CSU profitiert von Verschiebung

Auer, UWG, 1755

Neumarkt-St. Veit – Der Stadtrat von Neumarkt-St.

Veit wird ein bisschen bunter, nachdem es Thomas Döring geschafft hat, für die Grünen im Ort ein Stadtratsmandat zu erringen. Sieben Prozent der Wähler gaben den Grünen ihre Stimme. Nicht die einzige signifikante Änderungen in der Zusammensetzung des Stadtparlaments.

UWG stürzt ab, zehnProzent weniger

Die CSU konnte ihr Ergebnis von 2014 verbessern, holte bei der Stadtratswahl 42,5 Prozent der Stimmen (2014: 41 Prozent). Bei der SPD blieb alles beim Alten, Ulrich Geltinger und Ludwig Spirkl bleiben im Rat, das Wahlergebnis ging aber ebenfalls leicht nach oben auf 9 Prozent (2014: 7,8 Prozent).

Große Verliererin dieser Kommunalwahl ist die UWG, die im Vergleich zu 2014 Einbußen von fast zehn Prozent hinnehmen musste. Stellte die UWG-Fraktion 2014 mit 51,2 Prozent noch zehn Stadträte plus Bürgermeister, sind es nach der Schlappe am Sonntag mit 41,5 Prozent nur noch acht Räte. Ob Erwin Baumgartner Bürgermeister bleibt? Fraglich.

Die Überraschung: Etablierte Kräfte haben es nicht mehr in den Stadtrat geschafft. Werner Kitschke, der vor sechs Jahren noch 1725 Stimmen auf sich vereint hatte, erreichte nicht einmal mehr die Hälfte (819). Nicht viel mehr erreichte seine Fraktionskollegin Martina Huber, der nach 1104 Stimmen im Jahr 2014 nun mehr als 500 Stimmen fehlten.

Für die größte Überraschung sorgte Peter Gruber (CSU), der sich bei der Nominierungsversammlung lediglich als Ersatzkandidat vorgestellt hatte, wegen des Wechsels des Kandidaten Thomas Döring zu den Grünen aber nachrückte und mit 1119 Stimmen den Einzug ins Gremium schaffte.

Kulhanek ist Stimmenkönig

Auffällig bei den Bürgermeisterkandidaten: Michael Kulhanek packte auf die 2517 Stimmen von 2014 jede Menge Stimmen drauf, ist mit 3753 Stimmenkönig der Kommunalwahlen in Neumarkt-St. Veit, Heimerl schaffte mit 2953 Kreuzchen das zweitbeste Ergebnis, fällt aber als Landrat aus dem Gremium, für ihn rückt Johanna Kaltenecker nach.

Als Elsenbacherin ist sie eine der wenigen, die den Außenbereich vertreten dürfen. Viele Stimmen haben der UWG der Verzicht einer erneuten Kandidatur des Hörberingers Michael Asbeck gekostet. Als Ersatz für den Ortsteil Hörbering darf sich lediglich Maria Kobold Hoffnungen machen, die im Falle der Wahl Baumgartners – er hat auf der Stadtratsliste nur 2803 Stimmen geholt – zum Bürgermeisters aufrücken würde.

Einbußen verzeichnen Dr. Klaus Windhager (minus 554) und auch Peter Hobmaier hat Federn gelassen (minus 226), bei der CSU ließ Ferdinand Rothkopf Federn (minus 404). Überwältigend hingegen das Ergebnis von Neuling Sylvia Wegner (UWG), die nach Baumgartner Stimmenkönigin ist. Und auch UWG-Fraktionsvorsitzender Christian Perau legte zu, von 1079 in 2014 auf nun 1559.

„Obwohl jetzt eine Partei mehr im Gremium sitzt, konnten wir unser Ergebnis verbessern und sogar mindestens einen Sitz dazugewinnen. Ich sehe da ganz klar eine Trendwende für uns als CSU“, sieht Fraktionsvorsitzender Michael Kulhanek an Tag eins nach der Wahl ein erfolgreiches Abschneiden seiner Partei. Über alle Fraktionen hinweg sei ein Generationswechsel zu verzeichnen. „Wir haben eine ganz neue Mischung, die Leute sind bereit, der neuen, jüngeren Generation eine Chance zu geben“, findet Kulhanek, der bedauert, dass der Außenbereich schwächer vertreten ist als bisher. Das ändere auch nicht die Tatsache, dass Kreisrat Georg Wimmer aus Stein nach jahrelanger Abstinenz und zwischenzeitlichen Wechseln zwischen CSU und UWG wieder zurück im Gremium ist.

„Dass wir wegen der Grünenliste wohl auf einen Sitz verzichten müssen, hatte ich befürchtet. Dass wir aber zwei Sitze verlieren, hätte ich nicht gedacht“, sagt UWG-Fraktionssprecher Christian Perau zu den Verlusten. Er macht dies daran fest, dass mit Irmi Eigl, Emil Steinbach, Franz Göhl und vor allem Michael Asbeck politische Schwergewichte weggefallen seien, die in der Vergangenheit viele Stimmen gezogen hätten. Dies sei nur zum Teil kompensiert worden. Grundsätzlich aber freue er sich, dass mit Silke Auer, Sylvia Wegner und Robert Lächele vielversprechende neue Kräfte eingezogen seien. Einen Grund für das schlechte Abschneiden kann Perau nicht erkennen. Er mutmaßt, dass die Wähler in erster Linie die UWG und den Bürgermeister mit den zuletzt viel diskutierten Umgestaltungsplänen am Stadtplatz in Verbindung gebracht haben könnten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Geltinger hätte sich einen dritten Sitz im Stadtrat gewünscht, „aber wir sind auch mit zwei Mandaten zufrieden.“ Im Kreisvergleich sehe er eine Trendumkehr, nachdem die SPD sogar dazugewonnen habe im Vergleich zu 2014. Er überlegt eine Fraktionsgemeinschaft mit dem Grünen Thomas Döring, will dies aber noch prüfen.

Dass es in zwei Wochen eine Bürgermeister-Stichwahl geben werde, begrüßt Geltinger. „Ich habe immer gesagt, dass wir einen neuen Bürgermeister brauchen, denn nach 18 Jahren ist einfach die Luft raus. Diese Chance ist nun gegeben. Das haben auch wir von der SPD mit zu verantworten“.

Entscheidend für die Stichwahl in zwei Wochen werde sein, wie sich die beiden Kandidaten am kommenden Donnerstag im Stadtrat präsentieren, wenn es um das Bürgerbegehren um den Stadtplatz geht. Es sei in der Corona-Krise der einzig öffentliche Raum, in dem sie sich präsentieren können.

Thomas Döring, der die Farbe Grün wieder in den Stadtrat bringt, hatte auf mehr Zuspruch gehofft, ist aber auch überrascht über das Ergebnis von manch anderer Partei. „Ab jetzt zählt keine Parteipolitik mehr, sondern das gemeinsame Zusammenstehen, damit wir die coronabedingte Krise meistern können!“

Kommentare