Sachbeschädigung mit Köpfchen –Afghane aus Neumarkt muss sich dafür vor Gericht verantworten

Auf seinem Weg über die Altöttinger Straße nach Hause schlug der Afghane mit seinem Kopf erst eine Fensterscheibe eines leer stehenden Gasthauses ein. An der Heckscheibe eine Autos scheiterte sein Dickschädel wenig später. Bei seiner Festnahme tickte der 25-Jährige dann aus, beschimpfte unflätig die Polizeibeamten. Die Quittung: Sechs Monate zur Bewährung.
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Auf seinem Weg über die Altöttinger Straße nach Hause schlug der Afghane mit seinem Kopf erst eine Fensterscheibe eines leer stehenden Gasthauses ein. An der Heckscheibe eine Autos scheiterte sein Dickschädel wenig später. Bei seiner Festnahme tickte der 25-Jährige dann aus, beschimpfte unflätig die Polizeibeamten. Die Quittung: Sechs Monate zur Bewährung.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Zerstörungswut mit 2,15 Promille im Blut und dem Ziel, sich selbst zu verletzten: Ein anerkannter Asylbewerber aus Neumarkt-St. Veit kommt nach „fahrlässigem Vollrausch“ mit Bewährung davon – doch Richter Greifenstein gibt ihm nach dem Urteilsspruch eine Warnung mit auf den Weg (je/fertig)

Neumarkt-St. Veit/Mühldorf – Am Vormittag war er noch zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden, doch schon am selben Abend folgte die nächste Sachbeschädigung. Im Vollrausch leistete Aydan B. (Name von der Redaktion geändert) auch Widerstand gegen Polizisten und musste sich nun dafür vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Mit sechs Monaten auf Bewährung kam er glimpflich davon. Doch Richter Florian Greifenstein warnte: „Ein drittes Mal kann ich Ihnen nicht helfen!“

Fünf Straftaten in vier Jahren

Seit vier Jahren befindet sich der 25-jährige Afghane in Deutschland. In dieser Zeit hatte er es bereits auf vier Straftaten gebracht. Zweimal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, ein Diebstahl., zuletzt brockte sich der Vater dreier Kinder nach eine Sachbeschädigung eine Bewährungsstrafe von drei Monaten ein. Dass er an jenem 31. Januar 2019 erneut ausgetickt war, lag wohl exzessiven Alkohol- und Marihuanakonsum. 2,15 Promille sollten später im Krankenhaus nachgewiesen werden.

An die Taten selbst konnte er sich vor Gericht nur teilweise erinnern. Etwa, dass er auf dem Weg zum Asylbewerberheim in Neumarkt-St. Veit im volltrunkenen Zustand mit dem Kopf eine Fensterscheibe eines leer stehenden Gasthauses eingeschlagen hatte. Gleiches versuchte er wenig später auch bei einer Heckscheibe eines Autos – doch scheiterte sein Kopf diesmal an der Stabilität der Scheibe.

Mehrere Polizisten reißen den Afghanen zu Boden

„Er war bei unserem Gespräch eigentlich ganz liab. Weinte auch. Dann aber wurde er plötzlich grantig. Schlug mit dem Hinterkopf gegen eine Hausmauer“, berichtete im Gerichtssaal ein Zeuge, der bei seiner Fahrt durch Neumarkt-St. Veit auf den torkelnden Mann aufmerksam geworden war. Weil dieser auch des Öfteren auf die Straße gefallen war, habe er den Angeklagten dann zu dessen Unterkunft begleitet. Dabei sei es zur Sachbeschädigung gekommen, worauf der Zeuge die Polizei alarmierte. Er wartete mit dem Angeklagten, bis die Beamten und der Krankenwagen eintrafen. „Als ihn der Polizist am Arm nehmen wollte, ist er ausgeflippt“, so der Zeuge.

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Der Polizeibeamte bestätigte das aggressive Verhalten des Afghanen. Dieser sei in Angriffsstellung gegangen, als die Polizei aufgetaucht sei. Daraufhin hätten mehrere Kollegen den Afghanen zu Boden gerissen, der sich dafür mit derben Beleidigungen bedankte, und schließlich mit Kabelbindern fixiert wurde. Weil sich der Angeklagte offenbar selbst verletzen wollte, ließ ihn die Polizei in das Bezirkskrankenhaus nach Gabersee bringen.

Staatsanwältin beantragt neun Monate Haft

Wie sich im weiteren Verlauf der Verhandlung herausstellte, sei der Afghane in einem iranischen Gefängnis gefoltert und misshandelt worden – er habe Angst vor der Polizei, erklärte der Dolmetscher. Die Traumatisierung und seine Aggressionen seien auch der Grund, weshalb er ein- bis zweimal pro Woche die Gewaltberatung der Diakonie Altötting-Traunstein in Anspruch nimmt. Aydan B. ergänzte, dass er ärztlich verordnete Medikamente zur Beruhigung einnehme.

Staatsanwältin Fiona Linden hielt eine Haft von neun Monaten ohne Bewährung für angemessen, zumal Aydan B. in drei Fällen einschlägig vorbestraft sei. Zwar stehe aufgrund seiner „fahrlässigen Vollrausches“ eine verminderte Schulfähigkeit im Raum. Allerdings „ist keine positive Sozialprognose ersichtlich. Es besteht eine hohe Rückfallgefahr“, begründete die Staatsanwältin ihre Forderung.

Rechtsanwalt Jörg Zürner hielt seinem Mandanten dessen Geständigkeit und Reumütigkeit zugute. Zeitnah habe er sich entschuldigt – auch wenn er sich an die Beleidigungen gegenüber den Polizeibeamten nicht mehr zu erinnern vermochte. Seit dem Vorfall im Januar 2019 sei er nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. „Ich sehe keine Voraussetzungen für eine Freiheitsstrafe!“ Eine Geldstrafe hielt er für angemessen, auf keinem Fall aber Haftstrafe von mehr als sechs Monaten.

Mahnende Worte von Richter Greifenstein

Sechs Monate wurden es dann doch – auf Bewährung. Richter Greifenstein sprach von verminderter Schuldfähigkeit, nahm dabei Bezug auf die Wechselwirkung von Alkohol und Drogen sowie auf den offenbar psychiatrischen Hintergrund. Auch er würdigte die Geständigkeit, ergänzte, dass der Widerstand gegen die Polizisten nur von kurzer Dauer gewesen sei.

„Ein Trauma kann aber nicht dauerhaft eine Erklärung für Ihr Verhalten sein!“ Beim nächsten Mal lande er im Gefängnis, „nehmen‘s also die Hilfen an“, appellierte Greifenstein an den 25-Jährigen.

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