Ein Platz an der Sonne: Neumarkter Handwerker hat keinen Nachteil durch Corona – im Gegenteil

Richard Weindl kann sich über genügend Arbeit nicht beschweren. Weindls Vermutung: Viele Menschen verzichten wegen Corona auf größere Urlaube, das gesparte Geld investieren sie in Fotovoltaikanlagen.
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Richard Weindl kann sich über genügend Arbeit nicht beschweren. Weindls Vermutung: Viele Menschen verzichten wegen Corona auf größere Urlaube, das gesparte Geld investieren sie in Fotovoltaikanlagen.

Der Neumarkter Solaranlagenbauer Richard Weindl kann sich über Aufträge nicht beschweren. Er hat seine eigene Theorie, warum gerade jetzt Menschen in Sonnenstrom investieren

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit – Kommt der zweite Frühling für die Solarbranche? Nachdem Söder eine Initiative für die Erzeugung von Sonnenstrom angekündigt hatte, dürften sich Betriebe, die Solaranlagen installieren, die Hände reiben. Doch Richard Weindl sagt schon jetzt: Es gibt Arbeit ohne Ende. Corona hat zu keinem Einbruch geführt.

Photovoltaik verpflichtend auf jedem Dach – für einen Solaranlagenmonteur muss sich das anhören wie ein Lottogewinn, oder? Das sichert doch den Fortbestand über Jahre hinaus…

Richard Weindl:Natürlich hört man so etwas gerne, wobei mir beim Thema Nachhaltigkeit ein wichtiger Punkt fehlt: Die thermische Energie wird immer vernachlässigt, obwohl sie eigentlich eine einfache Technologie. Sie ist verbunden mit einem überschaubaren Aufwand, weil die Wärme direkt in den Kreislauf eines Haushalts eingespeist werden kann, Wärme damit nicht über Umwege erzeugt werden muss oder von extern kommt.

Wie war denn in den vergangenen Monaten die Auftragslage in der Solarbranche? Hat die Corona-Krise auch die Solaranlagenbauer gehemmt?

Weindl:Das Gegenteil war der Fall. Das Geschäft hat geboomt, wir können uns jedenfalls nicht beschweren über zu wenig Arbeit. Das kann daran liegen, dass die Leute wegen des Lockdowns zu Hause zum Nachdenken gekommen sind, plötzlich auch Geld übrig war, weil sämtliche Urlaubsplanungen ins Wasser gefallen sind. Der Branche scheint dies tatsächlich gut getan zu haben.

Rechnen Sie damit, dass in den nächsten Monaten ein Einbruch in der Auftragslage erfolgen kann oder sind Sie noch gut ausgelastet?

Weindl:Nein, wir sind breit aufgestellt, weil wir auch Heizungsanlagen installieren. Deswegen habe ich auch aktuell ganz bestimmt keine Existenzängste.

Was sagen Sie zu der Offensive Söders, vor allem den Bau von Freiflächenanlagen anzutreiben? Profitieren davon auch mittelständische Unternehmen, wie das Ihre?

Weindl:Nein, davon haben wir nichts. Dafür gibt es große Unternehmen, die auf solche Anlagen spezialisiert sind.

Die Einspeisevergütung wird immer weniger. Lohnt es sich noch, eine Photovoltaikanlage auf das Privatdach montieren zu lassen?

Weindl:Menschen, die sich eine Anlage auf dem Hausdach zulegen, tun dies für den Eigenverbrauch. Der Strompreis spielt dann keine große Rolle mehr, wenn man sich dann auch noch dafür entscheidet, einen Speicher anzulegen. Wenn man die Modulpreise und die Einspeisevergütung gegenrechnet hat sich eine Anlage auf dem Dach in elf bis zwölf Jahren amortisiert. Es lohnt sich also immer noch. Anlagen mit hoher Energieleistung rechnen sich durchaus schon nach sechs und sieben Jahren.

Apropos Speicher: Halten Sie die Anschaffung für eine lohnende Investition?

Weindl:In Verbindung mit einem E-Auto auf jeden Fall, weil man natürlich damit auch Spritkosten spart. Dabei muss es auch nicht unbedingt ein Speicher mit der oft gescholtenen Silicium-Technologie sein. Es gibt auch wenig Ressourcen-schädliche Salzwasserbatterien, die zwar sehr schwer sind. Aber das Gewicht spielt im Keller ja keine Rolle. Wer tagsüber sein Auto lädt, braucht keinen Extraspeicher. Wenn man die Hausgeräte nur abends oder nachts nützen kann, dann ist ein Speicher wertvoll.

E-Autos werden eben wegen der Ressourcenschädlichkeit oft kritisch angesehen. In der CO2-Bilanz kommt es im Vergleich zu einem Benziner oder Diesel bei manchen Studien nicht gut weg...

Weindl:...weil man das alles nicht zu Ende denkt. Ich denke, dass die Silicium-Technologie noch lange nicht am Ende ist, da ist noch Luft nach oben. Und auch zur Klimaschädlichkeit muss man sagen: Für Ölförderung, Raffinade und Transport auf Tankern, in Pipelines und Lkws wird Energie aufgewendet – alles Dinge, die man im Hinterkopf haben sollte, wenn man an der Zapfsäule steht, um seinen Diesel oder Benziner zu betanken. Mit dieser Energie fährt ein E-Auto locker bis zu 70 Kilometer, ehe der Kraftstoff auch nur den Tank erreicht. Beim E-Auto kommt der Sprit von der Sonne auf dem Dach.

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