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Amtsgericht Mühldorf klärt auf

Schmutzige Bilder auf dem Handy, Nacktfotos von der Ex: Wenn das Smartphone zum Tatort wird

Laut Pressesprecher Stephen Kroner werden am Amtsgericht pro Jahr etwa 20 Fälle von Kindesmissbrauchsowie von Besitz und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften verhandelt. Archiv
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Laut Pressesprecher Stephen Kroner werden am Amtsgericht pro Jahr etwa 20 Fälle von Kindesmissbrauch sowie von Besitz und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften verhandelt.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Nach der Zerschlagung eines riesigen Kinderporno-Portals: Amtsgerichtssprecher Stephen Kroner warnt vor der Unbekümmertheit in Chatgruppen.

Mühldorf – Sexuelle Handlungen in Gegenwart von Kindern beziehungsweise der Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischen Schriften – damit muss sich auch das Amtsgericht in Mühldorf auseinandersetzen.

Pressesprecher Stephen Kroner berichtet von rund einem Dutzend Delikten pro Jahr, für die sich Erwachsene vor den Strafrichtern in Mühldorf zu verantworten hätten. Insgesamt seien es im Schnitt 20 Fälle, wenn man auch die Verfehlungen Jugendlicher berücksichtige, die etwa wegen des Besitzes von pornografischen Schriften in den Sitzungssälen Platz nähmen. Missbrauchsfälle bewegten sich im einstelligen Bereich, so Kroner.

Das Thema kocht gerade hoch, nachdem das Bundeskriminalamt zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt eine der weltweit größten Kinderporno-Plattformen im Darknet vom Netz genommen hat. Drei Verdächtige wurden in Deutschland festgenommen, darunter ein Mann aus dem Landkreis Mühldorf.

Keine Zunahme von sexuellen Handlungen an Kindern

Insgesamt sei im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes in Mühldorf keine Zunahme von sexuellen Handlungen speziell an Kindern zu verzeichnen, sagt Kroner. In erster Linie sei man mit Delikten konfrontiert, die den Besitz und die Verbreitung von pornografischen Schriften zum Inhalt hätten, darunter Zufallsfunde, wenn Ermittler bei Handydurchsuchungen auf entsprechendes Material stoßen würden.

Kroner warnt in diesem Zusammenhang vor einer gewissen Unbekümmertheit, wenn etwa in Chatgruppen entsprechendes Material verschickt wird. Dieses könnte automatisch auf dem Smartphone gespeichert werden, obwohl der Eigentümer das vielleicht gar nicht will. Dennoch ist der Besitz strafbar.

Härtere Bestrafung bei der Verbreitung kinderpornografischen Materials

Die Verbreitung werde noch härter sanktioniert. Kroner vergleicht dies mit Drogendelikten. Der Besitz sehe ein geringeres Strafmaß vor als der Verkauf, weil bei Letzterem weitere Personen dazu animiert würden, eine Straftat zu begehen. Tritt eine Person zum ersten Mal wegen des Besitzes oder der Verbreitung kinderpornografischen in Erscheinung, werde die Strafe in der Regel zur Bewährung ausgesetzt – wie aktuell in der Causa Metzelder.

Der Ex-Fußballer hatte 10 Monate auf Bewährung erhalten, weil ihm die Verbreitung von kinderpornografischem Material nachgewiesen worden war. Metzelder hatte während des Prozesses den Besitz und die Weitergabe von insgesamt 18 Dateien gestanden. Auf seinem 2019 beschlagnahmten Handy waren 297 Dateien gefunden worden. Im Wiederholungsfall heißt es laut Kroner: Gefängnis.

Jugendliche kommen unter Umständen mit Sozialstunden davon

Kroner spricht davon, dass auch Jugendliche auf der Anklagebank Platz nehmen, wenn etwa einschlägige Bilder auf dem Handy gefunden oder Nacktfotos von der Verflossenen rumgeschickt worden seien. „Jugendliche werden allerdings nicht zwingend angeklagt“, sagt Kroner. Geldstrafen oder Sozialstunden seien die Alternativen für Heranwachsende, bei denen je nach Beurteilung der geistigen Reife über das 18. Lebensjahr hinaus noch Jugendstrafrecht angewendet werden könne.

Schwere sexuelle Delikte fallen in die Zuständigkeit des Landgerichts Traunstein

Der Gesetzgeber sieht bei Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften Strafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. „Schwere sexuelle Delikte, die zum Beispiel über das Strafmaß von vier Jahren hinausgehen, fallen dann aber in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichtes in Traunstein.“

Bis zu 15 Jahre bei besonders schweren Vergehen

Dies bestätigt Björn Pfeifer, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher am Landgericht Traunstein. Er spricht davon, dass seitens der Staatsanwaltschaft Traunstein pro Jahr in einer einstelligen Anzahl von Fällen Anklage wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben werde. Der Strafrahmen reicht von zwei bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe, verdeutlicht Pfeifer.

Auch Psychiatrie und Sicherheitsverwahrung des Angeklagten spielt eine Rolle

Die Zuständigkeit des Landgerichts in Strafsachen ergibt sich laut Pfeifer aus den Regeln des Gerichtsverfassungsgesetzes. Und das betreffe Verfahren mit einer Straferwartung von über vier Jahren Freiheitsstrafe. „Daneben auch Verfahren, in denen die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus oder in der Sicherungsverwahrung geprüft werden muss.

Noch keine Erkenntnisse über die Auswirkungen aus dem Ermittlungskomplex „Boystown“

Inwieweit aus dem Ermittlungskomplex „Boystown“ Folgeverfahren hervorgehen, die bei der Staatsanwaltschaft Traunstein zu bearbeiten und am Landgericht Traunstein zu verhandeln sein werden, könne er jetzt noch nicht beurteilen. Zu den Ermittlungen in Sacen „Boystown“ könne die Staatsanwaltschaft deswegen auch keine Auskunft erteilen.

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