Richter entlässt Neumarkterin unter Auflagen aus dem Gerichtsaal, weil sie den Drogen abschwören möchte

Ecstasy, Speed und ein paar Gramm Marihuana wurden bei der Frau aus Neumarkt-St. Veit gefunden. Einen Joint, wie auf dem Bild, kann sie sich nicht mehr drehen –die Rauschmittel wurden konfisziert. Die Angeklagte verließ unter Auflagen straffrei den Gerichtssaal.
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Ecstasy, Speed und ein paar Gramm Marihuana wurden bei der Frau aus Neumarkt-St. Veit gefunden. Einen Joint, wie auf dem Bild, kann sie sich nicht mehr drehen –die Rauschmittel wurden konfisziert. Die Angeklagte verließ unter Auflagen straffrei den Gerichtssaal.

Wegen des illegalen Besitzes verschiedener Rauschgifte musste sich eine 21-jährige Frau aus Neumarkt-St. Veit vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Richter Dr. Christoph Warga macht sich von Anfang an für eine Einstellung des Verfahrens stark – entgegen der Meinung der Staatsanwaltschaft.

Von Sophia Strasser

Mühldorf – Eine Kapsel Ecstasy, etwa ein Gramm Speed sowie mehrere Gramm Marihuana: In sich gekehrt, mit hochgezogenen Schultern, aber auch nervös und unruhig wippenden Füßen saß die junge Frau auf der Anklagebank, während Richter Dr. Christoph Warga die Anklageschrift verlas. „L. wird beschuldigt, als Heranwachsende Betäubungsmittel zu besitzen“, obwohl sie keine Erlaubnis dazu gehabt hätte.

Biografie der Angeklagten zeigt Brüche

Die in Erding geborene Angeklagte hatte keinen leichten Werdegang, sie war erst acht Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie musste die dritte Klasse der Grundschule wiederholen und hat lediglich einen Hauptschulabschluss, zum Quali trat sie gar nicht erst an. Danach begann sie eine Ausbildung bei Edeka, brach diese aber bereits im ersten Lehrjahr wieder ab. Dies hatte laut Rechtsanwalt Jörg Zürner zum Bruch mit der Mutter geführt. 

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Seitdem wohnt sie nicht mehr Zuhause, sondern bei den Eltern ihres Freundes. Mittlerweile absolviert die junge Frau eine Ausbildung zur Verkäuferin, bei der sie sich sehr wohlfühle, so der Verteidiger über den Lebenslauf der Angeklagten. Auf Beschluss der Staatsanwaltschaft hatten die Ermittler das gemeinsame Zimmer durchsucht, eigentlich auf der Suche nach dem Rauschgift des Freundes, gegen den ebenfalls ein Verfahren wegen Drogenbesitz am Hals hatte. So fanden sie aber auch die Drogen der 21-jährigen.

Frau weigert sich zunächst, Angaben zu machen – lenkt dann aber ein

Auf die Frage des Richters „Woher hatten Sie das Zeug?“, wollte L. zuerst keine Angaben machen, aus Angst, ihren Freund, weiter zu belasten. Richter Dr. Christoph Warga wies die junge Frau jedoch ausdrücklich darauf hin, sie solle keine falsche Loyalität zeigen. Ein Urteil mache sich nicht besonders gut in ihrem Ausbildungszeugnis. Eine Verurteilung werde bei Verweigerung der Aussage um einiges wahrscheinlicher. Daraufhin klärte sich die Angeklagte mit Rechtsanwalt Jörg Zürner ab und nannte schließlich doch den Namen, der dem Richter bereits einschlägig bekannt war.

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Ecstasy-Tablette als Sammlerstück

Die Drogen besaß die junge Frau auch nur zum Ausprobieren, versicherte die Angeklagte. Das Ecstasy hatte sie eigentlich schon weggeworfen, es lediglich als Sammlerstück doch noch behalten, erzählte sie leise.

Die Staatsanwältin Fiona Linden beharrte zunächst auf ein Urteil, da Amphetamine (Speed) und MDMA (Ecstasy) härtere Drogen seien. Richter Dr. Christoph Warga sah die Dinge aber ein bisschen anders. „Wenn man entsprechend einsichtig ist, kann man das Verfahren auch gegen entsprechende Auflagen einstellen“. Außerdem seien L. schon einige Hürden in den Weg gestellt. Den Führerschein beispielsweise könne sie nach dem Besitz der harten Drogen nicht mehr so einfach machen.

Verteidiger hält der Angeklagten die Geständigkeit zugute

Verteidiger Jörg Zürner plädierte ebenfalls für eine Einstellung des Verfahrens. „Sie hätte auch einfach nichts sagen können, als die Beamten das Rauschgift bei ihr fanden.“ Stattdessen habe sie sofort zugegeben, dass es ihr gehöre. Zudem habe auch ihr Freund das Verfahren eingestellt bekommen, weshalb schon allein aus Gründen der Gerechtigkeit das Verfahren einzustellen sei. Er hielt seiner Mandantin zugute, dass sie sich bereits selbstständig zur Suchtberatung bei der Caritas begeben hatte. Nach einer Durchsicht der Akte des Freundes und einem Telefonat mit der Staatsanwaltschaft lenkte auch die Staatsanwältin ein und forderte eine Einstellung des Verfahrens – allerdings gegen Auflagen.

800 Euro und Gang zur Suchtberatung

Im Gerichtssaal folgte dann nur noch eine kurze Diskussion wegen der Höhe der Auflagen verkündete Richter Dr. Warga eine Einstellung des Verfahrens. L. muss eine Geldzahlung von 800 Euro, weitere Suchtberatungsgespräche bei der Caritas sowie den Nachweis zweier negativer Drogenscreenings leisten. Alle Auflagen muss die Neumarkterin bis zum 31. November erfüllen. Ihre Drogen werden natürlich einbehalten. Denn, so Richter Dr. Warga eindringlich zur Angeklagten, „die brauchen sie ja nicht mehr.“.

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