SANIERUNG DER KLÄRANLAGE

Rund vier Millionen Euro investieren

Neue Technik: Die Kläranlage in Neumarkt-St. Veit soll erneuert werden. Der Bestand soll zwar weitestgehend weiterhin genutzt werden, neu ist ein Belebungsbecken. In einem späteren Schritt soll auch die Schlammbehandlung erweitert werden. hij

Zeit für Erneuerung: Die Kläranlage in Neumarkt- St. Veit muss saniert und dem heutigen Stand der Technik angepasst werden. Die Investitionskosten liegen insgesamt bei 3,96 Millionen Euro.

Neumarkt-St. Veit – Vor 45 Jahren ist die Kläranlage in Neumarkt-St. Veit in Betrieb gegangen, Zeit für eine umfassende Sanierung. Nachdem ein neuer Wasserrechtsbescheid notwendig wird, soll nun die Kläranlage auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden. Der Bestand soll so weit wie möglich auch in Zukunft genutzt werden.

Schwachpunkt der Anlage: Eine Denitrifikation, also ein Abbau beziehungsweise Entfernung von Stickstoff, ist nicht möglich. Der Bau eines Belebungsbeckens soll dies ändern, wie Bauamtsleiterin Natascha Engelmann erklärt. Dieses soll dem bestehenden Tropfkörper vorgeschaltet werden, der dadurch entlastet werden soll. Aktuell ist der Tropfkörper die einzige Reinigungsstufe. Hier rieselt Abwasser über ein Lavagestein, wo Bakterien biologische Abwasserinhaltsstoffe abbauen. Sobald sich abzeichnet, dass im Tropfkörper die Nitrifikation weniger wird, lässt sich das Belebungsbecken kurzzeitig als alleinige Reinigungsstufe einsetzen, während das Füllmaterial des Tropfkörpers ausgewechselt wird. Dann aber mit einem Kunststoffmaterial, weil dieses eine gezielte Durchströmung zulässt und weniger verstopft als Lavagestein.

Bei Regenwetter dient die Zwischenklärung als Nachklärung, um Tropfkörper und Nachklärung nicht zu überlasten. Der Ablauf gelange dann direkt in die Rott. Möglich ist dies aber nur, wenn der gemessene Stickstoffwert unter dem Grenzwert von 18 mg pro Liter liege.

Weiterhin genutzt werden soll der Faulturm, die Gasausbeute allerdings verbessert werden. Dieser soll wärmetechnisch saniert und eine sichere Schlammbehandlung aufgebaut werden. Bislang wurde die entstehende Wärme der Kläranlage zum Heizen verwendet, der Rest abgefackelt. Künftig soll das Faulgas in einem Mini-Blockheizkraftwerk Strom erzeugen.

Weil die bisherigen Lagermöglichkeiten für Schlamm begrenzt sind, ist der Bau eines Speicherbehälters mit einer maschinellen Entwässerung geplant. Dadurch ließe sich die Schlammmenge deutlich reduzieren im Vergleich zur landwirtschaftlichen Verwertung. Solange es noch möglich ist, soll Klärschlamm weiterhin landwirtschaftlich ausgebracht werden – die wirtschaftlichste Variante der Verwertung.

Als die Kläranlage 1973 in Betrieb ging, gab es in Neumarkt-St. Veit noch Gerbereien und Brauereien. Entsprechend groß war die Kläranlage ausgelegt, an die auch Egglkofen angeschlossen ist. Die Spuren des Handwerks sind in der Stadt verblasst und damit haben sich auch die Abwassermengen reduziert. Die Ausbaugröße der Kläranlage soll mit der Sanierung auf 9700 Einwohner herabgesetzt werden.

Mit dem Umbau an der Kläranlage soll 2020 begonnen werden, was in mehreren Schritten erfolgen soll. Den Vorentwurf hat das Ingenieurbüro Sehlhoff in Zusammenarbeit mit Dr. Schreff angefertigt. Die Kosten betragen rund 3,96 Millionen Euro, wovon rund 2,75 Millionen Euro auf das Kombibecken mit seinen Zu- und Abläufen, Sanierung des Tropfkörpers, Sanierung und Optimierung der Gasnutzung anfallen. Mit etwa 1,2 Millionen Euro rechnet man für die Erweiterung der Schlammbehandlung. Dies soll aber erst in einem späteren Bauabschnitt realisiert werden, wenn die landwirtschaftliche Klärverwertung nicht mehr möglich sei.

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