Die Panne mit der Tanne: Jetzt schmückt sie immerhin den Neumarkter Stadtplatz

Mächtig steht sie da am Stadtplatz:Die Tanne vom Schermer Bach stand auf städtischem Grund. Es ist nachvollziehbar, dass die Bauhofmitarbeiter die Eigentumsverhältnisse nicht hinterfragt haben. Warum auch? Natascha Engelmann sagt: „Nachdem er auf städtischen Grund gewachsen ist, ist er auch das Eigentum der Stadt!“ Enzinger/Von Roennebeck

Verzwickte Situation in der Rottstadt. Nachdem Bauhofmitarbeiter einen Prachtbaum am Brunnberg gefällt haben, stellt sich nun die Frage: Wem gehört die Tanne überhaupt? Fest steht vor allem eines: Eine Anliegerin, die den Baum gepflanzt und über Jahre gepflegt hat, ist am Boden zerstört.

Neumarkt-St. Veit – Normalerweise steht CSU-Stadträtin Rosmarie von Roennebeck an vorderster Stelle, wenn es darum geht, einmal im Jahr eine prächtige Tanne umzuschneiden, damit diese als Christbaum illuminiert an prominenter Stelle einen Marktplatz schmückt. Schließlich ist es traditionell ihr Freundeskreis Caneva, der schon seit 16 Jahren einen bayerischen Christbaum in die Neumarkter Partnerstadt Caneva befördert.

Anliegerin hat den Baum gepflanzt

Doch bei dem bayerischen Christbaum, der aktuell den Stadtplatz in Neumarkt-St. Veit schmückt, hat sie großes Bauchweh. Denn die Edeltanne stand einst im Wohngebiet am „Brunnberg“, bevor sie nun von Bauhofmitarbeitern umgesägt worden ist. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn es ist städtischer Grund und Boden, den der Bauhof verpflichtet ist zu hegen und zu pflegen. Nur handelt es sich bei der Tanne, um einen Baum, den eine Anliegern gepflanzt hatte. Vor 18 Jahren. Jetzt ist davon nur noch ein Stumpf zu sehen. Privates Eigentum auf städtischem Grund – eine verzwickte Situation.

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Verzwickt deswegen, weil die Anliegerin den Baum gehegt und gepflegt hatte, wie von Roennebeck berichtet. Todunglücklich sei die Neumarkt-St. Veiterin. „Am Boden zerstört“, berichtet von Roennebeck über den Kummer darüber, dass der groß gewachsene Nadelbaum in der Nähe des Schermer Baches nun weg ist.

Von Roennebeck: Wer hat Rechte wofür?

Und deswegen fragte von Roennebeck in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses nach, wie es so weit kommen konnte. Denn von Roennebeck weiß von einer mündlichen Vereinbarung, die es seitens der Stadt mit der Anliegerin gegeben habe – dass nämlich die Frau den Grund bepflanzen dürfe und das städtische Grundstück damit aufgewertet habe. Eigentlich eine Win-Win-Situation. Doch jetzt, nach Fällung der Prachttanne, stellt von Roennebeck der Stadt die Frage: „Warum redet man nicht vorher mit den Leuten? Wer hat Rechte wofür?“ In der Sitzung wusste Baumgartner Erwin Baumgartner darauf keine Antwort zu geben. Es gebe Bereiche, die Anlieger pachten könnten, um etwa Brennholz zu lagern. Wenn sie sich auch noch dazu bereit erklären, die Grünfläche zu pflegen, wäre die Pacht sogar günstiger. Er versprach, die Sache zu überprüfen.

Baumgartner spricht von peinlicher Situation

Am Freitag nun gab er zu, dass dies eine durchaus „peinliche Situation“ sei, verweist auf die Leiterin des Neumarkter Bauamtes, Natascha Engelmann, die den Sachverhalt recheriert hat. Sie bestätigt, dass es in dem Bereich „Brunnberg“ Pachtverträge mit Grundstückseigentümern gebe. Für den von der CSU-Stadträtin vorgebrachten Bereich sei der Stadt jedoch kein Pachtvertrag bekannt. „Auch gibt es nach unseren Unterlagen keinerlei Hinweise auf eine mündliche Vereinbarung.“

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Sie verteidigte den Baumschnitt, der durch den Bauhof erfolgt sei, und erklärt: „Wir bekommen von Anliegern aus diesem Bereich immer wieder Wünsche und Forderungen, den jetzt schon ziemlich dichten Baumbewuchs auslichten, damit keine so großen Schattenwürfe in ihre Gärten entstehen.“ Dies geschehe jedoch immer in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. Zum konkreten „Baumfrevel“ am Schermer Bach meint Engelmann: „Es ist sehr bedauerlich, dass ausgerechnet der von der Familie vor 18 Jahren gepflanzte Baum gefällt wurde. Aber wir wussten dies nicht. Nachdem er auf städtischen Grund gewachsen ist, ist er auch das Eigentum der Stadt. Wir bedauern den Vorfall, bitten aber auch um Verständnis für unser Handeln.“

Prominenter Platz am „alten Stadtplatz“

Zu ändern ist es eh nicht mehr. Der Baum ist weg – aber noch nicht ganz: Immerhin schmückt der volljährige Prachtbaum jetzt, zur Adventszeit, den Neumarkter Stadtplatz, den es in dieser Form ja auch bald nicht mehr geben wird: Als letzte Tanne vor Beginn der Stadtplatzsanierung im nächsten Jahrstrahlt sie nun in kalter Winternacht, wenn sich zur Abenddämmerung der Lichterglanz auf ihren Ästen ausbreitet. Größte Aufmerksamkeit also für die bescheidene Tanne vom Schermer Bach – zumindest so lange, bis der Bauhof erneut kommt und sie dann zum zweiten und letzten Mal umlegt. Aber das hat noch Zeit bis nach Weihnachten.

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