Rentner aus Dolling fotografiert die Vogelarten rund um sein Anwesen – erkennen Sie alle?

Hobbyornithologe Egbert Pfeifer. Mit seinem Teleobjektiv kann er selbst weit entfernte Objekte einfangen.
  • Karlheinz Jaensch
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Vom Wirtschaftsboss zum Ornithologen: Egbert Pfeifer hat in seinem Rentnerdasein in Dolling sein Hobby entdeckt. Damit hat er zwar schwer zu schleppen, doch die Ergebnisse entschädigen die Kraftanstrengungen

Niederbergkirchen– Vor über anderthalb Jahrzehnten kaufte Egbert Pfeifer mit seiner Gattin das gerade freigewordene Anwesen des ehemaligen Sehers und Astrologen Hans Sporrer im Niederbergkirchener Ortsteil Dolling. Die ruhige Lage im Tal des Miesinger Baches kam dem Maschinenbauingenieur und ehemaligen Vorsitzenden der Waldkraiburger Industriegemeinschaft gerade Recht als Sitz im Ruhestand.

Doch von wegen Ruhestand: Um ihn herum herrscht reges Treiben. Verschiedene Vogelarten fühlen sich im Dollinger Tal ebenso wohl. Pfeifer wurde zum Hobby-Ornithologen, hat inzwischen 66 Vogelarten entdeckt.

Die Gebirgsstelze fühlt sich an Bachläufen wohl.

Ein Paradies rund um den „Dollingerhof“

Als Gründer und Geschäftsführer von Maschinenbaufirmen von Weltruf und als ehrenamtlicher Richter beim Sozialgericht in München blickt Pfeifer auf ein arbeitsreiches Arbeitsleben zurück. Mit seiner Frau, einer promovierten Biologin, baute er den Vierfirsthof aus. Er nennt ihn jetzt „Dollingerhof“ und sein „Paradies“. Dr. Antje pflegt den Gemüse- und Blumengarten, beide reiten gerne, genießen die Natur bei vielen Spaziergängen.

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Intakte Flora und Fauna

In Dolling beginnt mit einer Reihe von Weihern der Miesingerbach, der in die Isen mündet. Er bildet mit seinem Tal eine Verbindungsachse für Vögel von der Rott zur Isen. Mit seinen Wiesen, Feldern, Hügeln und Wäldern bildet Dolling somit ein Vogelparadies. Und hier beginnt das neue Hobby des ehemaligen Maschinenbauers.

Egbert Pfeifer erkannte bald, dass in Dolling viele Vogelarten vorkommen, die sein Interesse weckten. Er begann sie zu fotografieren. Dabei entwickelte er seine eigene Technik: Er benutzt kein Stativ, wie die meisten Vogelbeobachter. „Ein Stativ würde mich stören.“, erklärt er. „Ich fotografiere viele Vögel im Flug, da muss ich ja mit der Kamera mitgehen.“ Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass sein Teleobjektiv knapp 2,5 Kilogramm auf die Waage bringt.

Ein ganz seltener Gast in der Dollinger Senke: Der Pirol war Vogel des Jahres 1990.

300 Millimeter Brennweite und eine Blende von 2,8

Mit seiner festen Brennweite 300 Millimetern, verstärkt durch einen Zweifach-Extender, kommt er den fliegenden Künstler, dabei sehr nahe. Und bei einer festen Blende von 2,8 und entsprechend kurzer Verschlusszeit sind dann auch noch scharfe Bilder möglich.

Ein möglichst genaue digitale Wiedergabe seiner „Abschüsse“ ist auch wichtig, wenn der Naturkundler wissen will, was da gerade vor seinen Fokus geflogen ist.

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Bei der Analyse hilft das Internet

Pfeifer vergleicht die fotografierten Vögel mit den Bildern aus Vogelbestimmungsbüchern und aus dem Internet. In seinen zwei großen Fotoalben mit Vogelbildern hat er sie sortiert: „Darin sind bereits 66 unterschiedliche Arten von Vögeln verewigt, die ich rund um mein Anwesen entdeckt habe!“ Der Hobbyornithologe ist stolz auf viele besondere Aufnahmen: Man staunt über Turmfalken bei der Paarung, über Vögel beim Beutefang im Flug oder bei der Fütterung ihres Nachwuchses. Spektakulär seine Aufnahmen zweier rivalisierender Bussarde.

Grünspecht mit jungen im eigenen Kirschbaum.

Turmfalken bei der Paarung erwischt

Doch Pfeifer freut sich auch über die seltenen Arten, die in seinen Bäumen, Wiesen und Sträuchern Rast machen, wenn sie etwa aus nordischen Ländern nach Süden reisen oder umgekehrt. Fotos vom Seidenschwanz, Eisvogel, Pirol, Wendehals, Fichtenkreuzschnabel oder einem Teichhuhn beeindrucken unter anderem.

Kamera ist stets bei Wanderungen dabei

„Bei vielen Wanderungen trage ich meist meine schwere Kamera mit großem Objektiv um den Hals. So gelingen mir immer wieder Aufnahmen von etwas Besonderem“, erzählt Pfeifer. Mit seiner Frau achtet er darauf, dass die wunderschöne Naturlandschaft in diesem Tal erhalten bleibt und den Vögeln der nötige ruhige Lebensraum. Schließlich profitieren alle davon: Die Vögel vom Lebensraum, und der Niederbergkirchener, um seinem Hobby auch weiterhin zu frönen.

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