„Ruf-Sau“ mithilfe der Volkshochschule in Neumarkt-St. Veit

Wissbegierig verfogen die Damen die Anweisungen von Petra Mariel. Jaensch
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Wissbegierig verfogen die Damen die Anweisungen von Petra Mariel.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Schafkopfen ist ein traditionelles Kartenspiel, das vor allem an den Stammtischen gespielt wird. Es gilt als Kulturgut. Das finden auch einige Damen, die in Neumarkt-St. Veit die Gelegenheit nutzen, das Spiel in einem VHS-Kurs zu lernen.

Neumarkt-St. Veit – Wegen der Coronapandemie findet das Schafkopfen kaum noch in der Öffentlichkeit statt. Es sind private Gruppen, die dieses Kartenspiel noch am Leben erhalten. Die stellvertretende Leiterin der Neumarkt-St. Veiter VHS, Rosemarie von Roennebeck, stieß mit ihrem Angebot im neuen VHS-Herbsprogramm: „Schafkopfkurs – Anfängerkurs für Damen“ offene Türen ein, denn schon am Eröffnungsabend waren zwölf Damen aller Altersgruppen erschienen, um bei der Schafkopftrainerin Petra Mariel aus Grünthal die Geheimnisse dieses facettenreichen Spiels eingeführt zu werden.

Bei dieser Art der Freizeitbeschäftigung kamen früher in bairischen Gasstätten Jung und Alt an die Tische und vererbten die „Techniken“ des Spiels während des Spiels selbst. Schafkopf war einst reine Unterhaltung – und nicht Sport, wie etwa das „Skatspiel“. Auf reges Interesse stießen von jeher Schafkopfrennen in Wirtshäusern oder Bierzelten. Es gibt sogar Meisterschaften mit allerlei nationalen Titeln.

Schafkopfen ist schon lange keine Männerdomäne mehr

Immer häufiger kommt es vor, dass bei diesen Schafkopf-Meisterschaften und -Rennen die Frauen auf sich aufmerksam machten. Und nicht selten sind es ebenfalls die Frauen, die am Ende des Turniers sogar die Nase vorn haben, so wie es bei den Schafkopfrennen auf dem Neumarkter Volksfest auch schon öfters der Fall war.

„Wenn Ihr Watten könnt, dann vergesst das alles.“

„Wir waren zu Hause drei Kinder, und unser Vater spielte mit uns Schafkopf. Am Sonntagnachmittag und auch sonst. So habe ich das Spiel als Kind gelernt.“ Mit vergrößerten Karten beschreibt die Kursleiterin ihren Schülern zunächst die Farben, die Trümpfe und die Werte derselben. „Wenn Ihr Watten könnt, dann vergesst das alles.“ Die Damen sind wissbegierig und stellen viele Fragen, die Petra Mariel geduldig beantwortet.

Die Regeln müssen sich noch einspielen

Ein erstes Spiel wird offen auf dem Tisch ausgelegt, und Petra Mariel erklärt dabei das Abheben, das Kartengeben und das mögliche Sortieren des Blattes in der Hand. Noch einmal weist die Lehrerin auf die Bedeutung von Farbe und Trümpfen hin. Das Nachfragen der Anfängerinnen nimmt schier kein Ende, die Damen wollen es halt genau und gewissenhaft lernen.

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Muss ich zugeben? Wer könnte stechen?

Ein erstes mögliches Spiel mit einer „Ruf-Sau“ wird offen am Tisch ausprobiert. Was kann ich ausspielen? Wer muss „zugeben“? Wie erkenne ich meinen Partner, wer könnte stechen? Das sind Probleme, die die Damen am ersten Abend hauptsächlich beschäftigen. Das Zählen der Augen macht sichtlich Spaß, denn es erzeugt Spannung. Aber die Regeln des Spiels, die müssen noch in etlichen offenen gefestigt werden.

Über zwei Stunden lang wird eine Runde nach der anderen offen gespielt. Taktische Spielzüge deutet Petra Mariel zwar an, aber dafür ist am Ende die Zeit zu kurz. Kein Problem: Denn der Kurs geht ja über vier Abende, die Erklärungen will sie an diesen folgenden Abenden durchnehmen.

So lautet das Fazit der Damen nach dem ersten Abend:

Petra Mariel

Petra Mariel, 52, Kauffrau, Grünthal: „Momentan steht bei uns in Grünthal das Schafkopfen hoch im Kurs. Vor allem junge Menschen finden Gefallen daran. Daheim oder an Stammtischen kommt dieses Spiel – mit ein wenig Geldeinsatz – oft zur Anwendung. Ich selber spiele nur privat, also in der Familie oder mit Freunden. An Turnieren beteilige ich mich nicht.“

Viktoria von Roennebeck

Viktoria von Roennebeck, 40, Angestellte, Vilsbiburg: „In meinem Bekanntenkreis spielen die Männer gerne Schafkopf. Auch bei Kolping wird oft geschafkopft. Und da will ich eben auch als Frau mitspielen. Daheim hingegen pflegen wir mit unseren Kindern viel Gesellschaftspiele und das nicht nur im Urlaub. Das Schafkopfen ist jedoch ein altes bairsches Kulturgut, das es zu pflegen gilt.“

Martha Miedl

Martha Miedl, 81,, Rentnerin, Waldkraiburg: „Mein Mann war begeisterter Schafkopfspieler. Da hat mich das noch nicht so interessiert. Jetzt, wo er gestorben ist, und ich mit den Enkeln viel spiele, möchte ich auch Karten spielen. Eine Bekannte empfahl mir diesen Kurs. Und wenn ich es kann, dann werde ich im Urlaub oder beim Hüttenabend nach dem Skifahren eben mit den Männern auch Schafkopfen.“

Melanie Fuchs

Melanie Fuchs, 38, Vertriebsassistentin, Neumarkt:

„Mein Mann Christian spielt gerne Schafkopf. Und ich möchte gerne mit ihm zusammen dieses Kartenspiel spielen. Eine Bekannte gab mir deshalb den Rat, dass ich m ich für diesen Kurs anmelde. Mit unseren Kindern (2 und 4 Jahre alt) spielen wir alles Mögliche. Am liebsten Memory. Aber so ein Kartenspiel wird sicher irgendwann auf dem Programm stehen

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