Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Mit Räderbahre hat alles angefangen

Seltsames Relikt erinnert an die 100-jährige Geschichte der Sanitätskolonne Neumarkt

Stolz präsentieren sich die Mitglieder Neumarkter Sanitätskolonne um das Jahr 1925.
+
Stolz präsentieren sich die Mitglieder Neumarkter Sanitätskolonne um das Jahr 1925.
  • VonWalter Jani
    schließen

Im Dachboden des alten Rathauses am Stadtplatz ist ein seltsames Relikt untergebracht. Es erzählt eine Geschichte, die vor 100 Jahren begann. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Räderbahre, also einen einfachen Krankentransportwagen.

Neumarkt-St.Veit – Diese Räderbahre gehört zur ersten Ausstattung der 1922 gegründeten freiwilligen Sanitätskolonne.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verfügten die meisten deutschen Großstädte schon über ein organisiertes Krankenbeförderungswesen. Mit der Durchführung waren private Unternehmen, zivile Samaritervereine, Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes oder die Feuerwehr beauftragt.

Auf dem Land dagegen sah die Situation meist noch nicht so gut aus. Obwohl es bereits seit 1883 ein Krankenhaus in Neumarkt gab, dauerte es noch fast weitere 40 Jahre, bis auch das Krankentransportwesen zufriedenstellend organisiert werden konnte.

Frauenzweigverein war die erste Hilfsorganisation

Diese Sanitätskolonne war aber nicht die erste Hilfsorganisation in Neumarkt. Bereits im Jahre 1887 sollte ein Frauenzweigverein des Roten Kreuzes ins Leben gerufen werden, berichtete damals der Neumarkter Anzeiger und vermeldete dazu: „Dieses fand ein großes Echo bei der konstituierenden Versammlung“. Die offizielle Gründung erfolgte am 24. Februar 1887, Frau Dr. Weiß übernahm die Vorstandschaft. Es folgen 1891 die Gräfin von Montgelas und ab 1893 Marie von Klessing. 1904 hatte der Verein 104 Mitglieder, eine stattliche Kasse und kümmerte sich regelmäßig um Bedürftige in vielen sozialen Bereichen.

Bedürftige wurden unterstützt

Heimatredakteur Hermann Döring berichtete Anfang 1908 über eine Bescherungsaktion des Vereins an Weihnachten 1907 im Wert von 352 Mark und schreibt im Neumarkter Anzeiger: „Beschenkt werden 70 Anstaltszöglinge, 40 Arme und Kranke, 30 arme Schulkinder und 12 Mark gab es zur Unterstützung einer armen, bedrängten Witwe und einer Wöchnerin“.

Die Räderbahre ist ein Relikt aus den Anfängen der Neumarkter Sanitätskolonne.

Zu Kriegszeiten musste sich der Verein um Hilfs- und Schutzmaßnahmen kümmern, so ab 1914 um den Betrieb von Lazaretten in St. Veit und im Krankenhaus Neumarkt.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Mühldorf finden Sie hier +++

Außerdem organisierte er die Ausbildung von Hilfspflegerinnen und Geldsammlungen. 1919 wurde das Lazarett in Neumarkt aufgelöst, in den vier Jahren seines Bestehens hat es 645 Mann aufgenommen.

1925 hatte der Verein 146 Mitglieder und konnte 1927 sein 40-jähriges Bestehen feiern. Im März 1921 wurde die Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne in Neumarkt an der Rott ins Gespräch gebracht. Nach einem Jahr Vorbereitung war es soweit: Im September 1922 erfolgte die Gründung der freiwilligen Sanitätskolonne Neumarkt mit 21 aktiven und 15 passiven Mitgliedern. Zum Vorsitzenden wurde Kaplan Franz Weigl ins Amt berufen.

Bedeutung der Sanitätskolonne war Bevölkerung erst nicht klar

Um die neue Organisation zu stärken, veranstaltete der örtliche Heimatbund im Dezember 1922 ein Wohltätigkeitskonzert. Doch noch schien die wichtige Aufgabe der Sanitätskolonne nicht so richtig bei der Bevölkerung angekommen zu sein. Im Januar 1923 beklagte sich Vorsitzende Franz Weigl über die mangelnde Unterstützung.

Der Neumarkter Arzt Dr. Fritz Kobl wurde 1926 neuer Kolonnenführer und kümmert sich um die Beschaffung eines motorisierten Sanitätsautos.

Erstes Sanitätsauto wurde angeschafft

Aber auch im gesellschaftlichen Bereich war die Sanitätskolonne aktiv, so organisierte man im Dezember 1927 gemeinsam mit dem Roten Kreuz eine Weihnachtsfeier im Gasthaus Feichtmaier (heute Stadtplatz 24). Im September 1928 ging der große Traum in Erfüllung: Das neue Sanitätsauto, Marke Opel, zum Preis von 8600 Mark wurde geliefert.

Rotkreuzsammlungen zur Finanzierung

Dieser hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1952 ausgedient. Ein neuer Sanitätswagen wurde an die Marktgemeinde Neumarkt-St. Veit übergeben. Zur Finanzierung wurden sogenannte Rotkreuzsammlungen durchgeführt. Der Neumarkter Rettungswagen wurde bis zum Ende der 1960er Jahre im alten Rathaus am Stadtplatz untergebracht.

Nach dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses in der Einmayrstraße im Jahre 1967 wurden dort auch eine Garage für den Rettungswagen und Räume für das Sanitätspersonal eingerichtet.

Die Rettungswachen im Landkreis

Im Landkreis Mühldorf gibt es Rettungswachen in Haag, Mühldorf, Neumarkt-Sankt Veit und Waldkraiburg. Sie sorgen rund um die Uhr mit entsprechender Ausrüstung und Einsatzfahrzeugen für eine optimale Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Mühldorf.

Die Rettungswache in Neumarkt verfügt über einen Rettungswagen (RTW), für die Diensthabenden und Ansprechpartner wurde vor ein paar Jahren hinter dem alten Rathaus am Stadtplatz ein neues Gebäude und eine Garage für das moderne Rettungsfahrzeug erstellt.

Mehr zum Thema

Kommentare