Was ist die Ursache?

Sauerstoffmangel oder Reiher-Attacke? Tote Fische im Tümpel an Teisinger Straße in Neumarkt

Dieses Bild bot sich am Wochenende im Regenrückhaltebecken an der Alten Teisinger Straße. Nach Einschätzung des Gewässerexperten Dr. Manfred Holzner war es Sauerstoffmangel, der zum Fischsterben geführt haben könnte.
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Dieses Bild bot sich am Wochenende im Regenrückhaltebecken an der Alten Teisinger Straße. Nach Einschätzung des Gewässerexperten Dr. Manfred Holzner war es Sauerstoffmangel, der zum Fischsterben geführt haben könnte.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Rätselhaftes Fischsterben in Neumarkt-St. Veit: Gewässerökologe Dr. Manfred Holzner liefert mögliche Erklärungen.

Neumarkt-St. Veit – Tote Fische, die an der Wasseroberfläche treiben. Dieses Bild bot sich in den vergangenen Tagen im Regenrückhaltebecken an der Alten Teisinger Straße. In den sozialen Netzwerken sorgte diese Meldung für Diskussionen. „Fühlt sich keiner für diesen Weiher in der Werksiedlung verantwortlich?“, wird gefragt ob der vielen toten Fische auf der Wasseroberfläche. „Kein schöner Anblick, besonders für Kinder!“

Im Juli 2017 gab es schon einmal ein Fischsterben

Vor allem ein Anblick, der sich nicht zum ersten Mal den Spaziergängern in der Siedlung bietet. Im Juli 2017 war es schon einmal zu einem Fischsterben gekommen. Lang anhaltende Trockenheit, Hitze und daraus resultierende Wasserknappheit hatten dazu geführt, dass damals 30 Weißfische und ein Karpfen verendet waren und entsorgt werden mussten.

Zu wenig Licht lässt die Wasserpflanzen absterben

Doch Hitze oder Wasserknappheit können es aktuell nicht sein, die das Regenrückhaltebecken für die Fische in ein lebensbedrohliches Umfeld verwandelt haben. Eine mögliche Antwort liefert Gewässerökologe Dr. Manfred Holzner, der auch Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Mühldorf Altötting ist. Wie im Sommer 2017 vermutet er Sauerstoffmangel im Teich, der für den Tod der Fische verantwortlich sein könnte. Seine Erklärung, die auf viele solcher Becken zutreffe: „Im Herbst sind solche Becken meistens zugewuchert. Das ist oft ein Riesenproblem, weil zu wenig Licht in das Gewässer kommt.“

Rotaugen, Rotfedern und Karpfen betroffen

Auch spricht er von einem für Fische in solchen Gewässern ungeeigneten Winter. „Wir hatten fast vier Wochen durchgängig Frost. Es friert, dann hat es drüber geschneit, im Gewässer herrscht Dunkelheit, die Wasserpflanzen sterben ab. Und damit wird der Sauerstoff knapp!“ Weil ein Zulauf fehlt, erfolge keine Durchmischung. Die Überlebenschancen von Rotaugen, Rotfedern und kleinen Karpfen, die in solchen Becken vorzufinden seien, sinken rapide. Ein Fischsterben könne dann die Folge sein.

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Holzners Rat: Mehr Tiefe schaffen

Schon vor dreieinhalb Jahren hatte Holzner darauf hingewiesen, dass der Bestand der Fische regelmäßig kontrolliert werden müsse und der Bestand entsprechend zu reduzieren sei, indem man die Tiere abfischt. „Schon damals habe ich versucht, darauf hinzuwirken, dass man mehr Tiefe schafft!“

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Alternative: Fischbestand rausnehmen und Becken rein technisch nutzen

Es gebe zwei Möglichkeiten, wie man solche Situationen künftig verhindern könnte. „Man kann einem Fischereiverein natürlich die Bewirtschaftung überlassen, damit sich solche Verluste vermeiden ließen.“ Die einfachste Lösung wäre es jedoch, dass das Regenrückhaltebecken rein technisch gesehen nur als solches genutzt werde, der Fischbestand herausgenommen werde und das Becken im optimalen Fall auch ablassbar wäre. „Es hat ja niemand etwas davon, wenn der Fischbestand alle zwei, drei Jahre über den Jordan geschossen wird!“

Enten können Laich verbreiten

Doch wie kommen die Fische überhaupt in das Becken? Dass die Fische ausgesetzt worden sein könnten, glaubt Holzner nicht. „Jede Ente kann den Laich über das Gefieder verbreitet.“ Der Laich von Rotaugen sei sehr klebrig, ergänzt Holzner.

Theoretisch wäre es sogar möglich, dass sich der Laich über den Kot von Wassertieren verteilt würde. Holzner berichtet von wissenschaftlich belegten Nachweisen, dass der Laich einiger Fischarten auch im Darmtrakt von Enten lebendig bleibt.

Am Montag waren keine toten Fische mehr zu finden

Am Montag hat Rathauschef Erwin Baumgartner auf die ersten Meldungen des Fischsterbens gleich reagiert und den Bauhof damit beauftragt nach dem Rechten zu sehen. Bauhofleiter Martin Wolf meldete dann aber zurück, dass er keine toten Fische gefunden habe. Es sei laut Baumgartner in diesem Zusammenhang inzwischen die Vermutung geäußert worden, dass möglicherweise Reiher die Fische getötet und später verzehrt haben könnten. „Wir werden die Sache in den nächsten Tagen weiter beobachten und uns gegebenenfalls mit dem Fischereiverein zusammensetzen und über weitere Schritte beraten lassen, wenn dies erforderlich sein sollte.“

Dr. Manfred Holzner ist Gewässerökologe, sieht Sauerstoffmangel als mögliche Todesursache.

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