Seminare beim Erlebnisbauern in Niederbergkirchen - Nach der Corona-Pause geht das wieder

Seminare für eine Gruppe von bis zu fünf Kindern sind wieder erlaubt. Doch die Corona-Zeit ist nicht spurlos an der Familie Liebhart, den Erlebnisbauern aus Hennetsberg, vorüber gegangen. Der Weg aus dem Corona-Stillstand war mit großen Bemühungen und nur im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt möglich. Jetzt werden sogar schon wieder Alpaka-Fürhungen angeboten.
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Seminare für eine Gruppe von bis zu fünf Kindern sind wieder erlaubt. Die Corona-Zeit ist nicht spurlos an der Familie Liebhart, den Erlebnisbauern aus Hennetsberg, vorüber gegangen. 
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Endlich finden auf dem Erlebnisbauernhof in Niederbergkirchen wieder die ersten Seminare nach dem Ende des Lockdowns statt. Doch diese strenge Vorschriften machen es der Familie Liebhart in Hennetsberg nicht gerade leicht

Niederbergkirchen– Nach dem totalen Stillstand während der Corona-Hochphase im März und April kämpfte sich der Erlebnisbauernhof Hennetsberg durch verschiedene Vorschriften der Behörden. Langsam aber stetig öffnet die Familie Liebhart in Hennetsberg wieder die Angebotspalette, immer unter der Einhaltung strengster Hygieneschutzregeln – nicht gerade einfach.

Und plötzlich war das Programm Geschichte

Es ist der 5. März 2020 und der Erlebnisbauernhof Hennetsberg bringt sein Frühjahr-Sommer-Programm heraus mit über zehn verschiedenen Seminaren, monatlichen Jahreskursen für Kinder, Ferienfreizeiten zu Ostern und Pfingsten, einem Wollfest im Mai und Alpaka-Wanderungen. Nur fünf Tage später mussten jedoch alle Veranstaltungen aufgrund der Corona-Krise nach und nach wieder abgesagt werden. „Ein trauriger Zustand war das, weil der Erlebnisbauernhof natürlich vom direkten Erleben und Erfahren vor Ort lebt“, erzählen Ramona und Christian Liebhart.

Corona-Stillstand trifft Erlebnisbauern

„Gott sei Dank, sind wir finanziell nicht abhängig vom Erlebnisbauernhof, sonst hätte die Krise auch bei uns voll durchgeschlagen.“ Denn die Familie Liebhart kennt durchaus einige Höfe, denen es nicht so gut ging, die in Vollzeit Erlebnisangebote betreiben und während der Krise durch den völligen Stillstand staatliche Hilfsgelder beanspruchen mussten.

Kontakt halten während Corona-Lockdown

Trotz der massiven Einschränkungen versuchte die Familie Liebhart jedoch schnell das Beste aus der Situation zu machen und hat deshalb viele verschiedene Mitmach-Aktion angeboten, bei denen die Teilnehmer Pakete kontaktlos abholen konnten, wie einen Bausatz mit Anleitung zum Heuhasen basteln oder zum Kartoffeln setzen, oder verschiedene Wolle-Aktionen mit der Alpakawolle zum selber filzen und stricken. Eine der wenigen positiven Aspekte aus der Corona-Krise ist aus Sicht von Familie Liebhart, dass durch die Bausatz-Aktionen die Familien wieder mehr zusammen gemacht und erlebt haben. „Dies hat uns sehr beeindruckt“, erzählt Ramona Liebhart, „sodass wir auch zukünftig mehr Angebote für Familien entwickeln wollen.“

Alpaka-Wolle kontaktlos angeboten

Das geplante Wollfest am 1. Mai, das ebenfalls der Corona-Krise zum Opfer gefallen war, haben die Liebharts ebenfalls kreativ umgangen und die verschiedenen Wolle-Artikel der Alpakas wie Strickwolle, Betten, Kissen, Decken und Seifen wurden kontaktlos angeboten.

Sämtliche Aktionen waren immer mit der Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität verbunden, wenn der Lockdown erst einmal vorüber ist. Man investierte viel Zeit in die Bestellung der Felder und Gärten mit dem Anbau von Kartoffeln, Kürbissen, Mais, Bohnen, Wassermelonen und Erdbeeren. Zudem wurde die Naturwerkstatt als offener, aber überdachter Raum renoviert.

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Reger Austausch mit dem Gesundheitsamt

Familie Liebhart hat dabei aber stets Kontakt zum Gesundheitsamt in Mühldorf gehalten, um über die neusten Entwicklungen informiert zu sein. „Der Austausch war wirklich sehr hilfreich und die Ansprechpartner waren immer überaus geduldig und hilfsbereit, obwohl sich die die rechtliche Lage häufig verändert hat“, erklärt Ramona Liebhart.

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Masken auch im Stall erforderlich

Der Erlebnisbauernhof bietet viele verschiedene Seminare und Veranstaltungen an, bei denen mal mehr mal weniger großer Abstand eingehalten werden kann. So waren es unter anderem die Alpakawanderungen, die das Gesundheitsamt unter Sportveranstaltungen beziehungsweise Naturführungen eingestuft hat. Schon Mitte mai konnte damit unter der Einhaltung gewisser Auflagen wieder gestartet werden. Viele der Auflagen waren jedoch kein Neuland für den Erlebnisbauernhof, weil man auch vorher schon Wert auf Arbeit in Kleingruppen, der Arbeit im Freien oder den Hygienemaßnahmen gelegt hat. Das Hygienekonzept war schnell ausgearbeitet, das Tragen von Masken im Stall jedoch für alle neu.

Tourismusverband organisiert Desinfektionsmittel

Doch man konnte auch auf die Hilfe von außerhalb bauen: Der Tourismusverband InnSalzach zum Beispiel griff mit der Lieferung von Desinfektionsmitteln unter die Arme. Denn die waren zu den Zeiten hoher Infektionszahlen schwierig und wenn, dann nur zu erhöhten Preisen zu erwerben. „Nachdem Desinfektionsmittel zur Mangelware wurden sind wir eine Kooperation mit der Antonius-Apotheke in Altötting eingegangen, die dazu bereit war Desinfektionsmittel nach WHO-Standrad selbst zu mischen. Bei den Masken haben wir nach deutschen Anbietern Ausschau gehalten, die Mehrwegmasken anbieten“, erklärt Andrea Streiter Geschäftsführerin beim Tourismusverband InnSalzach.

Tourismusverband wird in Corona zum Beraterverband

140 Erlebnisangebote gibt es in den Landkreisen Mühldorf und Altötting, angefangen beim Motorsägenschnitzkurs über das Weißwurstseminar bis hin zur Jodelnachhilfe. Die Anbieter habe man angeschrieben, um danach Sammelbestellungen durchzuführen. 1000 Mehrwegmasken, 300 Flaschen Flächen- und Händedesinfektionsmittel hätten gezeigt, dass die Nachfrage vorhanden gewesen sei. „Nach dem Lockdown befanden auch wir uns in kompletter Schockstarre. Wir haben dann begonnen Webinare anzubieten. Marketing und Tourismusthemen wurden kommuniziert, wir haben viel mit den Vertretern der Tourismusbranche telefoniert, uns ausgetauscht und wir sind beratend zur Seite gestanden.“ Das Bild des Tourismusverbandes habe ich gewandelt. Weg vom Marketing also, hin zum Berater.

Seit Anfang Juli wieder pädagogische Kurse

Und davon profitierten auch die Liebharts in Hennetsberg. „Große Erleichterung verspürten wir, als wir ab Juni die Freigabe vom Gesundheitsamt für unsere Jahreskurse für Kinder bekommen haben“, berichtet Erlebnisbauer Christian Liebhart, „die Jahreskurse fallen laut Gesundheitsamt unter pädagogische Bildung, sodass wir am 6. Juli mit der ersten Gruppe starten konnten – wenn auch nur mit fünf anstatt der gewöhnlichen acht Teilnehmer.“

Naturforscher auf fünf Personen reduziert

Im Jahreskurs, bei dem sich eine feste Gruppe von Kindern in drei verschiedenen Altersstufen monatlich auf dem Bauernhof trifft und die landwirtschaftliche Entwicklung mitverfolgt, musste Familie Liebhart die drei ausgefallenen Termine von März bis Mai aufholen.

Bis zu zehn Kinder möglich – unter Befolgung des Hygienekonzepts

Mit den bayernweit verkündeten Lockerungen, kehrt auch in Hennetsberg wieder die Normalität Schritt für Schritt zurück. Seit Mitte Juni darf der Erlebnisbauernhof wieder die Natur- und Waldseminare anbieten, da sie laut Gesundheitsamt unter Umweltbildung laufen. Auch Kindergeburtstage oder Ferienprogramme, die unter Freizeitveranstaltungen laufen, sind jetzt mit bis zu zehn Kindern und einem entsprechenden Hygienekonzept wieder möglich. „Wir sind nun sehr froh, dass wir langsam wieder in die Normalität zurückkehren“, erzählen Ramona und Christian Liebhart. Normalität, nach der sich in Zeiten von Corona auch die Kinder und Jugendlichen endlich wieder sehnen.

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