Schnell, schneller, Oberbergkirchen: Gemeinde setzt beim Breitbandausbau komplett auf Glasfaser

Stellten alledie Pionierarbeit der Gemeinde Oberbergkirchens in den Vordergrund ihrer Aussagen, von links: Innenstaatssekretär Stephan Mayer, Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber, Dr. Hermann Rodler von M-net, Bürgermeister Michael Hausperger, Dr. Anette Schumacher von der Agentur „atene KOM“ und Sabine Salzberger, die im Rathaus Oberbergkirchen das langwierige und zähe Verfahren begleitet hat. Dabei habe sie bei aller berechtigter Kritik immer als „charmante Insistenz“ die Interessen der Kommune vertreten, wie Dr. Marcel Huber beim ersten symbolischen Spatenstich für die Baumaßnahme betonte. Enzinger
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Stellten alle die Pionierarbeit der Gemeinde Oberbergkirchens in den Vordergrund ihrer Aussagen, von links: Innenstaatssekretär Stephan Mayer, Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber, Dr. Hermann Rodler von M-net, Bürgermeister Michael Hausperger, Dr. Anette Schumacher von der Agentur „atene KOM“ und Sabine Salzberger, die im Rathaus Oberbergkirchen das langwierige und zähe Verfahren begleitet hat.

30 Prozent vom Land und 50 Prozent vom Bund: Als Pilotgemeinde schöpft Oberbergkirchen insgesamt 80 Prozent an Fördermitteln ab und muss fürs schnelle Surfen selbst keine Million mehr hinblättern. Dafür hat es einen langen Atem gebraucht. 

Oberbergkirchen – Glasfaser bis ins Haus: In Oberbergkirchen wird das bei 98 Prozent der Haushalte der Fall sein, wenn der Breitbandausbau mit Hilfe des Bundesförderprogramms realisiert ist. Bandbreiten bis zu 300 Megabit pro Sekunde sollen dann möglich sein, wenn der 3,25 Millionen Euro teure Ausbau in weniger als zwei Jahren abgeschlossen sein soll. Und das beste: 80 Prozent werden gefördert.

Vorreiterrolle in Bayern

Oberbergkirchen ist Pilotgemeinde, es sei das dritte Projekt bayernweit mit diesem Verfahrensstand im Bundesförderverfahren, teilt das rathaus Oberbergkirchen mit. 50 Prozent der Mittel, rund 1,6 Millionen Euro kommen vom Bund, um die Breitbanderschließung voranzutreiben.

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Für die Kofinanzierung kommen 30 Prozent aus dem bayerischen Fördertopf, rund 970 000 Euro, so dass der Gemeinde Oberbergkirchen selbst nur noch ein Anteil in Höhe von 650 000 Euro bleibt. 70 Kilometer Leitung werden in den nächsten 22 Monaten verlegt, 118 Kilometer Glasfaser bis ins Haus verlegt, um 323 Haushalte und 20 Gewerbetreibende an das schnelle Internet anzubinden, verkündete Hausperger stolz.

Er ließ nicht unerwähnt, dass es auch Nächte gegeben habe, in denen er nicht gut geschlafen habe, weil er Zweifel hatte, „ob wir das durchbringen“. Er wisse, dass viele Gemeinden wieder aufgegeben hätten, Oberbergkirchen aber habe letztlich sogar Verbesserungen durchgesetzt, etwa das Verfahren selbst und die Dokumentation erleichtert. „Heute können wir sagen: Es hat sich gelohnt!“

Gemeinde weist auch auf Defizite hin

Als Vorreitergemeinde bezeichnete der Innenstaatssekretär Stephan Mayer die Gemeinde Oberbergkirchen, die mit Bürgermeister Michael Hausperger einen Pionier an der Spitze habe. Ein besonderes Lob hatte Mayer für die Verwaltungsangestellte Sabine Salzberger übrig, der er große Kompetenz bescheinigte. „Ihnen ist es gelungen, dem Bundesministerium auf nette und charmante Weise auf Defizite hinzuweisen.“ 

Fristen für Beratungsleistungen und Förderrichtlinien seien daraufhin geändert worden. „Der Bund profitiert von so fortschrittlichen Kommunen wie Oberbergkirchen!“ Fortschrittlich auch deshalb, weil schnelle Bandbreiten heute für Gewerbetreibende unverzichtbar seien, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so Mayer.

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Oberbergkirchen zahlt selbst nur 20 Prozent

Mayer und der Landtagsabgeordnete Dr. Marcel Huber stellten die Kooperation von Land und Bund heraus, um mit Hilfe der Fördermittel und einer modernen Infrastruktur „gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land herzustellen“, wie Huber betonte. „Wenn man das nicht aktiv angeht, dann kommt es zur Landflucht!“

Mit „Homeoffice“ der Landflucht begegnenn

Mit der Erschließung der Glasfaser sei man „gut aufgestellt für die Zukunft“, attestierte auch Dr. Anette Schumacher, Geschäftsführerin der Agentur „atene KOM“ in München, die als Projektträger für die Abwicklung des Breitbandförderprogramms im Bund zuständig ist. Vor allem in Zeiten, in denen Homeoffice, also das Arbeiten von zu Hause aus, immer attraktiver werde, schaffe die Gemeinde Oberbergkirchen die Voraussetzungen dafür, „dass die Leute hier wohnen bleiben können“.

Marktpreissteigerungen seien kompensiert worden. Beharrlichkeit und Konsequenz des Bürgermeister hätten sich ausgezahlt, dass Oberbergkirchen lediglich 20 Prozent der Kosten zu tragen habe.

Ausbau bis 2021

Was die Gemeinde dafür bekommt, erklärte Dr. Hermann Rodler, technischer Geschäftsführer des Glasfaseranbieters M-Net, der den Ausbau vornehmen wird. Planmäßig bis Sommer 2021 soll der Ausbau abgeschlossen sein und dann Bandbreiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. „Ich garantiere Oberbergkirchen das beste Netz in der Gegend“, verkündete Rodler und erklärte, weshalb die Glasfasertechnik die einzig zukunftsträchtige Technologie sei.

300 Tonnen weniger Kohlendioxid

Wenn die Glasfaser erst einmal im FTTH-Verfahren (Fire To The Home= Glasfaser bis ins Haus) verlegt sei, dann sei die Gemeinde auf lange Zeit gut aufgestellt. „Bis ins Jahr 2100 brauchen sie dann nicht mehr zu graben!“, da sogar Bandbreiten bis 1,76 Terrabit pro Sekunde möglich seien. Allein für Oberbergkirchen bedeute die Umstellung auf die schnelle Glasfaser eine Einsparung von 300 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, nannte Rodler eine weitere beeindruckende Zahl.

Leistungsschwankungen oder eine Beeinträchtigung der Bandbreite aufgrund des Übertragungsmediums, wie sie bei klassischen DSL- oder Kabel-TV-Anschlüssen technisch bedingt auftreten, seien bei FTTH in der Regel ausgeschlossen, so Rodler. Denn im Vergleich zu Kupferleitungen sei Glasfase, etwa bei Gewitter, bei Weitem nicht so störungsanfällig. Und auch beim Datenschutz spiele die Glasfaser eine immer wichtigere Rolle, „weil es nur unter sehr großen Aufwand gelingt, eine Glasfaserleitung anzuzapfen“.

Auch andere Gemeinden sind fleißig

Wie der Innenstaatssekretär Mayer über eine Pressemitteilung mitgeteilt hat, beteiligen sich im Landkreis Mühldorf alle 31 Kommunen am Breitbandförderprogramm nach bayerischer Breitbandlinie. Zudem haben bereits 30 Gemeinden Förderbescheide über insgesamt 31,43 Millionen Euro erhalten.

Darüber hinaus erhalten sieben öffentliche Schulen in Trägerschaft der Kommunen Aschau, Buchbach, Heldenstein, Neumarkt-St. Veit, Obertaufkirchen und Rechtmehring sowie acht öffentliche Schulen des Landkreises einen direkten Glasfaseranschluss. Im Landkreis Mühldorf profitieren neben Oberbergkirchen die Gemeinden Ampfing, Buchbach, Mettenheim, Neumarkt-St. Veit, Obertaufkirchen, Rattenkirchen und Rechtmehring vom Bundesförderprogramm.

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