Sanierungskonzepte für den Oberen Vormarkt: Freie Sicht auf das obere Neumarkter Stadttor

Links die Apotheke, in der Mitte der Turm und rechts die Ruine: Das Gebäude an der Bahnhofsstraße 1 soll um 1,5 Meter zurückversetzt werden, um die Sicht auf den Turm zu verbessern.Jaensch(Stadtarchiv

Ruine in der Bahnhofsstraße 1 soll um 1,5 Meter versetzt werden. Das steckt hinter dem Plan, der am Donnerstag dem Neumarkter Stadtrat vorgestellt worden ist

Von Franziska Ott

Neumarkt-St. Veit – Ein gut gefüllter Kulturbahnhof zeugt von dem Interesse der Neumarkter an der Alten Schmiede und dem Gebäude an der Bahnhofsstraße 1. Neben dem Stadtrat finden sich am Donnerstagabend auch einige Neumarkter Bürger ein. Sie alle sind gespannt auf die Konzeptvorschläge von Architekt Wolfram Göbel für die neue Nutzung beider Bauten. Dafür sind weitreichende Eingriffe geplant, unter anderem soll das Geschäftshaus an der Bahnhofsstraße versetzt werden.

100 Baustützen aus Stahl sichern Statik

Um einen der Nutzungsvorschläge genauer planen zu können, müsse erst ein endgültiges Konzept zur Sanierung bestehen. Dafür ist das in dem Jahr 1691 entstandene Gebäude in der Bahnhofsstraße 1 vielfach begutachtet worden. Das Ergebnis der Schadenserhebung jedoch sei vorhersehbar gewesen: Weniger als 50 Prozent der historischen Substanz ist noch vorhanden, der Rest ist ergänzt und erneuert. Geschuldet dem Denkmalschutz darf das Durchgangsgebäude trotzdem nicht abgerissen werden. Obwohl, so Planer Wolfram Göbel, „das Haus eine Ruine ist!“ Es müsse mit über 100 Baustützen aus Stahl notgesichert werden, um einen Einsturz zu verhindern.

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Neu gemacht werden darf deshalb nur das Erd- und Dachgeschoss. Das Obergeschoss muss in der jetzigen Form bestehen bleiben. In der Umsetzung müsse man das Haus also doch „abreißen“ und das Obergeschoss anschließend wieder auf das neue Erdgeschoss aufsetzen. Zusätzlich soll das Gebäude um 1,5 Meter zurückgesetzt werden. Klingt kompliziert? Das finden auch einige der Neumarkter Stadträte.

Angemessene Deckenhöhe durch Erhöhung des Dachgeschoßes

Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) sieht aber auch die Vorteile dieses aufwendigen Sanierungsplans: Durch eine Erhöhung des Dachgeschosses könne man endlich eine angemessene Deckenhöhe im Erdgeschoss erreichen, wo man auch öffentliche Toiletten einbauen werde. Im Obergeschoss sollen dann zwei Wohnungen entstehen. Besonders freut sich Baumgartner über die Zurücksetzung des Gebäudes, wodurch der nebenstehende „Turm total frei gemacht wird“ und ein viel schöneres Bild abgeben werde.

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Baumgartner spricht von „Eyecatcher“

DieAlte Schmiede wurde nach dem 30 Jährigen Krieg 1660 neu errichtet. Zwei Jahre später ist der Anbau durch den Besitzer in Eigenregie hinzugekommen. Denkmalpflegerischen Untersuchungen, bei denen durch Restaurateure die Baugeschichte rekonstruiert wird, bringen ein interessantes Ergebnis: Das verwendete Holz stamme aus der näheren Umgebung von Neumarkt St. Veit. Außerdem sei das Haupthaus in einer Bauphase entstanden und deshalb gut zu erhalten. Laut dem Bürgermeister solle die Alte Schmiede nach der Sanierung ein richtiger „Eyecatcher“ sein.

Drei Wohnungen im Obergeschoß geplant

Insgesamt drei Wohnungen sind im Obergeschoss des Gebäudes geplant. In einem großen freizügigen Raum im Erdgeschoss kann sich Baumgartner eine „Hochzeitsschmiede“ vorstellen. Auch der Umzug des Stadtarchivs in die sanierten Räumlichkeiten wäre eine Option. Das seien aber nur zwei von vielen Möglichkeiten. Es werde auf jeden Fall keine gewerbliche Konkurrenz für bestehende Betriebe entstehen.

Wortmeldungen der Stadtratsmitglieder zeigten, dass es durchaus unterschiedliche Meinungen zur Optik der Schmiede gibt. Während Christian Perau (UWG) den Anbau als historisch unbedeutend einstufte, hatte Wolfgang Hobmeier (CSU) damit kein Problem. „Die Neumarkter sind diesen Anblick ja gewohnt“. Einig waren sich die Stadträte dahingehend, dass etwas unternommen werden muss, einstimmig sprachen sie sich dafür aus, dass die Planungen inklusive Kostenschätzung weiter vorangetrieben werden sollten. Im Falle des Gebäudes an der Bahnhofsstraße 1 gab es eine Gegenstimme. Die Verwaltung hat damit den Auftrag erhalten, sich mit der Städtebauförderung und auch mit dem Denkmalamt über die weitere Vorgehensweise abzustimmen.

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