Mit der Schließung der Büroteek geht auch ein Stück Neumarkter Stadtgeschichte

Die Familie Döring um 1930, rechts der bekannte Redakteur Hermann Döring. Döring/Archiv

Mit der angekündigten Geschäftsaufgabe der „Büroteek“ geht für Neumarkt-St. Veit eine über 130-jährige Firmengeschichte zu Ende, die nicht unwesentlich zur Entwicklung des Ortes beigetragen hat. Eng verbunden ist der Name des Eigentümers, Döring, auch mit dem Neumarkter Anzeiger.

Neumarkt-St. Veit – In mehreren Teilen wird der Neumarkter Anzeiger die 130-jährige Geschichte der Familie Döring beleuchten.

Ab 1889 war Döring das Gesicht der Zeitung

Hermann Döring ist das Zeitungsgesicht des 19. Jahrhunderts im damaligen Neumarkt an der Rott. Sogar eine Straße ist nach dem Redakteur benannt, dessen Nachname bis heute auf dem Stadtplatz präsent war. Mit der Schließung der Büroteek geht eine Ära zu Ende. Ein Rückblick.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war auch in Neumarkt an der Rott eine Zeit großer Veränderungen. Mit der Eröffnung des Eisenbahnverkehrs im Oktober 1875 war für die Neumarkter das Tor zur Welt aufgestoßen worden und der beschauliche Markt sprengte seine alten Grenzen. Um den Bahnhof entstehen das erste Hotel, ein neues Amtsgerichtsgebäude und Wohnhäuser, wie sie Neumarkt noch nicht gesehen hatte. 1883 wird das Krankenhaus eröffnet und für die Mädchen ein eigenes Schulgebäude mit Kleinkinderbewahranstalt geplant. Was aber zu einem fortschrittlichen Markt noch fehlte, war eine eigene Lokalzeitung, aber das sollte sich ab 1886 ändern.

Hermann Döring ist Nachflger von Franz Xaver Doppler

In der Ausgabe vom 2. Mai 1889 findet sich im Neumarkter Anzeiger folgende Notiz: „Die Redaktion und Verlag dieses Blattes geht mit dem heutigen Tag von Herrn Franz Xaver Doppler auf Herrn Hermann Döring über. Es wird nun dessen Bestreben sein die Interessen des Ortes und der Umgebung in ruhiger und sachlicher Weise nach besten Kräften in diesem Organ zu vertreten und den Wünschen des geehrten Publikums nach jeder Richtung entgegenzukommen. Bei diesem Bestreben bittet Herr Döring um möglichst tatkräftige Unterstützung durch Abonnement auf den Anzeiger und Zuwendung von Inseraten für denselben, ferner um Mitteilungen, die in dem lokalen Teil verwertet werden können. Hochachtungsvollst, Hermann Döring.“ Dreimal in der Woche erschien damals das Neumarkter Lokalblatt, das vierteljährige Abonnement kostete mit Zustellung ins Haus 1,20 Mark, bei Selbstabholung nur eine Mark.

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Hermann Döring erblickte 1855 in Schlesien das Licht der Welt und war in seinen beruflichen Wanderjahren nach Meran gekommen, wo er in einer Zeitung als Redakteur arbeitete. Hervorragend ausgebildet und mit reichlich Erfahrung ausgestattet kommt er nach Neumarkt und übernimmt am 2. Mai 1889 den Neumarkter Anzeiger, den Franz Xaver Doppler drei Jahre zuvor aus der Taufe gehoben hatte. Ein Jahr später heiratet er Maria Poll aus Meran und kauft 1891 für 11 000 Mark das frühere Lechnerhaus am Johannesplatz, wo er seine neue Buchdruckerei und die Redaktion einrichtet. Die Auflage des Blattes betrug im Gründungsjahr 1886 rund 75 Stück pro Ausgabe und vergrößerte sich mit der Übernahme von Hermann Döring auf über 500 Abonnenten.

Verleger, Redakteur, Drucker und Reporter

Er war Verleger, Redakteur, Drucker und Reporter in einer Person und übte diese Funktionen mit großer Leidenschaft aus. Seine Absicht war, dem kleinen Marktflecken über seine Grenzen hinausschauen zu lassen. Für die hiesige Geschäftswelt gab es bisher unbekannte Möglichkeiten für sich Reklame zu platzieren. Der Lokalteil unter der Rubrik „Vaterländisches“ vermittelte die großen und kleinen Sensationen des Ortes. Dort war zu lesen was vor der eigenen Haustüre geschah und bei welchem Wirt es gestern eine Rauferei gegeben hat, wo der Veteranenverein seine Generalversammlung abhält und wie viele Tiere beim letzten Monatsviehmarkt im Marktplatz aufgetrieben waren.

Dörings legendäre Berichte aus dem königlichen Amtsgericht

Die Berichte von Hermann Döring aus dem königlichen Amtsgericht Neumarkt a. Rott waren legendär und sorgten immer wieder für heitere Momente. In den umliegenden Orten hatte er seinen „Berichterstatter“ um auch dort aktuell informieren zu können. Sein Blatt war politische Information, Kirchenzeitung, amtliches Mitteilungsblatt, Amtsblatt für den Amtsgerichtsbezirk Neumarkt a. Rott und Gesellschaftsroman in einem. Die größten Lacher kann man auch heute noch mit den Inseraten erzielen, die damals von Privatpersonen aufgegeben wurden, wie die des Totengräbers Josef Schütz von St.Veit, der allseits bekannt gibt: „Wer mir mein böswillig davongelaufenes Eheweib zurückbringt, hat von mir keine Belohnung zu erwarten.“

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