangsverkehr vor der Haustüre haben und auch Buchbach hat sich seinerzeit gegen die raumgeordnete Trasse einer B 15 neu gestellt: Das haben die Gemeindevertreter zum Teil durch die Erneuerung von entsprechenden Beschlüssen klar gemacht.

Verkehr nimmt zu, befürchtet Lantenhammer

Diese Gemeinden sind es, an denen die raumgeordnete Trasse vorbeiführen würde, die Schönbergs Bürgermeister wieder zur Diskussion stellt. Wenn der Kreisausschuss über den Resolutionsentwurf abstimmt, der die „realistische Verbesserung der Straßenverbindungen zwischen Landshut und Rosenheim beziehungsweise Freilassing/Salzburg“ zum Thema hat, dann will Lantenhammer ein Ratsbegehren dagegen stellen. „Weil ich befürchte, dass der Verkehr nach Fertigstellung der Ostumfahrung von Landshut stark zunehmen wird und unsere Verkehrsadern überstrapazieren könnte!“

B 299 ist schon jetzt überlastet

Lantenhammer beruft sich auf Pläne und Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren der Umfahrung Landshut-Ost-Süd, „die sehr deutlich zeigen, dass die B 299 Richtung Vilsbiburg-Neumarkt-St. Veit-Mühldorf schon jetzt überlastet ist“. Die B 299 habe laut Lantenhammer aktuell mehr als das doppelte Verkehrsaufkommen im Vergleich zur B 15 bei Altfraunhofen.

Lantenhammer befürchtet Verkehrszunahme von 45 Prozent

Ortsumfahrungen der Gemeindebereiche von Egglkofen und Niedertaufkirchen (Stetten) könnten zwar für Linderung sorgen. Doch befürchtet Lantenhammer, dass diese Entlastung nur von kurzer Dauer sei, wenn nach der geplanten Fertigstellung der Landshuter Ost-Umfahrung der Verkehr weiter zunimmt. Er beruft sich auf Verkehrszählungen und Prognosen, wonach von einer Zunahme des Verkehrs um 45 Prozent zu rechnen sei, der die B 299 vollends überlasten würde.

Lantenhammer betont, dass die prognostizierten Verkehrszahlen eine kreuzungsfreie, vierspurige Straße zwischen Landshut und der A 94 rechtfertigen würden.

„Ja“ zur B 15 neu – aber nur bis zur A 94

Und hier bringt Lantenhammer den bereits raumgeordneten Korridor der B 15 neu ins Spiel. Sein Vorschlag: Entlang dieser Linie, beginnend an der Umfahrung Landshut Ost über die raumgeordnete Trasse nach Geisenhausen, Velden, Buchbach bis nach Obertaufkirchen soll die B 15 neu dann zur A 94 führen. Alles südlich davon soll gestrichen werden, stattdessen die bestehende B 15 von Dorfen aus ausgebaut mit einer Ortsumfahrung von St. Wolfgang und anschließend über Haag und die B 15 nach Rosenheim fortgeführt werden. Lantenhammer spricht von knapp neun Kilometern, die durch den Landkreis Mühldorf führen würden, „bei diesem Vorschlag hätte jeder Landkreis einen Teil der Verantwortung zur Verkehrsverbesserung auf der B 15 zu tragen.“

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Platzhaltertrasse könnte wieder aktuell werden

Der Schönberger Gemeindechef erinnert seine Kreistagskollegen an einen Kreistagsbeschluss vom April 2015, die raumgeordnete Variante sei damals nicht ausgeschlossen worden. Wenn die B 15 neu nun aber zu den Akten gelegt wird, befürchtet er, dass die vor fünf Jahren heftig diskutierte Platzhalter-Trasse über Oberbergkirchen-Ampfing-Heldenstein wieder aktuell werden könnte.

Kritik an die politisch Verantwortlichen

Lantenhammer betont auch, dass es die Staatsregierung seinerzeit versäumt habe, den Steilpass der Landkreise Erding und Mühldorf aufzunehmen, sich für eine Trasse zu entscheiden. Stattdessen habe man die Verantwortung auf die Bezirksregierungen und die Landkreise zurückverlagert. Nachdem die politisch Verantwortlichen in den höheren Bahnen „augenscheinlich nicht fähig sind, eindeutige Entscheidungen herbeizuführen“, habe er die Möglichkeit eines landkreisweiten Bürgerentscheides ins Spiel gebracht. „Mein Vorschlag ist ein landkreisweiten Bürgerentscheid über die B 15 neu zeitgleich in den Landkreisen Erding, Landshut und Mühldorf abzuhalten in Form eines Ratsbegehrens!“

Tatales Signal für die Nachbarlandkreise?

Ein ziemlich unpopulärer Antrag – das weiß der langjährige Schönberger Bürgermeister und ehemalige stellvertretende Landrat des Landkreises Mühldorf. Doch Lantenhammer sorgt sich um Kompromisse, die in der Vergangenheit mit den Entscheidungsträgern anderer Landkreise errungen worden seien. Wenn der Landkreis Mühldorf nun einen Stopp sämtlicher Planungen für eine Trasse durch den Landkreis forderte, sei dies ein fatales Signal an den Landratskollegen in Erding. Lantenhammer sieht die Gefahr, dass die für die Landkreise Mühldorf und Altötting wichtige Verkehrsprojekte, wie der zweigleisige Ausbau der die „Walpertskirchner Spange“ blockiert werden könnten.

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Stefan Mooshuber: „Eine Ertüchtigung bestehender Infrastruktur ist sinnvoller!“

Lantenhammer stößt mit seinem Antrag für ein Ratsbegehren nicht gerade auf Zustimmung in seiner Fraktion, das bestätigt deren Sprecher Stefan Mooshuber. Dieser stellt sich hinter der Resolution der CSU, erachtet den Ausbau der bestehenden Infrastruktur entlang der B 299 und der B 15 als sinnvoller. „Eine Ertüchtigung der bestehenden Straßen, dann auch mit Überholspur, erfordert minimalen Flächenverbrauch, wäre die naturverträglichere Lösung“, findet Mooshuber. Ortsumfahrungen, etwa bei Egglkofen, würden stattdessen die Ortschaften entlasten.

Der Bau einer neuen B 15 würde Jahrzehnte dauern

Und was Mooshuber am wichtigsten ist: Der Ausbau wäre zeitnah umzusetzen, „auf jeden Fall schneller als der Bau einer komplett neuen Straße, auf der vielleicht meine Enkel mal fahre!“ An diesem Punkt kritisiert Mooshuber die Pläne Lantenhammers. Denn der Bau einer B 15 neu würde Jahrzehnte dauern. Die Verkehrsentlastung, wie von Lantenhammer gewünscht, greife dann erst spät.

Mooshuber verteidigt Ausbaubestrebungen

Überhaupt findet der Flossinger CSU-ler: „Die Verkehrszuwachsprognosen sind Kaffeesatzleserei. Ich persönlich denke, dass wir den Zenit erreicht haben.“ Er vertraue auf die Digitalisierung und eine damit verbundene intelligentere Verkehrsführung. „Wenn mein Navi zäh fließenden Verkehr ankündigt, hab ich schon jetzt die Möglichkeit, rechtzeitig eine Alternativstrecke zu wählen!“

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